
Spitzen der heimischen Orden: "Ordensleben ist kein Massenphänomen"
Mit Generalpriorin Sr. Franziska Madl und Propst Anton Höslinger hat die Österreichische Ordenskonferenz seit Kurzem ein neues Vorsitzenden-Duo. Erstmals steht dabei eine Frau an der Spitze. In der aktuellen Folge des Podcasts "Orden on air" sprechen die beiden über das Ordensleben, über Verzicht, aber auch über Freiheit und Erfüllung, die sie in dieser Lebensform erfahren. Und sie räumen auch mit so manchen Missverständnissen auf. "Ordensleben ist keine Massenbewegung, sondern ein Lebensmodell für eher wenige", so Sr. Madl. Eine Gemeinsamkeit aller Ordensleute sind die drei evangelischen Räte: Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit. Auf den ersten Blick wirken diese Gelübde oft einschränkend, tatsächlich eröffneten sie Ordensleuten aber jene Freiheit, die ihre Lebensform ermöglicht.
Vor allem der Gehorsam sorge immer wieder für Missverständnisse, so Sr. Franziska Madl: "Gehorsam kommt von Hören. Gehorsam ist kein blinder Befehl, sondern ein gemeinsames Hinhören auf den Willen Gottes mit Blick auf die Gemeinschaft: Wo will er uns haben?"
Propst Höslinger erläuterte das Gelübde der Armut als gemeinschaftliches Teilen von Verantwortung und Besitz: "Nicht der Einzelne steht im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Wirken." Die ehelos gelebte Lebensform verstehen beide als prophetisches Zeichen - nicht gegen Beziehung, sondern für eine besondere Verfügbarkeit für Gott und die Menschen.
Zur Frage, ob diese Gelübde heute noch zeitgemäß sind, zeigte sich Madl überzeugt: "Gerade weil sie nicht zeitgemäß sind, behalten sie ihren prophetischen Zeichencharakter. Das ist vielleicht unpopulär - das macht aber nichts!" Höslinger ergänzte: "An dem Tag, an dem die Gelübde zeitgemäß werden, müsste man sie abschaffen - dann haben sie ihren Zeichencharakter verloren."
Ordensleben im Wandel
Für die Zukunft des Ordenslebens benannten die beiden Vorsitzenden realistisch die Herausforderungen: sinkende Zahlen, ein hoher Altersdurchschnitt und notwendige strukturelle Veränderungen. Sie würden darin aber auch Chancen sehen.
Ordensgründungen seien historisch immer Antworten auf gesellschaftliche und kirchliche Herausforderungen gewesen. Besonders Schwesternkongregationen seien dabei oft Vorreiterinnen gewesen - etwa im Bildungswesen, besonders in der Mädchenbildung oder beim Aufbau des Gesundheitswesens. Manche Aufgaben, für die Orden einst gegründet wurden, sind heute von anderen Institutionen übernommen worden - man könnte sagen: "Mission completed", so Madl.
Für Propst Höslinger können die Entwicklungen im Ordensleben nicht losgelöst von gesamtgesellschaftlichen Veränderungen gesehen werden: "Auch in der 'normalen weltlichen' Welt erleben wir, dass zum Beispiel Geburtenraten zurückgehen und die Gesellschaft überaltert." Dennoch zeige sich, dass gerade "alte, traditionelle" Orden mit offener Aufgabenstruktur weiterhin junge Menschen anziehen.
Während viele Ordensgemeinschaften des 18. und 19. Jahrhunderts sehr konkrete Aufgaben wie Krankenpflege, Bildung oder Waisenbetreuung hatten, sei der Auftrag der "alten" - besonders der kontemplativen - Orden deutlich offener. Vereinfacht gesagt gehe es hier stärker um das Sein als um das Tun.
Arbeit bleibe aber dennoch wesentlich: "Schon aus dem alten Mönchswissen ist bekannt, dass Arbeit ein zentraler Bestandteil geistlichen Lebens ist", erklärte Sr. Madl und fasste zusammen: "Mehr Raum für das Sein und eine neue Konzentration auf das geistliche Fundament könnte das Ordensleben für junge Leute auch heute wieder attraktiv machen."
Seit 2022 bietet der Podcast "Orden on air" der heimischen Ordensgemeinschaften Einblicke in die Welt der österreichischen Ordensgemeinschaften. Dazu holt der Podcast Ordensfrauen und -männer vor den Vorhang und vor das Mikrofon. Ziel ist es, interessante Persönlichkeiten und besondere Talente vorzustellen sowie das Engagement von Ordensleuten in den vielfältigen Bereichen des Lebens zu zeigen. (Infos: www.ordensgemeinschaften.at/portal/mediathek/podcastordenonair)
Quelle: kathpress