
Leihmutterschaft: Menschenrechtler kritisiert "Schlagseite" der Medien
Scharfe Kritik an der medialen Berichterstattung über Leihmutterschaft hat die konservative christliche Menschenrechtsorganisation ADF International geäußert. In den deutschsprachigen großen Leitmedien vollziehe sich bei diesem Thema derzeit ein "auffälliger Blickwechsel", bei dem die Kinder als die verletztlichsten Beteiligten aus dem Bild verschwänden "und mit ihnen auch die Menschenrechte", so Felix Böllmann, in Wien ansässiger Leiter der europäischen Rechtsabteilung der Organisation, in einer Kathpress übermittelten Stellungnahme.
Böllmann zufolge werde Leihmutterschaft zunehmend "als Drama moderner Familien, die zwischen Bürokratie, geopolitischen Krisen und medizinischen Fehlleistungen um ein Baby kämpfen" dargestellt. Die Wunscheltern würden dabei zu Opfern stilisiert, die Leihmütter seien "noch eine Art Kulisse" und das bestehende Verbot von Leihmutterschaft gelte plötzlich als "moralisch fragwürdig". Das Urteil des Juristen dazu: "Das ist keine neutrale Berichterstattung. Es ist ein Perspektivwechsel mit politischer Schlagseite."
Risiken für Leihmütter und Kinder werden verschwiegen
Mehr noch werde nun mit klarem wirtschaftlichem Unterton für die Praxis geworben und der globale Markt für Leihmutterschaft "als gewinnbringende Realität" präsentiert. Das Narrativ der "freiwilligen Leihmutterschaft" werde neu belebt, als ob Frauen freiwillig aus Mitgefühl ihren Körper für eine neunmonatige Schwangerschaft zur Verfügung stellten. Facebook-Botschaften zwischen Leihmüttern und auftragserteilenden Eltern sollten dabei als "schwacher Baustein im Storytelling" die Leihmutterschaft "zur Positivnachricht umdeuten".
Tatsächlich sei es jedoch so, dass Leihmütter nachweislich in den meisten Fällen nicht profitierten, betonte Böllmann. Zudem widerspreche die gängige Darstellung "allem, was die Wissenschaft über die besondere Mutter-Kind Bindung vor der Geburt weiß". Die Risiken für Leihmütter und Kinder lägen klar auf der Hand, darunter die Ausbeutung von Menschen in ökonomischer Not, dokumentierte medizinische Gefahren, psychische Folgen abrupter Mutter-Kind-Trennungen, bis hin zu Fällen von Menschenhandel. All dies werde in den Medienberichten jedoch bestenfalls zu einer Randnotiz.
Im Zuge einer "Umkehrung der Verantwortung" würden nun statt der Leihmutterschaft alle, die sie kritisch sehen und am gesetzlichen Verbot festhalten, zum Problem gemacht. In den Schatten gerieten auch internationale Initiativen wie das UN Moratorium gegen die Leihmutterschaft sowie Forderungen von Menschenrechtsorganisationen. "Was gestern als Schutzmaßnahme galt, wird heute als konservative Strenge abgewertet", so Böllmann. Zu sagen, das Pochen auf Menschenrechte störe die Erzählung vom modernen Familienglück und vom florierenden Wirtschaftsfaktor, der auch Ärmeren zugutekomme, sei jedoch eine "Scheinlogik".
Ethische Frage auch bei Verträgen und Vergütungen
Erst am Mittwoch hatte auch die Bioethikerin Susanne Kummer, Direktorin des Wiener Instituts für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE), vor einer zunehmenden Kommerzialisierung der Leihmutterschaft gewarnt. Hohe Vergütungen und rechtliche Verträge könnten die grundlegenden ethischen Fragen nicht lösen. Die internationale Entwicklung zeige, dass Frauen in wirtschaftlich schwierigen Situationen häufig zur Zielgruppe eines globalen Marktes werden, während die Rechte und die langfristigen Interessen der Kinder in der öffentlichen Debatte kaum berücksichtigt würden.
Kummer kritisierte zudem, dass selbst regulierte Modelle die strukturellen Abhängigkeiten zwischen Auftraggebern und austragenden Frauen nicht beseitigten. Verträge könnten weitreichende Vorgaben für den Alltag und die medizinische Behandlung der Leihmütter enthalten; bei Komplikationen oder psychischen Belastungen blieben viele Risiken bei den Frauen. Internationale Kritiker verwiesen daher darauf, dass Leihmutterschaft nicht allein als individuelle Familienentscheidung betrachtet werden dürfe, sondern stets auch Fragen des Schutzes von Frauen und Kindern berühre.
Quelle: kathpress