
Bischöfliche Vikarin Velik-Frank
"Vor Ort noch viel Spielraum"
Bischöfliche Vikarin Velik-Frank
"Vor Ort noch viel Spielraum"
Angesichts von Priestermangel und tiefgreifendem gesellschaftlichem Wandel sieht die erste Bischöfliche Vikarin Österreichs, Barbara Velik-Frank, große Gestaltungsmöglichkeiten für Ortskirchen, besonders durch die stärkere Einbindung von Laien und Frauen. "Der Priesterberuf, wie er vor 50 Jahren war, hat sich enorm verändert, weil Laien Verantwortung übernehmen", sagte Velik-Frank im Interview mit der Wochenzeitung "Die Furche" (Ausgabe 3/2026). Die Diözese Gurk-Klagenfurt arbeite aktuell an partizipativen Leitungsmodellen und Leitungsteams, in denen auch Nicht-Priester in Kleinpfarren "quasi leiten".
Hintergrund ist unter anderem ein neues berufsbegleitendes Ausbildungsmodell der katholischen Kirche in Österreich für sogenannte "Spätberufene": Künftig sollen Männer bis von 45- bis 60 Jahre neben ihrem Zivilberuf auf das Priesteramt vorbereitet werden können. Velik-Frank sah dies als weiteres Zeichen dafür, wie stark sich das kirchliche Selbstverständnis wandelt. Zugleich dürften strukturelle Antworten nicht allein aus dem Priestermangel heraus entwickelt werden. Ziel müsse die Stärkung und Entscheidung für Laien in Leitungspositionen sein, unabhängig davon, ob man den aktuellen Priestermangel durch Priester aus der Weltkirche abfangen könne oder nicht.
Nicht als Übergangslösung, sondern Teil des Wandels betrachtete Velik-Frank dabei die Rolle von Frauen in Leitungsfunktionen. Papst Franziskus habe Frauen auch dort in Positionen gebracht, "wo das nicht sein müsste", wies die Theologin auf jüngste Verbesserungen hin; sie ist seit März 2025 Bischöfliche Vikarin für Synodalität und Kirchenentwicklung in Kärnten. Für sie selbst sei wichtig, nicht als "lebende Quotenregelung" wahrgenommen zu werden, sondern als Frau mit entsprechender Kompetenz.
Zur immer wieder diskutierten Frauenfrage im kirchlichen Amt meinte Velik-Frank: "Ich glaube, dass vor Ort noch viel Spielraum ist und dass man das auch nutzen sollte. Ich hoffe, dass die Entwicklung zu mehr Gerechtigkeit führt - auch für uns Frauen." Große Reformen seien zwar Konzilien oder weltkirchlichen Synoden vorbehalten, dennoch gebe es auf lokaler Ebene Handlungsspielräume. "Was bedeutet es in Zukunft, Priester zu sein? Da ist ein großer Suchprozess im Gange", sagte sie. Dass der Priesterberuf durch die Mitwirkung von Laien bereits grundlegend verändert sei, eröffne langfristig auch neue Perspektiven. "Vielleicht ist der Beruf dann irgendwann doch für Frauen möglich."
Als dringendstes Anliegen nannte Velik-Frank, dass die im synodalen Prozess angestoßenen Entwicklungen nicht im Sand verlaufen. Besonders verwies sie auf die kirchliche Arbeitsgruppe zum Diakonat der Frauen: "Es spricht absolut nichts dagegen, denn dieser Diakonat ist ja keine Vorstufe zur Priesterweihe." Auch die Ernennung von Josef Grünwidl zum Wiener Erzbischof wertete sie als Signal der Stärkung der Ortskirchen.
Ziel müsse es letztlich sein, trotz sinkender Zahlen an Priestern und Katholikinnen und Katholiken kleine Pfarren zu erhalten und ihnen neue missionarische Impulse zu geben. "Wir wollen keine Seelsorgeräume, auch keine Großpfarreien", beonte Velik-Frank im "Furche"-Interview. Stattdessen sollen kleine Pfarren erhalten bleiben und neue Formen von Leitungsmodellen ausgearbeitet werden. Es brauche neue Parameter, so die Theologin; ein einzelner Pfarrer könne nicht 5.000 Katholiken und zehn Pfarren gleichzeitig betreuen.
Quelle: Kathpress