
Kältetote in Wien: Hilfswerke mahnen zur Wachsamkeit
Die anhaltende Kältewelle hat in Wien zwei Menschenleben gefordert: Zwei obdachlose Männer sind in den vergangenen Tagen in den Bezirken Floridsdorf und Favoriten erfroren. Die Männer wurden von Streetwork-Teams der Caritas der Erzdiözese Wien aufgefunden. Caritas und VinziWerke zeigten sich am Donenrstag tief betroffen und appellierten eindringlich an die Bevölkerung, bei Kälte aufmerksam zu sein und Hilfsangebote rasch zu nutzen. Das Kältetelefon der Caritas verzeichnete unter der Rufnummer 01-4804553 zuletzt bis zu 350 Anrufe pro Tag.
Caritas-Wien-Direktor Klaus Schwertner sprach gegenüber der APA von "sehr traurigen" Todesfällen. Dass Menschen in Wien an Kälte sterben, "ist einige Jahre her", sagte er zur Presseagentur. Zugleich verwies Schwertner auf die Bedeutung des Kältetelefons: Allein in diesem Winter seien in Wien bereits rund 8.000 Anrufe eingegangen. "In mehr als einem Dutzend Fällen haben wir buchstäblich in letzter Minute dank Hinweisen über das Kältetelefon obdachlose Menschen noch rechtzeitig gefunden", so Schwertner. Teilweise seien Betroffene mit einer Körpertemperatur von nur 34 Grad ins Krankenhaus gebracht und stabilisiert worden. In mehreren hundert Fällen habe man Menschen in Notquartiere vermitteln können.
Nach Angaben der Caritas wurden die verfügbaren Schlafplätze zuletzt nochmals aufgestockt. "Es wird alles unternommen, dass niemand abgewiesen werden muss", betonte Schwertner. Dennoch gebe es Gründe, warum manche Menschen im Freien bleiben - etwa psychische Erkrankungen, schlechte Erfahrungen oder Schwierigkeiten, in größeren Schlafsälen zu übernachten.
Auch die VinziWerke reagierten mit Bestürzung auf die Todesfälle. Geschäftsführerin Nicola Baloch erklärte in einer Aussendung am Donnerstag: "Obdachlosigkeit kennt keine Jahreszeit." Die Todesfälle zeigten, dass Obdachlosigkeit im Winter lebensbedrohlich sei. Baloch rief dazu auf, im öffentlichen Raum aufmerksam zu sein: "Wenn jemand nicht ansprechbar ist, rufen Sie bitte sofort die Rettung - lieber einmal zu viel als einmal zu wenig."
Die VinziWerke betreiben 40 Einrichtungen in der Steiermark, Wien und Salzburg. "Im Winter legen die Notschlafstellen und Einrichtungen der VinziWerke großen Wert darauf, niemanden ohne Alternative oder Bett für die Nacht abzuweisen", hieß es vonseiten des Hilfswerks.
Quelle: Kathpress