
Predigtforum-Gründer: Niemand will in der Kirche Vorlesungen hören
Vor 30 Jahren gründete der Redemptorist Hans Hütter das "Predigtforum", um auch "einfache ChristInnen" zur Glaubensweitergabe zu befähigen. Bei der Erneuerung des Glaubenslebens spielten Laien in der Kirche eine bedeutende Rolle, erklärte Hütter im Interview mit dem "Steirischen Sonntagsblatt". "Die Weitergabe bibeltheologischer Informationen braucht eine Fachfrau oder einen Fachmann", so Hütter. Wichtiger als das Verstehen von Inhalten sei aber, wie das Bibelwort Eingang ins Herz finde. "Echt" sei Verkündigung nur dann, wenn es um den persönlichen Glauben geht. Für Menschen, die in der Verkündigung mittätig sind, bietet die Internet-Plattform für Verkündigung darum Predigt-Impulse und Materialien zur Gottesdienstgestaltung. Sie zählt 13.000 Zugriffen pro Woche.
Der Glaube könne erst dann Wurzeln schlagen, wenn sich Menschen von der Frohbotschaft auch angesprochen fühlten. "Heute erlebe ich oft, dass Verkündigung durch manche Priester dürftig ist. Ich finde es problematisch, wenn die Predigt Personen vorbehalten ist, die der Sprache nicht ausreichend mächtig sind und lediglich einen theologischen Text vorlesen", übte der Ordensmann Kritik. "Ganz ehrlich: In der Kirche Vorlesungen zu hören, das interessiert niemanden. Ja, es braucht auch intellektuelle Anreize in der Predigt, aber biblische Texte müssen vor allem berühren." Zu viel Kopfarbeit würde die Menschen davon abhalten, in die Kirche zu gehen.
Verinnerlichung der Bibel
Die Wurzeln seiner Arbeit liegen in der Volksmission, der Missionierung innerhalb bestehender Pfarren in Österreich. "Bald habe ich gespürt: Die Predigten im Rahmen einer Pfarrmission sind anders als 'normale' Predigten, sagte Hütter. Der Einstieg in diesen Bereich geschah damals eigentlich aus einer Not heraus: Da nach seinem Studienabschluss kein Kaplansposten frei war, schlug er diesen neuen Weg ein, begann sich aber immer mehr mit Verkündigung auseinandersetzen. Er absolvierte eine praxisnahe Weiterbildung "Homiletik und Erwachsenenbildung" in München, machte sich mit dem Bibliodrama und dem Bibliolog vertraut, bei der sich Menschen gedanklich und körperlich in den Bibeltext hineinversetzen. "Auf diese Weise wird das Wort der Schrift stärker verinnerlicht", so Hütter.
Als sich in den späten 1980er-Jahren Umbrüche in der Kirchenlandschaft und Gemeindemission - eine Kernaufgabe der Redemptoristen - abzeichnete, kamen dem Ordensmann seine Erfahrungen zu gute. "Angesichts des steigenden Priestermangels fragten wir uns: Wie können wir die MitarbeiterInnen vorbereiten auf eine Zeit, in der sie mehr mitarbeiten werden müssen?" Den entscheidenden Impuls lieferte das Projekt der "Gemeinde-Erneuerung" in der deutschen Diözese Rottenburg-Stuttgart Anfang der 1990er-Jahre - "eine neue Form der Pfarrmission", erzählte Hütter. "Die habe ich für Österreich adaptiert und in den nachfolgenden 20 Jahren danach gearbeitet."
Stärkung der Kirchengemeinde
Um Menschen zu befähigen, Gruppen zu leiten und dort selbst Glaubensgespräche zu führen, wurden zunächst Gruppen - bestehend aus Priestern und Laien, Männern und überwiegend Frauen - gebildet und zwei Jahre lang begleitet. "Unser Prinzip war, alle in einer Gemeinde befindlichen Gruppen und spirituellen Strömungen zusammenzuführen, um sie für unser Projekt der Erneuerung zu gewinnen", so Hütter. Das Subjekt der Verkündigung sei nicht der Priester, sondern die Gemeinde - "sie muss gestärkt werden".
Das Predigtforum, das in Zusammenarbeit mit dem Bibelwerk online kostenlose Materialien für die Liturgie bereitstellt, darunter die biblischen Texte der Gottesdienstlesungen, Gebete für Messfeiern und Wort-Gottes-Feiern, Meditationstexte, sogenannte Kontexte sowie Predigtgedanken - wolle die Menschen auch zur Verkündigung ermutigen, so Hütter. Immer wieder erlebe er, dass Menschen, die sich zum Gebet treffen ungern ohne Priester und Amtsträger beteten, weil sie nicht sicher sein, ob das, was sie machen, "eh in Ordnung ist". "Ich wünsche mir, dass in der Kirche viel mehr eigenverantwortlich geschieht - auch auf das Risiko hin, dass das eine oder andere sich erst bewähren muss."
(Info: www.predigtforum.com; Info zum Jubiläum: https://www.predigtforum.com/site/jubilaeum)
Quelle: kathpress