
Kroatien: Internationale Friedenstagung mit Österreich-Beteiligung
Unter dem Titel "Frieden prophetisch verkünden, umgeben vom Lärm des Krieges: Friedensstiftung im Zeitalter des Militarismus" fanden vom 12. bis 18. Juli die diesjährigen "Mediterranean Theological Meetings" (MTM) in Lovran in Kroatien statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten zur Frage, wie die Religionsgemeinschaften im Mittelmeerraum angesichts zunehmender Konflikte glaubwürdig für Frieden, Versöhnung und Gewaltfreiheit eintreten können und sollen. Gastgeber war der Erzbischof von Rijeka-Fiume, Mate Uzini.
Auf einem öffentlichen Podium diskutierten dabei u.a. Kardinal Blase Cupich (Chicago) und Kardinal Ladislav Nemet (Belgrad). Zu den weiteren Vortragenden zählten der für Deutschland zuständige serbisch-orthodoxe Bischof Grigorije Duri und die Programmdirektorin der Stiftung "Pro Oriente", Viola Raheb.
Bischof Uzini betonte laut "Pro Oriente-Informationsdienst", Frieden zu stiften sei "schwieriger denn je". Gläubige trügen Verantwortung, authentische Zeugen dafür zu sein. Uzinic verwies auf Papst Leo XIV. und dessen Enzyklika "Magnifica humanitas" mit fünf Leitlinien: Worte entschärfen, Frieden in Gerechtigkeit stiften, die Opferperspektive einnehmen, gesunden Realismus pflegen und Dialog sowie Multilateralismus wiederbeleben.
"Ohne Empathie für die andere Seite keine Aussicht auf Fortschritt"
Kardinal Cupich zitierte Papst Leo XIV., wonach Krieg zunehmend nicht mehr als letztes Mittel der Verteidigung, sondern als politisch gerechtfertigte Präventivmaßnahme gelte. Cupich warnte: "Ein Krieg kann fünfzig Jahre Frieden in einem Augenblick zerstören, während der Aufbau des Friedens viel Zeit und Geduld erfordert."
Für Kardinal Nemet beginnt Frieden mit der mutigen Frage, welcher Schaden anderen zugefügt wurde. Erst dadurch "eröffnen sich Perspektiven für einen Dialog. Ohne Empathie für die andere Seite gibt es keine Aussicht auf Fortschritt", zeigte sich der Belgrader Kardinal überzeugt.
Unter den Teilnehmenden waren Studierende katholischer, orthodoxer, evangelischer und islamischer Theologie aus Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina sowie Priester, Universitätslehrende und weitere Dialog-Engagierte. Bischof Grigorije forderte dazu auf, Hassreden mutig entgegenzutreten, "woher diese auch stammen". Er rief die Kirchen auf, Hoffnung statt Pessimismus zu verkünden. Zugleich unterstrich er immer wieder, dass "die Liebe zum Feind eine der schwierigsten Botschaften ist, die wir durch ein Leben nach dem Evangelium verinnerlichen können".
Liebe, Menschenwürde, kritisches Denken
Die an der Pariser Sorbonne-Universität lehrende Politikwissenschaftlerin Sihem Djebbi hob hervor, dass sowohl im christlichen als auch im muslimischen Kontext - wenn auch in unterschiedlichen historischen Epochen - der Humanismus eng mit der (Wieder-)Entdeckung der antiken griechisch-römischen Philosophie verbunden war und ist, eingebettet in einen monotheistisch-religiösen Rahmen. Sie unterstrich drei zentrale Merkmale des Humanismus: die Liebe zur Menschheit, die Wahrung der Menschenwürde aus universeller Perspektive heraus und das Streben nach Wissen und kritischem Denken.
Prof. Stipe Odak, Ethiker an der Katholischen Universität Löwen in Belgien, betonte, es sei einfacher, die Welt zu kritisieren als sich selbst, der Wandel müsse jedoch bei jedem Einzelnen beginnen: "Wir dürfen nicht vergessen, dass vergangene Wunden in jedem von uns ein anderes Zeitempfinden auslösen, dass jeder von uns gleichzeitig nach zwei Kalendern lebt: dem Sonnenkalender der gesellschaftlichen Anforderungen und dem Mondkalender unserer eigenen Geschichte. Diese beiden Zeitdimensionen unterscheiden sich nicht darin, was richtig und was falsch ist, sondern nur darin, wie wir die Distanz zur Vergangenheit in unser organisatorisches und soziales Leben sowie in unsere intime, persönliche Selbsterfahrung einbeziehen", so Odak.
Krieg ist im Nahen Osten keine Ausnahme
Viola Raheb von "Pro Oriente" sprach zum Thema "Zeugnis für die Auferstehung inmitten von Welten des Todes - Theologien und Engagement der Christen im Nahen Osten". Sie machte darauf aufmerksam, dass Militarismus im Nahen Osten keine "Epoche" sei: "Für die meisten Menschen, die heute leben, ist Militarismus die einzige Realität, die sie je gekannt haben. Länder in der gesamten Region haben über mehrere Jahrzehnte hinweg lange Phasen von Krieg und Konflikten durchlebt."
Im Nahen Osten sei Krieg keine Ausnahme vom normalen Leben, "er ist das normale Leben". In diesem Kontext seien Christinnen und Christen aufgerufen, weder Resignation noch Vergeltung zu praktizieren, sondern vielmehr einen "dritten Weg" zu verkünden und zu gehen. Dieser gründe darauf, Gottes Ebenbild im Anderen anzuerkennen und die Würde eines jeden Menschen zu wahren.
Dieser Ansatz, so Raheb, zeige sich auch in der ökumenischen Arbeit von "Pro Oriente" mit der Jugend im Nahen Osten. Mit den jungen Menschen zu arbeiten und an ihrer Seite zu sein, "heißt, in und mit ihnen Glaube und Liebe wachsen zu lassen; heißt, ihnen zu helfen, Traumata zu bewältigen und ihre Menschlichkeit sowie ihren Glauben an Humanität und Geschwisterlichkeit wiederzuerlangen; heißt aufzuzeigen, dass Hoffnung kein passiver Zustand ist, sondern der Weg der kleinen Schritte", so Raheb.
Im Rahmen der Tagung gestalteten die jungen Teilnehmenden auch zwei Videos mit Botschaften an die Jugend im Nahen Osten, die auf dem Instagram-Kanal von "Pro Oriente" veröffentlicht wurden. (Videos: https://www.instagram.com/reel/Da7ZPOgtgK0/ und https://www.instagram.com/reel/Da7aBRctf6E/)
Quelle: kathpress