
Kardinal Nemet kritisiert "Missbrauch" von Religion in der Politik
Der serbische Kardinal Laszlo Nemet hat vor einer Instrumentalisierung von Religion in der Politik gewarnt. Gerade in Europa erlebe man gegenwärtig, dass religiöse Symbole und christliche Werte "bevorzugt von Rechtspopulisten genutzt werden", um politische Ideologien zu legitimieren, so der katholische Erzbischof von Belgrad gegenüber dem "Kurier". Die Kirche müsse ihre Stimme erheben, wenn "Religion missbraucht und zum ideologischen Kampf gegen Andersdenkende eingesetzt wird".
Kritik übte der Angehörige der ungarischen Volksgruppe in dem Zusammenhang auch an den drei größten christlichen Kirchen in Ungarn (Calvinisten, Lutheraner, Katholiken). Diese hätten aufgrund ihrer Nähe zur abgewählten Orban-Regierung und ihrer finanziellen Abhängigkeit ihre "prophetische Stimme verloren", so Nemet: "Sie haben sich nicht zu Wort gemeldet, als schwerwiegende Dinge geschahen." Dabei bezieht sich der Kardinal auf den umstrittenen Kurs der ungarischen Regierung während der Migrationskrise 2015 sowie die Stigmatisierung bestimmter Gruppen in den vergangenen Wahlkämpfen.
Was den gesellschaftlichen Diskurs der Kirche angeht, wünscht sich Nemet ein Abrücken von der "hyperreflektierten, starren Fixierung auf die Sexualmoral". Auch andere moralische Fragen müssten in den Fokus rücken. Was etwa die Frauenfrage betrifft, so plädierte Nemet dafür, dass der von Papst Franziskus begonnene Weg einer Förderung von Frauen in Leitungspositionen weiter verfolgt werden sollte: "Vom Frauendiakonat halte ich hingegen nicht allzu viel, denn damit würde die Frage nach der Priesterweihe eher noch weiter in eine unbestimmte Zukunft verschoben. Das ist nicht die Lösung. Die Lösung liegt in einem Bewusstsein dafür, dass Frauen in der Kirche die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben; hier müssen wir konsequent ansetzen."
Unterdessen sei die Atmosphäre in der Kurie unter Papst Leo XIV. "leiser und systematischer" geworden, so Nemet weiter. Franziskus sei ein "spontaner Prophet" gewesen, der häufig auch Verwirrung gestiftet habe. "Er hat uns motiviert, über Möglichkeiten zu sprechen, den Raum für Diskussion geöffnet und vieles in Bewegung gebracht. Der Raum bleibt offen, Leo ist jedoch eine andere Persönlichkeit. Leo kennt die Weltkirche in ihrer Vielfalt, er ist ein Prozessmensch."
Der 1956 in der multiethnischen Vojvodina geborene Ordenspriester war unter anderem als Hochschulseelsorger auf den Philippinen sowie in kirchlichen Leitungsfunktionen in Wien und Ungarn tätig. Seit 2024 im Kardinalskollegium, nahm er als erster Vertreter aus Serbien im Mai 2025 im Vatikan an einer Papstwahl teil.
Quelle: kathpress