
Irak: "Kirche in Not" begrüßt Rückkehrplan für Christen
Das internationale katholische Hilfswerk "Kirche in Not" (ACN) hat die Pläne der irakischen Regierung begrüßt, die Rückkehr christlicher Familien gezielt zu fördern. Nach Angaben des seit Mai amtierenden Premierministers Ali al-Zaidi sollen Christen unter anderem bevorzugt in ein staatliches Wohnbauprogramm aufgenommen werden. "Wir freuen uns sehr über die Worte des Premierministers. Seine Botschaft entspricht der langjährigen Unterstützung unserer Wohltäter für die christliche Gemeinschaft im Irak", erklärte Marco Mencaglia, Leiter der Projektabteilung von "Kirche in Not".
Das Hilfswerk unterstützt die Christen im Irak seit Jahrzehnten. Nach der Vertreibung durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Jahr 2014 finanzierte es gemeinsam mit der Ortskirche den Wiederaufbau zerstörter Häuser in der Ninive-Ebene. Das als "Marshallplan" bekannt gewordene Programm ermöglichte tausenden christlichen Familien die Rückkehr in ihre Heimat und war das bislang größte Projekt in der Geschichte von "Kirche in Not". Bis heute fördert das Hilfswerk zudem Wohnungsbau, Bildungsprojekte, die Priesterausbildung sowie pastorale und soziale Hilfsprogramme. Zu den größten Vorhaben zählt auch die Unterstützung der Katholischen Universität in Erbil.
Al-Zaidi hatte Mitte Juli bei einem Treffen mit dem neu gewählten Patriarchen der chaldäischen Kirche, Paul III. Nona, die Rückkehr christlicher Familien zur "nationalen und staatlichen Priorität" erklärt. Christen seien ein "wesentlicher Teil der irakischen Gesellschaft" und wichtige Partner beim Wiederaufbau des Landes.
Nach Angaben des chaldäisch-katholischen Erzbischofs von Erbil, Bashar Warda, ermutigte der Regierungschef die Kirche, ihr Engagement im Bildungs- und Gesundheitswesen fortzusetzen. Zugleich rief er Unternehmer aus der christlichen Diaspora auf, in ihre Heimat zurückzukehren und dort zu investieren. Die Kirche betreibt nach eigenen Angaben derzeit 18 Schulen sowie die Katholische Universität in Erbil.
Vor rund 25 Jahren lebten noch etwa 1,5 Millionen Christen im Irak. Infolge von Krieg, Terror und Auswanderung ist ihre Zahl heute auf weniger als 300.000 gesunken. Besonders die Eroberung weiter Teile Nordiraks durch den sogenannten "Islamischen Staat" im Jahr 2014 führte zu einer massiven Vertreibung der christlichen Bevölkerung.
Quelle: kathpress