Wirtschaftsforscher plädiert für neues Verständnis von Erfolg
Für ein neues Verständnis von Erfolg plädiert der Wirtschaftsforscher Thomas Schinko. Das sei die Voraussetzung, um fatale globale wirtschaftliche Entwicklungen noch eindämmen zu können. "Erfolg sollte nicht daran gemessen werden, wie hoch das persönliche Einkommen ist, sondern wer den größten Beitrag zum Gemeinwohl leistet", so Schinko im Interview mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen. Nachsatz: "Wenn sich genügend Menschen neue Ziele stecken, könnte es in eine andere Richtung gehen."
Schinko ortete die Welt in einer Übergangsphase: "Der Realkapitalismus mit seinen Industrien ging in den Finanzkapitalismus über, in dem der Großteil der Wirtschaftsleistungen am Finanzmarkt getätigt wird. Nun ist der Schritt in den Digitalkapitalismus dran."
Er sei zwar kein Zukunftsforscher, aber er denke, dass viel vom Finanzkapital, das Anlagemöglichkeiten sucht, für digitale Güter ausgegeben werden wird. Schinko: "Wir sehen ja bereits massive Zunahmen in Krypto-Investments oder auch im Online-Gaming, wo für digitale Prestigegegenstände echtes Geld ausgegeben werden kann, zum Beispiel für ein neues Outfit einer Spielfigur." Das klinge zunächst absurd, sei aber nicht so unrealistisch, weil sich viele soziale Aktivitäten ins Digitale verlagern.
Zur Frage, welche Macht Staaten und Staatengemeinschaften wie die EU überhaupt noch haben, um die Wirtschaft zu regulieren, da globale Konzerne, Tech-Oligarchen bzw. einzelne Multimilliardäre die Macht scheinbar in Händen hielten, plädierte Schinko für eine funktionierende Demokratie. "In einer Demokratie kann eine aufgeklärte Bevölkerung Parteien wählen, die sich dafür einsetzen, den Einfluss mächtiger Einzelpersonen zu beschränken." Insofern sei noch nicht alles verloren. In einem Land, wo es wie in den USA ein Zweiparteiensystem gibt, sei das schwieriger. Und noch schwieriger sei es dort, wo es keine Parteien bzw. keine Demokratie gibt.
Sehr reiche Menschen hätten in der Menschheitsgeschichte immer wieder Möglichkeiten gefunden, sich Macht zu verschaffen und ihre Interessen durchzusetzen. Der große Unterschied sei, "dass diese Personen heute nach globaler Macht streben". Die Macht zu erhalten, sei im digitalen Raum auch etwas einfacher, man brauche dazu keine Heerscharen oder riesige Industrieanlagen. "Wenn du einen guten Algorithmus schreibst, kannst du wahrscheinlich mit wenigen Leuten sehr viel beeinflussen." Auch Kriege könnten so geführt werden, "wenn man etwa die Strom- oder Wasserversorgung durch digitale Aktivitäten zerstört". Er hoffe aber nicht, so Schinko, dass es so weit kommt. Schinko ist Wirtschaftsforscher am internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Laxenburg.
Quelle: kathpress
