
Krautwaschl: Christentum darf nicht auf Tradition reduziert werden
Der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl feierte am Sonntag mit den Priesterjubilaren seiner Diözese einen Gottesdienst im Grazer Dom. In seiner Predigt dankte er den Geistlichen dafür, dass sie in den Jahrzehnten ihres Priesterdienstes dazu beigetragen hätten, dass die Rede von Christus, seinem Leben, Sterben und Auferstehen in der Diözese Graz-Seckau nicht verstumme. "Unsere Heimat atmet in ihrer Kultur so viel von unserem christlichen Glauben und von unseren christlichen Werten, die alle Menschen in ihrer Würde ernstnehmen", sagte Krautwaschl. Dies wach zu halten, sei umso wichtiger, "wenn die christliche Kultur mitunter verkürzt und ohne sinnstiftenden Grund propagiert wird, wenn das Christentum Gefahr läuft, auf Tradition reduziert zu werden".
Es gehe um die Lebendigkeit der Beziehung zu Gott, "die uns alle, heute und morgen, im Blick hat", so der Grazer Bischof. Das fordere immer wieder heraus, "die sprudelnden Quellen des Glaubens freizulegen, die nicht immer 100-prozentig kompatibel mit so manchen Lebenseinstellungen von heute" seien. Umso wichtiger sei die Ernsthaftigkeit der Christusnachfolge, "die uns und alle leben lässt, die uns Kraft gibt".
Krautwaschl weiter: "Unser gelebtes Christsein strahlt Hoffnung aus in einer durch demografische Entwicklung, durch Wanderungsbewegungen, durch weltweite Krisen wie auch ganz persönlichen Herausforderungen geprägten, mitunter wirren Zeit. Unser Christsein macht und bereitet Freude. Unser persönliches Christsein ist wichtig, damit die Menschen sich erinnern können, dass da etwas ist, das sie besser leben lässt: Das Vertrauen auf Gott, seinen Sohn Jesus und auf den Heiligen Geist."
Als Priester sei man beständig bei den Menschen, in der Lebensbegleitung, in der Feier der Sakramente, in traurigen wie auch in "Hoch-Zeiten", so Krautwaschl: "Vieles wird in dieser Zeit gelungen sein. Und wenn das Eine oder Andere nicht gelungen ist, wenn manche die Botschaft nicht hören wollten, wenn manches Ausgesäte noch nicht aufgegangen ist - das ist in diesem Dienst einzukalkulieren, in dem es nicht um uns geht, sondern um die beständige Wegweisung für die Menschen auf Jesus hin, dem wir als Christen nachfolgen wollen." Nachsatz: "Wir geben den Menschen eine Chance, laden sie ein, reichen ihnen die Hand. Ergreifen müssen sie diese selbst."
Quelle: kathpress