
Sonntagsallianz: Kein Ausverkauf des Sonntags für den Song Contest
Die Diskussion rund um mögliche Sonn- und Feiertagsöffnungen im Handel im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest (ESC) in Wien sorgt zuletzt erneut für Debatten. Die Wiener Allianz für den freien Sonntag spricht sich klar und entschieden gegen eine Aufweichung des arbeitsfreien Sonntags aus, wie aus einer gemeinsamen Aussendung der Allianz und der Erzdiözese Wien vom Dienstag hervorgeht. Die Wiener Allianz fordert demnach ein klares Bekenntnis aller politischen Verantwortungsträger zum Schutz des freien Sonntags. Einzelne Großveranstaltungen dürften nicht als Vorwand dienen, um schrittweise den Sonntag als gemeinsamen freien Tag abzuschaffen.
Gerade in einer Zeit, in der politische Parteien wie die ÖVP in gesellschaftlichen Debatten immer wieder auf christliche Werte und Traditionen pochen, etwa in der Migrationsdebatte, sei es widersprüchlich, gleichzeitig die Sonntagsruhe zugunsten kurzfristiger wirtschaftlicher Interessen infrage zu stellen, hieß es in der Aussendung. Nachsatz: "Wer sich auf christlich-soziale Werte beruft, darf den Sonntag als geschützten gemeinsamen Ruhetag nicht zur Diskussion stellen." - Jüngst hatte die Wiener ÖVP auch mit Blick auf den bevorstehenden Song Contest ihre Forderung nach Sonntagsöffnungen in Tourismuszonen erneuert.
Sonn- und Feiertage ein wichtiger sozialer Anker
Sonn- und Feiertage seien weit mehr als gewöhnliche Wochentage. Sie seien ein "wichtiger sozialer Anker für Familien, Erholung, Ehrenamt und für kulturelle und religiöse Teilhabe". Gerade internationale Gäste des ESC kämen nach Wien, "um die Stadt, ihre Kultur, ihre Geschichte und ihre besondere Lebensqualität zu erleben - nicht um in geöffneten Einkaufszentren beliebig konsumieren zu können", so die Allianz für den freien Sonntag.
Die kirchliche Sprecherin der Wiener Sonntagsallianz, Antonia Indrak-Rabl, hielt fest: "Wien hat weit mehr zu bieten als Shopping an Sonn- und Feiertagen. Unsere Stadt lebt von ihrer Kultur, ihrer Gastfreundschaft und ihrer Lebensqualität. Der ESC sollte Anlass sein, genau das zu präsentieren und nicht den arbeitsfreien Sonntag weiter auszuhöhlen. Auch die Kirchen in Wien laden mit ihren offenen Türen auf eine Pause ein."
Besonders betroffen von einer Sonntagsöffnung wären erneut die Handelsangestellten, "die ohnehin unter hohem Arbeitsdruck stehen", so der Gewerkschaftssprecher Christian Lindmeier. Auch sie sollten die Möglichkeit haben, den ESC mitzuerleben, Zeit mit ihren Familien zu verbringen oder einfach einen dringend notwendigen Ruhetag zu genießen. Lindmeier: "Der freie Sonntag ist für uns nicht verhandelbar. Er ist ein wichtiger Anker für die Gesundheit der Beschäftigten."
Weiters hieß es in der Aussendung, dass die Allianz für den freien Sonntag allen Menschen, die an diesen Tagen arbeiten und für den reibungslosen Ablauf dieser internationalen Veranstaltung Sorge tragen, ihren Dank ausspricht.
Quelle: kathpress