
Olympiakaplan: Glaube auch im Spitzensport eine Kraftquelle
"Der Glaube kann auch im Spitzensport eine Kraftquelle sein." - Das betont Österreichs Olympiaseelsorger Johannes Lackner im Interview in der aktuellen Ausgabe des Salzburger "Rupertusblattes". Erfolg hänge zwar von der eigenen Leistung, vom Training und vom Talent ab, doch zu einem Teil auch von der Tagesverfassung sowie von "glücklichen und günstigen Umständen, die ich als Sportler nicht beeinflussen kann". Speziell bei Olympischen Spielen. "Es ist für Sportlerinnen und Sportler oft der Höhepunkt in ihrem Leben. Darauf trainieren sie hin, dafür tun sie alles. In dieser besonderen Situation sind sie auch besonders offen für den Glauben und das Vertrauen in etwas Größeres", schilderte der Olympiakaplan seine Erfahrungen.
Lackner ist seit 2022 Olympia-Kaplan und hat u. a. an den Sommerspielen 2022 in Paris und den daran anschließenden Paralympics teilgenommen. Die Begegnungen dabei habe er sehr positiv in Erinnerung. Kontakte mit einigen Sportlerinnen und Sportlern seien auch danach nicht abgerissen. Lackner: "Einige Sportler schicken mir Weihnachtsgrüße oder fragen zwischendurch, wie es mir geht, andere schreiben mir, wenn sie eine schwierige Phase oder Glaubensfragen haben, und eine Paralympic-Sportlerin habe ich auch schon verheiratet. Es ist schön, wenn sich das zwischen den Spielen so entwickelt."
Was die bevorstehenden Winterspiele rund um Mailand und Cortina anbelangt, hat für den Tiroler Geistlichen bereits eine intensive Vorbereitungsphase begonnen. Er besucht Sportveranstaltungen oder verfolgt diese im TV, gibt eine steigende Zahl von Interviews und begegnet den Athletinnen und Athleten bei der offiziellen Einkleidung und Verabschiedung. Lackner: "Es ist wichtig, dass man die Sportler kennenlernt und ein Vertrauensverhältnis entsteht. Ich habe bei der Einkleidung schon viele offene, dankbare und wertschätzende Rückmeldungen bekommen. Einige haben auch länger mit mir gesprochen, wo man merkt: da gibt es einen Zugang zur Kirche und zum Glauben." Generell sei er aber für alle Sportlerinnen und Sportler da, "die das wollen, nicht nur für die Gläubigen".
Seine Erfahrungen von den Sommerspielen 2022 reichten "von tiefgründigen Gesprächen und Beichten bis hin zum Small Talk bei der Kaffeemaschine. Da ist erfahrungsgemäß die ganze Palette dabei".
Im Vorfeld der Winterspiele wurden auch bereits Telefonnummern und Online-Kontakte ausgetauscht, berichtete Lackner weiter, zumal diesmal die Wege zwischen den Olympia-Sportstätten teils weit sind und nicht alle Seelsorge-Gespräche persönlich stattfinden könnten. Lackner wird aber u. a. auch Andachten feiern.
Vorab habe er als Glücksbringer kleine Fingerrosenkränze an die Mitglieder des österreichischen Olympia-Teams verteilt, so der Priester. Das sei aber "kein Talisman mit magischer Wirkung nach dem Motto ,Wenn ich viel bete, dann gewinne ich', sondern eine Erinnerung und ein Zeichen, dass Gott jeden liebt und beschützt".
Zu den bei Olympia dominierenden Themen Sieg oder Niederlage, Medaille oder vierter Platz, hielt Lackner fest: "Der Glaube sagt uns, dass jeder Mensch wertvoll und wichtig ist, unabhängig vom sportlichen Abschneiden, unabhängig von der Leistung. Letztlich geht es nicht darum, ob ich gewinne oder verliere, sondern wie ich gewinne oder verliere. Wie ich damit umgehe."
Persönlich bete er auch nicht um Medaillen, sondern "dass sich keiner verletzt und es faire Wettkämpfe sind". Und er freue sich wie in Paris auf das völkerverbindende Element: "Es war damals ein bisschen wie beim Weltjugendtag der Kirche. Das menschliche Miteinander war wichtiger als das sportliche Gegeneinander. Für mich war da wirklich ein größeres gemeinsames Ganzes spürbar - der viel beschworene olympische Geist."
Insofern seien die Olympischen Spiele nicht nur ein Fest des Sports, sondern auch ein Fest des Glaubens und des Friedens. "Letztlich geht es nicht darum, ob ich gewinne oder verliere, sondern wie ich gewinne oder verliere. Wie ich damit umgehe", so der Olympiaseelsorger. Die Olympischen Winterspiele finden vom 6. bis 22. Februar im Großraum Mailand/Cortina statt.
"Plattform des Friedens"
Johannes Lackner wandelt als Sportlerseelsorger in den Fußstapfen von P. Bernhard Maier. Der Salesianer war von 1984 bis 2012 für die österreichische Olympia-Seelsorge zuständig und bei 16 Olympischen Sommer- und Winterspielen mit dabei. Er fiebere noch immer mit den Sportlerinnen und Sportlern mit, wie er am Donnerstag in einer Aussendung mitteilte. "Geht mit Selbstvertrauen, Freude am Sport und Gottes Segen an den Start", so sein Wunsch an die Teilnehmenden. Der frühere "Olympia-Kaplan" hat aber noch einen weiteren Wunsch: "Dass die Spiele als Plattform des Friedens genutzt werden."
Er würde es sehr begrüßen, so Maier, wenn sich Sportlerinnen und Sportler verfeindeter Länder die Hände schütteln. "Das wäre die Vision von Olympia - zum Frieden beizutragen: Im Kleinen oder vielleicht sogar im Großen."
Quelle: kathpress