
Elternberatung wird fixer Bestandteil des Eltern-Kind-Passes
Die Elternberatung wird ab 1. Oktober fester Bestandteil des Eltern-Kind-Passes und steht künftig allen werdenden Eltern offen. Das gab Familienministerin Claudia Bauer bei einer Pressekonferenz am Montag bekannt. Die freiwillige Elternberatung soll künftig in rund 400 Familienberatungsstellen österreichweit angeboten werden. Ziel der Elternberatung sei von Beginn an gewesen, rechtliche Fragen wie Karenzmodelle oder Pensionssplitting abzudecken, im Verlauf eines Pilotprojekts habe sich jedoch gezeigt, dass auch psychosoziale Themen mehr Raum benötigten, erklärte Nicole Meissner, Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stiftung. Auch Bauer betonte die Bedeutung eines persönlichen, "echten" Beratungsangebots in einer zunehmend digitalen Welt.
Neben Ratgebern, Internet und sozialen Medien gebe es heute eine große Menge an Informationen für werdende Eltern. Die Elternberatung sei bewusst ein "analoges Angebot", bei dem Eltern mit geschulten Menschen sprechen könnten. Eltern seien mit einer Flut an Informationen konfrontiert, so Bauer. "Deshalb halte ich es für extrem wichtig, dass wir die Elternberatung als fixen Punkt etablieren, den Mütter und Väter in der Schwangerschaft und danach in Anspruch nehmen können." Anders als so manche Influencer könnten Beraterinnen und Berater echte Sicherheit geben.
Mit der Einführung der Elternberatung werde das Programm des Eltern-Kind-Passes erstmals seit mehr als zehn Jahren erweitert. Die Einführung geht auf einen Beschluss aus dem November 2022 zurück. Von 2023 bis 2025 wurde die Elternberatung im Rahmen eines Pilotprojekts erprobt und wissenschaftlich begleitet. Für die vorliegende Evaluationsstudie wurden neben dem Beraterteam insgesamt 468 Eltern nach den Gesprächen befragt, von denen die meisten zu diesem Zeitpunkt gerade ihr erstes Kind erwarteten. Die letzte Neuerung im Pass war 2013 die Einführung einer Hebammenberatung gewesen. Ab 1. Oktober 2026 komme eine zweite kostenlose Hebammenberatung hinzu, kündigte Bauer an.
Mehr Raum für psychosoziale Themen
"Wir merken, dass der psychosoziale Bereich einfach viel mehr Raum braucht, um auch Nachfragen zu stellen", sagte Meissner. Da ein einstündiges Erstgespräch dafür meist nicht ausreiche, führe dies häufig zu Folgeterminen, weshalb die Eltern später wiederkommen.
Viele Themen seien vor der Geburt eines Kindes noch nicht präsent: Zunächst würden häufig rechtliche Fragen geklärt, nach der Geburt komme mit dem Familienalltag die "reale Welt" hinzu, berichtete Meissner. Nach einem halben bis dreiviertel Jahr würden Themen wie Gewalt, postnatale Depressionen oder der "Mental Load" stärker sichtbar. Wenn Eltern zuvor keinen Anknüpfungspunkt zur Elternberatung als ersten Kontakt zu den Familienberatungsstellen hätten, sei es schwieriger, Unterstützung zu suchen.
Laut Studienautor Olaf Kapella seien psychosoziale Themen von Eltern in der Studie zwar seltener als Beratungsanlass genannt worden, von Beraterinnen und Beratern jedoch als zentraler Bestandteil des präventiven Auftrags verstanden worden. Die Studie habe gezeigt, dass die Elternberatung einen wichtigen Beitrag zur Informationsvermittlung in Bezug auf arbeits- und sozialrechtliche Themen, zur frühzeitigen Sensibilisierung für psychosoziale Belastungen sowie als "Türöffner" für weiterführende Unterstützungs- bzw. Informationsangebote leiste. Wenn Eltern erlebten, dass es einen geschützten Raum für schwierige Themen gibt, steige auch die Wahrscheinlichkeit, bei Problemen Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Neben der St. Elisabeth-Stiftung bietet u. a. der Verein aktion leben seit 2024 Elternberatung im Rahmen des Eltern-Kind-Passes an.
Quelle: kathpress