
Graz: VinziNest nach Generalsanierung wieder eröffnet
Die Notschlafstelle VinziNest in Graz hat wieder ihren Betrieb aufgenommen. Die Einrichtung in der Maria-Stromberger-Gasse wurde nach einer umfassenden Generalsanierung wieder eröffnet. Die Bauarbeiten dauerten rund eineinhalb Jahre und waren Teil eines Gesamtprojekts, das 2022 beschlossen und zwischen 2024 und 2026 umgesetzt wurde. Während der Bauphase waren VinziNest und VinziSchutz in einem Übergangsquartier untergebracht. Die Verbesserungen betreffen einen barrierefreien Zugang im Erdgeschoß, eine zentrale Belüftungsanlage, ausreichend Nasszellen, Bodenheizung und neue Aufenthaltsräume; weiters wurde bei der Bausubstanz, den Elektroleitungen und Installationen und dem Dach nachgebessert.
Die Notschlafstelle gilt als größte ihrer Art in der Steiermark. Gemeinsam mit dem Frauenbereich VinziSchutz können im Winter bis zu 120 obdachlose Menschen untergebracht werden. Nach Angaben der Betreiber kommen beide Einrichtungen auf jährlich rund 16.000 bis 18.000 Nächtigungen.
Für VinziWerke-Obfrau Martina Schröck war der Umbau der Notschlafstelle unbedingt notwendig, um das Projekt zu erhalten: "In über 30 Jahren Betrieb wurden nur kleinere und notwendige Renovierungsmaßnahmen in den Notschlafstellen vorgenommen. Dass eine Kernsanierung dringend notwendig war, um die Gebäude vor dem Verfall zu bewahren, war unumstritten." Dennoch hätten die Arbeiten das Hilfswerk an den Rand der Kapazitäten gebracht.
3,8 Mio. Euro Gesamtkosten
Die Gesamtkosten der Sanierung beliefen sich auf rund 3,8 Mio. Euro und lagen damit deutlich über dem ursprünglich veranschlagten Budget von 2,9 Mio. Euro. Finanzielle Mittel kamen unter anderem vom Land Steiermark (600.000 Euro), der Stadt Graz (400.000 Euro) und der Diözese Graz-Seckau (500.000 Euro) sowie aus Bundes- und EU-Förderungen, darunter Programme im Rahmen von NextGenerationEU. Weitere Mittel kamen aus Rücklagen sowie Sponsoring, unter anderem durch die Holding Graz.
Zeichen der Menschlichkeit
"Ohne die signifikanten Beiträge von Land Steiermark, Stadt Graz, der Diözese Graz-Seckau sowie unserer Sponsoren hätten wir diese Maßnahmen nicht unternehmen können", so Schröck. Laut der VinziWerke-Obfrau sind durch die Mehrkosten sämtliche Reserven aufgebraucht und die Organisation künftig verstärkt auf Spenden angewiesen.
Die Stadt Graz und das Land Steiermark betonten im Rahmen der Eröffnung am Donnerstag die Bedeutung der Einrichtung für die Versorgung obdachloser Menschen. "Mit dem VinziNest und dem VinziSchutz muss niemand in Graz auf der Straße schlafen", sagte Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ). Auch Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) würdigte das Tun der Notschlafstelle VinziNest als "wichtiges Zeichen der Menschlichkeit und des sozialen Zusammenhalts in der Steiermark". Und weiter: "Gerade in schwierigen Lebenssituationen braucht es Einrichtungen, die Menschen unbürokratisch helfen und ihnen Schutz sowie neue Perspektiven bieten. Als Land Steiermark ist es uns ein großes Anliegen, soziale Einrichtungen zu unterstützen, die tagtäglich wertvolle Arbeit für jene am Rand unserer Gesellschaft leisten."
Vinzenzgemeinschaft
Die Vinzenzgemeinschaft VinziWerke Österreich (kurz VWÖ) wurde 1990 als "Jugendvinzenzgemeinschaft Eggenberg" von Pfarrer Wolfgang Pucher (1939-2023) gegründet und kümmert sich um von Armut betroffene Menschen. In den 40 Institutionen in der Steiermark, Wien und Salzburg finden täglich bis zu 450 Personen Unterkunft und 1.400 Personen werden mit Essen und Lebensmitteln versorgt. Die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg ist eine von 160 Vinzenzgemeinschaften in Österreich und damit Teil der vinzentinischen Gemeinschaft, der größten kirchlichen Laienorganisation der Welt. Derzeit gibt es in 153 Ländern 51.000 Gruppen mit über einer Million Mitgliedern.
Quelle: kathpress