
Experte: Keine Alternative zu Reform des Gesundheitswesens
Für den Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, Michael Heinisch, gibt es "gar keine Alternative" zu einer Reform des Gesundheitswesens, wie er im Interview mit dem "Kurier" (Mittwoch) betonte: "Wir müssen jetzt konkret werden und den Bauplan des Gesundheitswesens neu zeichnen." Herausforderungen wie beispielsweise die Demografie ließen sich nicht mit den alten Bauplänen bewältigen.
Heinisch: "Die Menschen werden immer älter und multimorbider, brauchen immer mehr Gesundheitsversorgung und das wird sich auch nie im Leben ändern. Andererseits werden unsere Mitarbeiter immer älter. Wir haben daher im Gesundheitswesen ein Ressourcenproblem." Der technologische Fortschritt werde das Land zudem noch einmal an die Grenzen des solidarisch finanzierbaren Systems bringen.
Den Menschen sei klar, "dass man miteinander mehr erreicht, als wenn jeder alleine geht". Aber die Systemlogik im Gesundheitswesen in Österreich sei eine andere, so Heinisch: "Wir haben das Gesundheitswesen nicht nur in Sektoren geteilt, sondern unterschiedliche politische Verantwortlichkeiten dafür formuliert. Für den niedergelassenen Bereich ist die Sozialversicherung zuständig, für die Krankenhäuser die Länder, für die Rehas wieder jemand anderer. Jeder muss seinen Sektor optimieren, aber niemand hat den Blick über alle Sektoren und verstärkt wird das alles noch durch die Finanzierung - die Anreizsysteme."
Finanzierungslogik ändern
Er wünsche sich für die Patienten ein System, das nicht aus so vielen Schnittstellen besteht. Denn an jeder Schnittstelle gingen drei Sachen verloren: Qualität, Patientenorientierung und Effizienz. Es gehe darum, "die Schnittstellen abzuschaffen oder zumindest darum, Brücken zu bauen und die Finanzierungslogik zu ändern". Ob das Bund oder Länder steuern, halte er für sekundär.
Die Vinzenz Gruppe wurde im Jahr 1995 gegründet. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul brachte damals ihre drei Krankenhäuser in Wien, Linz und Ried in eine Holding ein, aus der die Vinzenz Gruppe hervorging. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Häuser hinzu. Heute ist die Vinzenz Gruppe eine der größten privaten Trägerinnen von gemeinnützigen Gesundheitseinrichtungen in Österreich und unter anderem an neun Krankenhäusern sowie mehreren Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen in drei Bundesländern beteiligt. Diese zählen rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. (Info: www.vinzenzgruppe.at)
Quelle: kathpress