
Schönborn: Grundlegende Sanierung der Vatikanbank IOR ist gelungen
Kardinal Christoph Schönborn hat den Vorsitz der Kardinalskommission der Vatikanbank IOR abgegeben und ist aus der Kommission ausgeschieden. Das hat der Vatikan am Montag bekannt gegeben. Im Kathpress-Interview hat Schönborn am Dienstag Bilanz seiner rund zwölfjährigen Tätigkeit in der Kommission gezogen. Er blicke mit großer Dankbarkeit auf die vergangenen zwölf Jahre zurück. Es sei tatsächlich gelungen, eine durch Korruption beschädigte Finanzinstitution grundlegend zu sanieren und dieser wieder Glaubwürdigkeit zu verleihen. Die Vatikanbank sei winzig klein verglichen mit Großbanken, "aber sie liegt halt im Vatikan und daher ist die Aufmerksamkeit besonders groß".
Schönborn: "Es lag wirklich sehr viel im Argen. Man kann durchaus von Korruption sprechen, und zwar auch in den eigenen Reihen." Der Kardinal verwies auf eine Reihe von Korruptions- und Geldwäsche-Skandalen. Schon Papst Benedikt XVI. hätte versucht, die Bank zu reformieren, habe dazu letztlich aber nicht die Kraft bzw. hausinterne Unterstützung gehabt.
Sanierung und Weiterentwicklung
Erst Papst Franziskus sei es gelungen, mit Entschlossenheit Reformen in Gang zu setzen. Vor allem auch, weil er einen hochrangigen Kreis von Wirtschaftsleuten um sich versammelte. In besonderer Weise verwies Schönborn auf IOR-Generaldirektor Gian Franco Mammì und den Aufsichtsrat unter der Leitung seines Präsidenten Jean-Baptiste de Franssu. Die Umgestaltung des Instituts unter dem französischen Finanzfachmann in den vergangenen Jahren habe "innerhalb der internationalen Finanzgemeinschaft große Anerkennung und Wertschätzung gefunden", so Schönborn.
Als er 2014 in die Kardinalskommission kam, hätte die Vatikanbank nur zur Deutschen Bank geschäftliche Beziehungen unterhalten, erinnerte Schönborn. Keine einzige italienische Bank wollte mit dem IOR geschäftlichen Kontakt. Heute seien es über 40 internationale Banken, die ganz normalen Bankverkehr mit dem IOR haben. Allein das sei ein deutlicher Indikator. Das IOR sei regelmäßig von außen durch "Moneyval" überprüft worden, mit immer besseren Prüfergebnissen. "Moneyval" ist der Expertenausschusses des Europarates für die Bewertung von Maßnahmen gegen Geldwäsche.
Eine Institution wie das IOR müsse sich freilich immer weiterentwickeln, insofern gebe es immer auch Reformbedarf und gewissermaßen Luft nach oben, so Schönborn. Der eingeschlagene Weg sei aber auf jeden Fall der richtige. Eine noch stärkere Zusammenarbeit der verschiedenen vatikanischen Einrichtungen sei wohl das Gebot der Stunde. Er sei überzeugt, so Schönborn, dass Papst Leo den Kurs von Papst Franziskus fortsetzen werde. Es sei deutlich spürbar, dass die Bemühungen von Franziskus und nun auch Leo Früchte tragen würden. Insofern falle es ihm jetzt auch leicht, seine Aufgaben in der Kommission zurückzulegen. Nachsatz: "Eigentlich hätte meine Amtszeit laut Statut schon vor zwei Jahren enden sollen. Aber Franziskus hat mich nochmals verlängert."
Zur Frage, weshalb der Vatikan überhaupt eine eigene Bank braucht, ließ Schönborn durchblicken, dass sich auch Papst Franziskus zu Beginn seiner Amtszeit diese Frage stellte. Schließlich sei man aber zu der Einsicht gekommen, dass es durchaus Sinn mache, dass der Vatikan ein eigenes Finanzinstitut hat für die vielen zu erfüllenden Aufgaben.
Die IOR-Kardinalskommission besteht aus fünf Kardinälen und ernennt den Aufsichtsrat der Vatikanbank und auf Empfehlung des Aufsichtsrats auch deren Generaldirektor und den Vize-Generaldirektor. Schönborn gehörte seit Jänner 2014 der Kardinalskommission an und wurde im Mai 2024 deren Präsident.
Petrocchi folgt auf Schönborn
Als Nachfolger von Schönborn hat der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi den Vorsitz der Kardinalskommission des IOR übernommen. Petrocchi gehört der Kommission seit 2020 an. Der emeritierte Erzbischof von L'Aquila leitete zuletzt die zweite päpstliche Frauendiakonats-Kommission. Er ist Mitglied des vatikanischen Wirtschaftsrates sowie des Dikasteriums für den Klerus. Neu in der Kardinalskommission ist Kardinal Ángel Fernández Artime. Papst Leo XIV. berief den spanischen Ordensgeistlichen am 20. Jänner in das Gremium. Weiters gehören die Kardinäle Konrad Krajewski, Luis Tagle und Emil Tscherrig dem Gremium an.
Kardinal Petrocchi erklärte am Montag in der Vatikan-Aussendung zu seiner neuen Aufgabe: "Im Laufe dieser Jahre war ich direkter Zeuge der wichtigen Entwicklungen, die das Institut im Dienst des Heiligen Vaters und der Universalkirche verwirklicht hat." Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat werde der eingeschlagene Weg fortgesetzt, "im Zeichen einer kontinuierlichen Verbesserung und synergetischer Zusammenarbeit, unter voller Achtung der katholischen Ethik sowie der Prinzipien von Transparenz und Mitverantwortung".
Das "Institut für religiöse Werke" (IOR) ist die einzige Einrichtung im Staat der Vatikanstadt, die professionelle Finanzdienstleistungen erbringen darf. Es verwaltet Vermögenswerte in Übereinstimmung mit der Soziallehre der katholischen Kirche und betreut nach eigenen Angaben mehr als 12.000 kirchliche Kunden in über 110 Ländern. Die Vatikanbank erzielte in den Jahren 2023 und 2024 jeweils einen Gewinn von mehr als 30 Millionen Euro, den sie zu einem Großteil an den Heiligen Stuhl abführte.
Quelle: kathpress