
Österreichische Pastoraltagung 2027 zum Thema Frieden
Krieg in Europa und im Nahen Osten, gesellschaftliche Polarisierung und globale Krisen: Die traditionell zu Jahresbeginn stattfindende Österreichische Pastoraltagung stellt 2027 drei Tage lang das Thema "Frieden" in den Mittelpunkt. Die renommierte Veranstaltung, die jährlich hunderte Interessierte sowie Expertinnen und Experten anzieht und von der Pastoralkommission Österreichs und dem Österreichischen Pastoralinstitut (ÖPI) veranstaltet wird, findet von 7. bis 9. Jänner in St. Virgil/Salzburg statt. Neben Vorträgen internationaler Expertinnen und Experten - etwa Sant'Egidio-Generalsekretär Cesare Zucconi und Jerusalemer Benediktinerabt Nikodemus Schnabel - stehen Friedensarbeit sowie Berichte aus Konfliktregionen auf dem Programm, heißt es in einer Ankündigung.
"Die Sehnsucht nach echtem Frieden ist so groß", erklärte ÖPI-Direktorin Gabriele Eder-Cakl im Vorfeld der Tagung. Während Menschen in Kriegsgebieten unmittelbar litten, erlebten viele in Österreich angesichts des "Nicht-Enden-Wollens" der Kriege ein Gefühl der Ohnmacht. Zugleich gehöre Friedensstiftung "zum Grundauftrag von uns Christinnen und Christen". Ziel der Tagung sei es daher auch, Frieden "einzuüben und zu Friedensstifterinnen und Friedensstiftern zu werden". Und weiter: "Es gibt in der Österreichischen Kirche sehr viele Friedensinitiativen, die wir vor den Vorhang holen", so die ÖPI-Direktorin gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress.
Auch Anna Findl-Ludescher, Vorsitzende Pastoralkommission Österreichs, verweist auf die Ambivalenz des Themas. Die Sehnsucht nach Frieden stehe im Kontrast zur Erfahrung, "dass es echten Frieden nicht gibt", schreibt sie in einem Begleitkommentar. Dem stelle das Christentum den biblischen Friedensgruß "Friede sei mit euch" entgegen - eine Zusage "ohne Wenn-Dann-Logik". Statt Konflikten auszuweichen oder in ihnen gefangen zu bleiben, gelte es, sie als Ausgangspunkt neuer Prozesse zu verstehen.
Im Vorwort formulieren der Referatsbischof für Pastoral Josef Marketz, Gabriele Eder-Cakl und Anna Findl-Ludescher den Anspruch der Tagung prägnant: "Frieden zu leben, ist DER Grundauftrag aller Christinnen und Christen!" Frieden werde dabei ausdrücklich weiter verstanden als das Ende bewaffneter Konflikte. Auch Künstliche Intelligenz, Geschlechtergerechtigkeit, Familienkonflikte, Rohstoffpolitik und Neokolonialismus gehörten daher zu den Themenfeldern der Tagung.
Impulse, Vorträge und Übungsräume
Der erste Tag, Donnerstag, 7. Jänner, steht unter dem Titel "Blick auf die Realitäten in der Welt und den christlichen Auftrag". Nach der liturgischen Eröffnung berichtet Sr. Alfonsa Karapata aus der Ukraine über ihr Leben im Krieg. Der Politologe Christian Wlaschütz analysiert die Auswirkungen einer neuen Weltordnung auf Krieg und Frieden. Am Nachmittag folgen Beiträge zur persönlichen Betroffenheit, zum christlichen Friedensauftrag mit Cesare Zucconi von Sant'Egidio sowie eine biblische Einordnung durch Veronika Burz-Tropper. Ein synodales Gespräch im Geist führt die Perspektiven zusammen.
Am Freitag, 8. Jänner, rückt unter dem Motto "Frieden stiften" die Praxis in den Mittelpunkt. Ahmad Milad Karimi spricht über Hoffnung, Frieden und interreligiösen Dialog. Anschließend wählen die Teilnehmenden aus zahlreichen Friedens-Übungsräumen. Das Spektrum reicht von Deeskalation und gewaltfreier Kommunikation über soziale Verteidigung, katholische Friedensethik und Friedensgebete bis zu Dialogformaten und digitaler Zivilcourage. Am Nachmittag fragt der Pastoraltheologe Bernd Hillebrand, wie viel Streit pastorale Praxis braucht. Danach präsentieren sich Friedensinitiativen, wie Sant'Egidio, Pax Christi, die Dreikönigsaktion, Standing Together, der deutsch-slowenische Dialog in Kärnten, Gesprächsinitiativen für Demokratie sowie Angebote zu persönlicher Versöhnung. Höhepunkt des Abends ist die Eucharistiefeier mit Erzbischof Josef Grünwidl.
Der Samstag, 9. Jänner, trägt den Titel "Zumutung: Frieden". Im Zentrum steht die Feindesliebe. Abt Nikodemus Schnabel von der Dormitio-Abtei in Jerusalem berichtet vom Versuch, diesen Anspruch im Heiligen Land zu leben. Die Tagung endet mit einem Friedensgebet um 12.30 Uhr.
Die Österreichische Pastoraltagung 2027 wird als Green Event durchgeführt und soll barrierefrei zugänglich sein. Eine Teilnahme ist auch via Livestream möglich. Anmeldeschluss ist der 21. Dezember 2026. (Infos und Anmeldung: www.pastoral.at/pastoraltagung)
Quelle: kathpress