
Wien: Gedenken würdigt Medizin- und Ordenspionierin Anna Dengel
Ein Gedenkstunde für die Tiroler Ärztin und Ordensgründerin Anna Dengel (1892-1980) hat am Freitag anlässlich ihres 46. Todestages in der Wiener Votivkirche stattgefunden. Die Feier, die zugleich den Abschluss des 2025 gefeierten Jubiläumsjahr "100 Jahre Gründung der Missionsärztlichen Schwestern" bildete, wurde vom Verein "Freunde Anna Dengel" gemeinsam mit der Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt organisiert. In der Kirche erinnert ein Missionsfenster an das Leben und Wirken der aus Tirol stammenden Medizinerin.
Dengel, 1892 im Tiroler Lechtal geboren, zählt zu den ersten Ärztinnen Österreichs. Nach ihrem Medizinstudium begann sie 1920 in Indien zu arbeiten. Fünf Jahre später gründete sie die Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern mit dem Ziel, insbesondere Frauen medizinisch zu versorgen und auszubilden. Dabei überwand sie auch kirchenrechtliche Hürden: Ordensfrauen war ärztliche Tätigkeit über Jahrhunderte hinweg untersagt, ein Verbot, das erst 1936 aufgehoben wurde. Heute sind die Missionsärztlichen Schwestern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa tätig und betreiben Gesundheitszentren sowie Ausbildungsprogramme.
"Feuer und Flamme" als Ärztin und Missionarin
Der aus Tirol stammende Jesuit P. Stefan Hengst zeichnete in seiner Predigt über Anna Dengel das Bild einer jungen Frau, die früh eine klare Berufung verspürte. Bereits mit 17 Jahren sei sie "sofort Feuer und Flamme" gewesen, als sie von der Möglichkeit hörte, als Ärztin in Missionsländern zu wirken und "Missionarin zu sein". Sie sei dabei von Zuversicht geprägt gewesen, etwa in der Überzeugung: "Das Unmögliche von heute ist die Arbeit von morgen."
Zugleich betonte Hengst die geistliche Tiefe im Leben der Ordensgründerin. Dengel habe aus dem grundlegenden Vertrauen heraus gelebt, angesichts der Vorsehung und Liebe Gottes und seines Erbarmens könne nichts hoffnungslos sein. Ihr Zugang sei eine "Integration" von Glauben und Alltag gewesen, denn: "Es ist gar nicht so kompliziert, Gott zu suchen." Daraus habe Dengel auch klare Maßstäbe für religiöses Leben abgeleitet, das vor allem in der Gottsuche bestehe. Charakteristisch sei auch die Gelassenheit gewesen, denn: "Wir brauchen nicht ängstlich zu sein, wir sind in Gottes Hand", so ein Ausspruch Dengels.
Frauen-Solidarität und Beharrlichkeit
Reinhard Heiserer von Jugend Eine Welt verwies auf prägende Erfahrungen im Leben Dengels. So habe eine ihr persönlich unbekannte, nur über Briefverkehr mit ihr verbundene Frau durch finanzielle Unterstützung ihr Studium ermöglicht. Dies sei ein "Beispiel für Solidarität zwischen Frauen, die sich eingesetzt haben für ein besseres Gesundheitssystem" und zeige auch heute noch, was Vertrauen bewirken könne. Erst dieses Zusammenspiel zwischen Dengel und ihrer Patin habe dazu beigetragen, "dass Anna Dengel werden konnte, was sie war".
Zugleich hob Heiserer Dengels Beharrlichkeit hervor. Auch angesichts kirchlicher Widerstände habe sie an ihrem Ziel festgehalten und nach Lösungen gesucht. Wenn sich Hindernisse ergeben hätten, habe sie Wege gefunden, diese zu umgehen, "weil sie an ihre Sache geglaubt hat".
Heute ganzheitlicher Ansatz
Die Gedenkfeier machte zudem deutlich, dass das Vermächtnis Dengels bis heute weiterwirkt. Der von ihr gegründete Orden der Missionsärztlichen Schwestern habe seinen Ansatz weiterentwickelt: Neben medizinischer Versorgung stehe heute ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit im Mittelpunkt, das auch soziale, ökologische und pastorale Aspekte einbezieht. Die Schwestern seien weltweit vielfältig tätig und richteten ihre Arbeit konsequent an den Bedürfnissen der Menschen aus. (Infos: www.freundeannadengel.at)
Quelle: kathpress