
kfbö: Maria Magdalena steht für notwendige Neubewertung der Frauenrolle
Die "Apostelin der Apostel" - Maria Magdalena - ist jahrhundertelang Opfer einer der "folgenreichsten Fehldeutungen der Kirchengeschichte" gewesen: An die bis heute unzureichende Anerkennung von Frauen in der Kirche hat Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), anlässlich des Gedenktages der Heiligen am Mittwoch (22. Juli) erinnert. Dass Papst Franziskus ihren Gedenktag 2016 in den Rang eines Apostelfestes erhob und sie damit liturgisch den Aposteln gleichstellte, sei "eine überfällige Geste, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat", so Ritter-Grepl.
Maria Magdalena wird in der kirchlichen Tradition häufig als "Apostelin der Apostel" (apostola apostolorum) bezeichnet. In der Kirchengeschichte ist die Rolle Marias von Magdala jedoch lange überlagert worden, etwa durch eine Identifikation mit der Sünderin. Die kfbö erinnerte an Papst Gregor I., der 591 Maria Magdalena in einer Predigt mit drei verschiedenen Frauenfiguren des Neuen Testaments gleichsetzte - mit der anonymen Sünderin und Maria von Bethanien. So sei aus der Apostelin die büßende Sünderin geworden, "ein Bild, das 1.400 Jahre lang das populäre und kirchliche Bild dieser Frau prägte". Die Kirche hat die Gleichsetzung 1969 offiziell aufgegeben; 2016 hob Papst Franziskus ihren Gedenktag auf den Rang eines Apostelfestes.
Die Apostelin sei "jene Frau, die als Erste die Auferstehung bezeugte und als Erste gesandt wurde - und die die Institution danach zur Sünderin erklärt hat", erklärte Ritter-Grepl. Dieses Muster gehöre aber nicht nur der Vergangenheit an. "Maria Magdalena ist kein historisches Kuriosum, sie ist ein Spiegel, den wir der Kirche heute vorhalten."
Volksfrömmigkeit in Südtirol
Besonders in Südtirol hat der Magdalena-Kult tiefe Wurzeln. "In der Volksfrömmigkeit lebte das weiter, was die offizielle Theologie ihr verweigerte: Größe", so die kfbö und verwies auf Kirchen und Kapellen in Ridnaun, Vilnöß und Viums, die ihren Namen tragen. Die Apostelin ist etwa am Portal der Kirche in Viums in prächtiger Kleidung und mit dem Salbgefäß dargestellt. Letzteres ein Zeichen "nicht der Sünde, sondern der Salbung: Sie hat den gesalbt, der der Messias war".
Das Attribut des Salbgefäßes, das Maria Magdala zugeordnet wurde, findet sich in mehreren biblischen Erzählungen, etwa bei der anonymen Prophetin in Mk 14, bei der namentlich genannten Maria in Joh 12 sowie bei der "Sünderin" in Lk 7. Die Nähe dieser Texte zueinander sowie die Namensgleichheit haben u. a. zu einer Vermischung der Frauenfiguren geführt.
Apostelin und Aktivistin
Eine Verbindung zur Gegenwart zieht die Frauenbewegung über ihre Aktion Familienfasttag. Stellvertretend verweist sie auf Frauen wie eine Friedensaktivistin in der kolumbianischen Region Putumayo, die sich trotz Gewalt und Vertreibung für Versöhnung und Menschenrechte einsetzt. "Maria Magdalena wurde gesandt. Aida aus Putumayo geht. Die Frauen, die wir über die Aktion Familienfasttag unterstützen, gehen auch täglich unter schwierigsten Bedingungen", so Ritter-Grepl.
Anlässlich des Gedenktags veranstaltet die kfbö unter anderem eine Frauenreise nach Südtirol. Diese sei "mehr als Spiritualtourismus", sondern eine bewusste Auseinandersetzung mit der Frage, warum die jahrhundertelange Verehrung Maria Magdalenas bis heute kaum Konsequenzen für die Stellung von Frauen in der katholischen Kirche gehabt habe.
Quelle: kathpress