
Theologe und Olympiaseelsorger warnt vor Transhumanismus
Vor einer technologischen Überwindung des Menschen durch transhumanistische Konzepte warnt der Salzburger Theologe und "Olympiaseelsorger" Johannes Lackner. Bei einem Kamingespräch des Forums Neues Leben der Erzdiözese Salzburg am Donnerstagabend bezeichnete er die Entwicklung als zentrale ethische Herausforderung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI). Christinnen und Christen sollten sich daher "Anwälte für das Menschsein" einsetzen, so Lackner. Der Abend stand unter dem Motto "Transhumanismus: Schaffen wir das Leben ab?".
Lackner, der im Rahmen seines Dissertationsprojekts an der Universität Salzburg zum Transhumanismus forschte und seit Anfang Juni Büroleiter von Erzbischof Franz Lackner ist, stellte den Transhumanismus als zunehmend einflussreiche Bewegung dar. Deren Ziel sei "der posthumane, ein in jeder Sicht besserer Mensch oder eine neue, bessere Spezies".
Diese Denkweise strebe letztlich die Überwindung des Menschen mithilfe technologischer Entwicklungen - etwa Gentechnik, Kybernetik oder neuronaler Schnittstellen - an. "Deshalb ist es so wichtig, dass Papst Leo da jetzt auch Stellung genommen hat", so Lackner mit Verweis auf die jüngst erschienene Sozialenzyklika "Magnifica humanitas" ("Großartige Menschheit").
Neue Menschheit versus großartige Menschheit
Dem Transhumanismus stellte Lackner das christliche Menschenbild gegenüber. Mit Verweis auf "Magnifica humanitas" betonte er die unveräußerliche Würde jedes Menschen. Technische Entwicklungen wie KI seien nicht neutral, sondern spiegelten immer auch die Vorstellungen ihrer Urheber wider. Umso wichtiger sei es, die menschliche Dimension zu bewahren und das "Menschsein" in den Mittelpunkt allen Fortschritts zu stellen, konstatierte der Theologe. Gerade aus dem christlichen Glauben und der Verbundenheit zur göttlichen Schöpfung resultiere ein positives Menschenbild: Der Mensch sei nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und habe daher Würde.
In fünf Thesen sprach sich Lackner für technologischen Fortschritt und die Linderung von Leid aus, wandte sich jedoch gegen die Vorstellung eines "selbstgemachten Paradieses auf Erden", gegen Leidensminderung "um jeden Preis" sowie gegen eine Überwindung des Menschen. "Als Christen haben wir diese Anwaltschaft für das Menschsein", sagte Lackner.
Das Forum Neues Leben wurde 2004 vom damaligen Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser (1938-2024) gegründet und befasst sich mit bioethischen Fragen und dem Schutz des Lebens. Es veranstaltet regelmäßig Diskussionsabende zu aktuellen ethischen Themen.
Quelle: kathpress