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Verleihung 'Johannes Messner Medaille' 2026
Kathpress / Paul Wuthe

"Messner Medaille" an Bischof Küng, Abt Schöder und Gewerkschafter Schnedl

Früherer Bischof von Feldkirch und St. Pölten, derzeitiger Abt von Göttweig und früherer FCG- und GÖD-Vorsitzender für naturrechtlich begründetes, christlichsoziales Wirken ausgezeichnet

15.01.2026

Bischof Klaus Küng, Abt Patrick Schöder und der Gewerkschafter Norbert Schnedl sind mit der "Johannes Messner Medaille" geehrt worden. Übergeben wurde die Auszeichnung am Mittwochabend im Rahmen eines Festaktes in den Räumen der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) in Wien. Eingeladen hatten die Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) in der BMHS-Gewerkschaft gemeinsam mit der Stiftung "Johannes Messner Medaille". Mit der Medaille werden in unregelmäßiger Folge Persönlichkeiten geehrt, die sich um Weiterentwicklung, Forschung und Verwirklichung der Naturrechtslehre von Johannes Messner verdient gemacht oder sich in diesem Sinn für christlichsoziale Anliegen in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft engagiert haben.

 

Die Laudatio für den früheren Diözesanbischof von Feldkirch (1989-2004) und dann St. Pölten (2004-2018) hielt die Präsidentin der Johannes Messner Gesellschaft, Maria Raphaela Hölscher. Sie verwies auf die wissenschaftliche Lebensleistung von Messner, der als Begründer der "Wiener Schule der Naturrechtsethik" gilt. Küng, der seit 2020 auch Ehrenpräsident der Johannes Messner Gesellschaft ist, sei als promovierter Mediziner und Theologe bereits in den 1970er-Jahren mit Messner im Kontakt gewesen.

 

Katholische Soziallehre

 

Besonders bedeutsam für das Denken Küngs sei Messners Beschreibung der existenziellen Zwecke des Menschen geworden und die damit verbundene Erkenntnis, dass die unveräußerlichen Rechte des Menschen in seiner naturrechtlich begründeten Würde liegen. Diese Einsicht sei Menschen allgemein zugänglich, egal ob man gläubig sei oder nicht, und mache die Stärke und bleibende Bedeutung des Naturrechts aus. Bischof Küng habe in seinen öffentlichen Stellungnahmen vor diesem naturrechtlichen Hintergrund argumentiert, etwa wenn er die Ermöglichung des assistierten Suizids in Österreich als ethischen und gesellschaftlichen "Dammbruch" kritisiert hat, so Hölscher in ihrer Würdigung.

 

GÖD-Vorsitzender Eckehard Quin ging in seiner Würdigung für Schnedl, seinen Amtsvorgänger in dieser Funktion, auf die grundlegende programmatische Bedeutung der katholischen Soziallehre für die FCG ein. Ihre fünf Prinzipien - Personalität, Gemeinwohl, Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit - seien "die Basis für das 'große C' in der FCG" und auch für den Gewerkschafter Schnedl richtungsgebend gewesen, so Quin. Vor allem das Prinzip "Personalität" sei für Schnedl, dessen berufliche Laufbahn bei der Gendarmerie begann, besonders wichtig gewesen. Die unveräußerliche Würde des Menschen zu schützen, sei der Grundauftrag des Exekutivbeamten und für Schnedls Verantwortung an der Spitze der FCG (2007-2023) und als GÖD-Vorsitzender (2016-2023) ein großes Anliegen geblieben.

 

Bildung und Soziale Frage

 

Schöder, der seit einem Jahr als 66. Abt des Benediktinerstifts Göttweig wirkt, wurde für seine Verdienste im Bildungsbereich gewürdigt. Ob als Lehrer, Studentenseelsorger oder Schulgründer - auch nach seiner Wahl zum Abt sei Schöder "ein Schulmann geblieben", betonte der Vorsitzende der FCG für die Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), Roland Gangl, in seiner Würdigung. Auch für Messner sei Bildung zentral für die Persönlichkeitsentwicklung und die Schaffung der Lebensgrundlagen gewesen. "Bildung kann und soll zur Lösung der Sozialen Frage beitragen", so Gangl unter Verweis auf Messner und die Verdienste Schöders in diesem Bereich.

 

Schöder ergriff am Ende des Festaktes stellvertretend für die Ausgezeichneten das Wort. Die Medaille mit dem Namen Messners sei "Ehre und Verpflichtung zugleich", habe doch der Priestergelehrte "mit großer Klarheit gezeigt, dass christlicher Glaube und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören". Messner habe es verstanden, die Werte der christlichen Lehre "mit Realitätssinn und Hoffnung" zu begründen und zu vermitteln. "Glaube, Arbeit, Verantwortung und Solidarität gehören zusammen." Dies gelte es zu vermitteln und umzusetzen, "zum Wohl der Arbeitenden und zum Wohl der Gesellschaft" so Schöder.

 

Im Gedenken an Messner wurde 1992 in Schwaz in Tirol die Stiftung der "Johannes Messner Medaille" errichtet. Im selben Jahr wurde sie erstmals verliehen, und zwar an den damaligen Tiroler Landeshauptmannstellvertreter Fritz Prior. Ausgezeichnet wurden bisher die Politiker Alois Mock (1994), Herbert Schambeck (2000) und Fritz Neugebauer (2017) sowie die Wissenschafter Prof. Akira Mizunami (1995), Prof. Jan Krucina (2003), Prof. Rudolf Weiler (2007) und Prof. Hideshi Yamada (2007).

 

Priester, Gelehrter, Berater

 

Johannes Messner war Professor für Ethik und Sozialwissenschaft an der Universität Wien. Er galt als Doyen des christlichen Naturrechts und Gründer der "Wiener Schule der Naturrechtsethik". In der Zwischenkriegszeit war er ein wichtiger Berater sowohl des katholischen Episkopates als auch führender christlich-sozialer Politiker in Österreich.

 

Messner wurde 1891 in Schwaz (Tirol) als Sohn eines Bergmanns und einer Fabrikarbeiterin geboren. Nach der Volksschule in Schwaz besuchte er das humanistische Gymnasium in Brixen, wo er nach der Matura von 1910 bis 1914 an der Katholisch-theologischen Hochschule studierte und am 29. Juni 1914 zum Priester geweiht wurde. Es folgten mehrere Jahre Seelsorgetätigkeit in Tiroler Pfarren sowie Rechts- und Wirtschaftsstudien in Innsbruck und München. Messner war bei verschiedenen Zeitschriften, die sich mit den sozialen und politischen Problemen der Zeit auseinander setzten, tätig. 1926 verfasste er den Entwurf eines sozialen Hirtenschreibens.

 

1927 hatte er sich mit einer Studie zur Grundlegung einer systematischen Wirtschaftsethik an der Salzburger Theologischen Fakultät habilitiert, wo er anschließend mehrere Jahre als Privatdozent lehrte. 1935 berief ihn die Universität Wien als Außerordentlichen Professor für Ethik und Sozialwissenschaften. Mittlerweile war Messner durch sein erstes großes Werk, "Die Soziale Frage", bekannt geworden. Er entwickelte darin eine umfassende Sozialkritik, zeigte dabei das Scheitern von Kapitalismus und Sozialismus auf und betonte die Bedeutung einer christlichen Sozialreform für die Lösung der Sozialen Frage.

 

Durch den "Anschluss" verlor er seine Professur, angesichts der drohenden Verhaftung floh er über die Schweiz nach England, wo er im von Kardinal Newman gegründeten Oratorium in Birmingham Aufnahme fand. 1949 erschien, zunächst in Englisch, Messners Hauptwerk "Social Ethics". Der Titel der bald folgenden deutschen Ausgabe lautete "Das Naturrecht". Ab 1949 nahm Messner auch wieder seine Lehrtätigkeit in Wien auf. 1962 wurde er emeritiert. Er starb am 12. Februar 1984 in Wien.

 

Am 31. Oktober 2002 wurde das diözesane Seligsprechungsverfahren für Messner eröffnet. Seit 2015 wird das Verfahren aber nicht weiterverfolgt. Kardinal Christoph Schönborn hat als Erzbischof von Wien das Seligsprechungsverfahren sistiert. Das entsprechende Dekret wurde im Wiener Diözesanblatt veröffentlicht. In dem Dekret wird festgehalten, dass durch das Verfahren und die Erhebungen "das vorbildliche sowie verdienstvolle priesterliche und wissenschaftliche Wirken des Dieners Gottes Johannes Messner" in Erinnerung gerufen wurde. Weil jedoch "eine umfangreiche, kontinuierliche und anhaltende Verehrung des Dieners Gottes in der Erzdiözese Wien fehlt", werde von der Weiterführung des Verfahrens zur Seligsprechung abgesehen.

 

Quelle: Kathpress

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