
"Mit Bruckner auf der (Daten-)Bank": Orgelexperten tagten in Linz
Rund 60 Orgelsachverständige aus Deutschland, der Schweiz und Österreich haben Ende Mai in Linz über Orgeldokumentation und digitale Orgeldatenbanken beraten. Im Fokus der vom Verein der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD) gemeinsam mit der Fachstelle für Orgel & Glocken der Diözese Linz veranstalteten Tagung stand der fachliche Austausch über die Erfassung, Dokumentation und digitale Verwaltung von Orgeln sowie über die oberösterreichische Orgellandschaft, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch.
Der Orgelbeauftragte der Diözese Linz, Siegfried Adlberger, zeigte sich erfreut, die Tagung erstmals außerhalb Deutschlands in Oberösterreich ausrichten zu können. "Kunst, Kultur und besonders Musik kennen keine Grenzen", sagte Adlberger. Es sei wichtig, über den eigenen fachlichen Horizont hinauszublicken und voneinander zu lernen.
Die Teilnehmenden der Tagung unter dem Titel "Mit Bruckner auf der (Daten-)Bank" diskutierten u. a. aktuelle Entwicklungen in der Orgeldokumentation und den Einsatz von Orgeldatenbanken, in denen Daten zu Instrumenten, ihrer Geschichte, ihren Registern und Klangfarben systematisch erfasst werden. Diese Instrumente gelten zunehmend als wichtiges Arbeitsmittel für Orgelbeauftragte und Sachverständige im kirchlichen Bereich.
Neben Fachvorträgen zum Orgelbau und Orgelwesen in Österreich aus evangelischer und katholischer Perspektive hielt der VOD auch seine jährliche Mitgliederversammlung in Linz ab. Die Organisation ist für die Aus- und Fortbildung diözesaner Orgelbeauftragter in Deutschland und den Nachbarländern zuständig.
Für die Teilnehmenden bot die Tagung auch Einblicke in die oberösterreichische Orgellandschaft. Bei Besuchen in neun Kirchen standen etwa die beiden sogenannten Brucknerorgeln im Alten Dom (Ignatiuskirche) in Linz sowie in der Stiftsbasilika St. Florian im Mittelpunkt. Weitere Stationen waren der Linzer Mariendom, die Martin-Luther-Kirche, Kirchen in Aigen im Mühlkreis und Pulgarn sowie die Stifte Schlägl und Wilhering.
Vielfältige Orgellandschaft
Oberösterreich verfügt über eine besonders vielfältige Orgellandschaft mit mehr als 800 Kirchenorgeln. Die ältesten Instrumente stammen aus dem 17. Jahrhundert, darunter Orgeln in Hart bei Pischelsdorf, Allerheiligen, Altenburg bei Windhaag, im Stift Schlägl, in Baumgartenberg und in Kirchberg bei Kremsmünster. "Kirchenmusik ist gelebte Liturgie und kein Beiwagerl", so Adlberger. Musik sei ein wesentlicher Teil des Gottesdienstes. Sie könne die Menschen unmittelbar erreichen und berühren.
Besonderes Interesse galt den beiden Brucknerorgeln. Die Orgel im Alten Dom Linz, an der Anton Bruckner während seiner Tätigkeit als Domorganist wirkte, gilt als eines der bedeutendsten Klangdenkmäler Österreichs und befindet sich weitgehend im Originalzustand. Die große Brucknerorgel in der Stiftsbasilika St. Florian wurde im 18. Jahrhundert von Franz Xaver Chrismann erbaut und zählt mit 103 Registern und 7.389 Pfeifen zu den größten Orgeln des Landes. Sie ist eng mit dem Komponisten verbunden, der dort als Stiftsorganist tätig war und seine letzte Ruhestätte fand.
Quelle: kathpress