
Tagung rückte interreligiöses Zusammenleben an katholischen Privatschulen in Fokus
Wie interreligiöses Zusammenleben an katholischen Privatschulen in einer zunehmend pluralen Gesellschaft gelingen kann, stand im Fokus einer gesamtösterreichischen Fachtagung, die von 12. bis 14. Jänner in Salzburg stattgefunden hat. Eingeladen hatten die Österreichische Ordenskonferenz und die Konferenz der Schulamtsleiter:innen Österreichs. Rund 90 Schulleiterinnen und Schulleiter katholischer AHS und BMHS sowie Schulträgervertreter aus ganz Österreich diskutierten unter dem Titel "Pluralität gestalten - Interreligiöses Zusammenleben an katholischen Privatschulen" pädagogische, gesellschaftliche und religionsbezogene Herausforderungen.
Hintergrund war die religiöse Vielfalt an katholischen Schulen selbst, heißt es in einer Aussendung am Donnerstag: Rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler an katholischen Privatschulen sind katholisch, die übrigen gehören anderen christlichen Kirchen, dem Islam oder weiteren Religionen an oder sind konfessionslos. Diese Realität stelle Schulen vor neue Aufgaben, so die Veranstalter.
Formen individueller Spiritualität würden klassische Religionen zunehmend herausfordern, strich dazu der Salzburger Religionswissenschafter Martin Rötting heraus. In seinem Vortrag zur Zukunft der Religionen beschrieb er tiefgreifende Veränderungen religiöser Landschaften: Während sich institutionelle Religionen teilweise durch eine "Bastionsspiritualität" verfestigten, nehme eine individualisierte Spiritualität - etwa in Form von "Freestyle"-Spiritualität oder SBNR ("spiritual but not religious") - deutlich zu.
Unverzichtbarer Beitrag
Zu den zentralen Thesen des Vortrags zählte, dass neokonservative oder extremistische religiöse Strömungen zwar kurzfristig für klar umrissene Personengruppen attraktiv sein können, von der Gesamtgesellschaft jedoch als Gefahr wahrgenommen und langfristig abgelehnt werden. Für pluralistische Demokratien seien hingegen interreligiöse Beiträge - etwa Friedensimpulse oder gemeinsame Antworten auf ökologische Herausforderungen - unverzichtbar.
Rötting verwies zudem auf die pluralitätssensible Rechtslage in Österreich, die es etwa ermögliche, dass Schülerinnen und Schüler an katholischen Privatschulen den Religionsunterricht ihrer jeweiligen Religion besuchen. Dies sei im internationalen Vergleich eine wichtige Grundlage für respektvolles Zusammenleben.
Ambivalent und wirkmächtig
Aus religionspädagogischer Perspektive sprach Karin Peter von der Universität Innsbruck. Eine Schule, die Religion ausblende, werde dem Bildungsauftrag nicht gerecht, so ihre These. Religion sei ein ambivalentes, aber hoch wirkmächtiges Phänomen, das Orientierung geben, aber auch Ausgrenzung fördern könne. Die Auseinandersetzung mit religiöser Pluralität dürfe daher nicht auf den Religionsunterricht beschränkt bleiben, sondern müsse von allen schulischen Akteuren getragen werden, so die Leiterin des Fachbereichs Katechetik, Religionspädagogik und -didaktik am Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck.
Gerade katholische Privatschulen seien gefordert - aufgrund der pluralen Gesellschaft, der Vielfalt innerhalb der eigenen Schülerschaft und der individuellen weltanschaulichen Zugänge der Jugendlichen - sich mit Pluralität auseinanderzusetzen, so Peter. Denn: Um sich in einer pluralen Welt kompetent, differenziert und urteilsfähig auseinandersetzen zu können, brauche es eine reflexive Auseinandersetzung mit Religion.
Offen für Innovation
Weitere Impulse kamen aus der schulischen Praxis und angrenzenden Themenfeldern. Vorgestellt wurde etwa das Zeitmodell "Flex-Time" des Gymnasiums und ORG Dachsberg, das individuelle Lernzeiten ermöglicht. Zudem plädierte der Journalist und Medienexperte Ernst Leo "Golli" Marboe für einen offenen Umgang mit psychischer Gesundheit an Schulen und für den Abbau entsprechender Tabus.
Die Tagungsleiterinnen Marie-Theres Igrec (Österreichische Ordenskonferenz) und Anna Davogg (Schulamtsleiter:innenkonferenz) zeigten sich zum Abschluss zufrieden. Der intensive Austausch habe die Innovationsbereitschaft und Zukunftsorientierung katholischer Schulen in Österreich deutlich gemacht, betonten sie.
Quelle: Kathpress