
Bischof Schwarz: "Manchmal kann ein kurzer Satz ein Herz öffnen"
Der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz begeht heuer sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Im Interview mit der Kirchenzeitung "Kirche bunt" (aktuelle Ausgabe; Mittwoch) blickt er auf diese 50 Jahre zurück, erläutert, was seiner Meinung nach im Zentrum des Priesteramtes stehen muss und gibt u.a. auch über seine intensiven Social-Media-Aktivitäten Auskunft. Schwarz: "Soziale Medien sind heute ein großer öffentlicher Raum. Wenn Menschen dort leben, suchen, fragen und hoffen, dann darf die Kirche dort nicht fehlen." Ihm gehe es nicht um "Selbstdarstellung", so der Bischof, sondern darum, "einen Gedanken des Evangeliums, ein Wort der Hoffnung, einen geistlichen Impuls dorthin zu bringen, wo Menschen unterwegs sind. Manchmal kann ein kurzer Satz ein Herz öffnen."
Schwarz wurde am 29. Juni 1976 im Stephansdom vom damaligen Wiener Erzbischof Kardinal Franz König (1905-2004) zum Priester geweiht. Seine Priesterberufung sei kein Blitz vom Himmel gewesen, "sondern ein Weg, der langsam in mir gewachsen ist". Es habe ihn berührt, "dass Priester Menschen in allen Lebenslagen nahe sein dürfen - in Freude, in Sorge, in Schuld, in Krankheit, im Abschied. So ist in mir der Wunsch gewachsen, mein Leben Gott und den Menschen zur Verfügung zu stellen."
Er blicke voll Dankbarkeit auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zurück, sagte Bischof Schwarz: "50 Jahre Priestersein bedeuten nicht einfach eine lange Zeit, sondern viele Menschen, viele Geschichten, viele Orte und auch manche schwere Stunde. (...) Überall durfte ich erfahren: Gott wirkt oft leise, aber treu."
Zudem habe ihn jede Station gelehrt: "Kirche lebt aus Begegnungen." Früher sei der Glaube in vielen Familien und Orten selbstverständlicher eingebettet gewesen; heute sei vieles fragiler geworden. Schwarz: "Menschen wählen bewusster, suchen stärker, fragen kritischer. Das fordert uns heraus, aber ich sehe darin auch eine Chance." Der Glaube könne heute nicht einfach vorausgesetzt werden, "er muss persönlich, glaubwürdig und verständlich bezeugt werden".
Kirche muss glaubwürdig sein
Die größte Herausforderung für die Kirche sei die Glaubwürdigkeit: "Wir müssen als Kirche zeigen, dass das Evangelium nicht nur gepredigt, sondern gelebt wird. Dazu gehört auch, Wunden nicht zu überdecken, sondern ehrlich hinzuschauen. Zugleich müssen wir Menschen neu die Schönheit des Glaubens erschließen: dass Gott das Leben nicht kleiner macht, sondern weiter, tiefer und hoffnungsvoller."
Er wünsche sich eine Kirche, "die nahe bei den Menschen ist. Eine Kirche, die zuhört, tröstet, aufrichtet und Hoffnung schenkt", so der Bischof. Für die Diözese St. Pölten wünsche er sich, "dass wir mutig und zugleich demütig aus dem Evangelium leben - in den Pfarren, in den Familien, in den Schulen, in der Caritas und in allen pastoralen Räumen".
Zur Frage, was er jungen Menschen mitgeben möchte, die über eine Berufung zum Priestertum nachdenken, antwortete der Bischof: "Habt keine Angst, Gott euer Leben hinzuhalten. Berufung beginnt oft leise. Sie braucht Stille, Gebet, Begleitung und Mut." Wer Priester wird, entscheide sich nicht für ein bequemes Leben, "aber für ein erfülltes Leben im Dienst an Gott und den Menschen".
(Interview im Wortlaut: https://www.meinekirchenzeitung.at/niederoesterreich-kirche-bunt/c-menschen-meinungen/50-jahre-im-dienst-an-gott-und-den-menschen_a76978?ref=curate)
Quelle: kathpress