
Grünwidl-Amtseinführung als Ostkirchen-Ordinarius am 14. September
Die feierliche Amtseinführung des Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl als Ordinarius für die katholischen Ostkirchen in Österreich erfolgt am 14. September. Dazu findet um 18 Uhr im Wiener Stephansdom ein festlicher Gottesdienst im byzantinischen Ritus statt, wie das Ostkirchenordinariat bekannt gab. Papst Leo XIV. hatte Grünwidl am 11. Juli zum neuen Ostkirchen-Ordinarius und damit zum bischöflichen Letztverantwortlichen für das Ostkirchenordinariat ernannt. Er folgt in dieser Funktion auf Kardinal Christoph Schönborn.
Laut Kirchenrecht ist der jeweilige Wiener Erzbischof auch Ostkirchen-Ordinarius. Die Ernennung geht aber nicht automatisch mit der Ernennung bzw. Weihe zum Erzbischof einher, sondern erfolgt in einem eigenen Akt. Deshalb war Kardinal Schönborn auch nach seiner Emeritierung als Wiener Erzbischof bis 11. Juli für die katholischen Ostkirchen zuständig.
"Die katholischen Ostkirchen sind mit ihrer liturgischen Vielfalt und ihren vielen Besonderheiten ein wahrer Schatz - nicht nur in Wien und Österreich, sondern für die gesamte Weltkirche", hatte Grünwidl unmittelbar nach seiner Ernennung gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress betont. Er hat auch schon den bisherigen Generalvikar des Ordinariats, Erzpriester Yuriy Kolasa, in seinem Amt wieder bestellt. Dem Generalvikar obliegt die operative Leitung des Ordinariats. Er nehme die Weiterbestellung mit tiefer Dankbarkeit an und empfinde es als große Ehre, so Kolasa: "Es erfüllt mich mit Freude, der katholischen Kirche und insbesondere den katholischen Ostkirchen in Österreich weiterhin dienen zu dürfen."
Am Festgottesdienst am 14. September werden neben Grünwidl, Schönborn und Kolasa die Priester des Ordinariats und zahlreiche Gläubige aus ganz Österreich teilnehmen. Auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro Lopez, hat seine Teilnehme bereits zugesagt.
Mehr als 20.000 Gläubige
Im Ostkirchenordinariat sind alle katholischen Ostkirchen vereint, die in Österreich Strukturen haben. Es zählt inzwischen deutlich über 20.000 Gläubige unterschiedlicher Kirchen; Tendenz steigend. Die ukrainische Griechisch-katholische Kirche ist die mit Abstand größte byzantinische katholische Ostkirche in Österreich. Es gibt zudem Gemeinden der rumänischen, slowakischen und melkitischen Griechisch-katholischen Kirche sowie vereinzelt Gläubige der Griechisch-katholischen Kirche in Ungarn, der Griechisch-katholischen Kirche in Serbien (Eparchie Sankt Nikolaus Ruski Krstur) sowie der griechisch-katholischen Eparchie von Mukachevo (Ukraine).
Zu den byzantinischen katholischen Ostkirchen kommen in Österreich auch noch einige orientalische katholische Ostkirchen (Maronitische Kirche, Armenisch-Katholische Kirche, Chaldäische Kirche, Syro-Malankarische Kirche, Syro-Malabarische Kirche, und äthiopisch-katholische Kirche).
Dem Ostkirchenordinariat gehören derzeit rund 85 Priester an. Es gibt die Zentralpfarre St. Barbara in Wien und rund 35 Seelsorgestellen, verteilt auf ganz Österreich.
23 katholische Ostkirchen
Als katholische Ostkirchen werden eigenständige Kirchen ("Ecclesiae sui iuris"- Kirchen eigenen Rechts) bezeichnet, die aus Ortskirchen des östlichen Christentums entstanden sind, also aus orthodoxen oder orientalisch-orthodoxen Kirchen, und im Laufe der Zeit mit Rom eine Union eingegangen sind. Alle 23 katholischen Ostkirchen anerkennen den Papst als Oberhaupt, sie besitzen aber zugleich unterschiedlich ausgeprägte innerkirchliche autonome Rechte. Sie haben ihr eigenes Kirchenrecht, festgehalten im 1990 erschienenen Codex Canonum Ecclesiarum Orientalum (CCEO) und erweitert um jeweils spezifische eigene Regelungen.
Die katholischen Ostkirchen feiern Gottesdienste nach ihrem eigenen Ritus. Dieser kann byzantinisch, westsyrisch, ostsyrisch, koptisch oder armenisch sein. In fast allen katholischen Ostkirchen gibt es verheiratete Priester, und die Sakramentenpraxis unterscheidet sich in einigen Details von jener in der römisch-katholischen Kirche; teilweise gibt es auch unterschiedliche theologische Lehrinhalte.
Gerade durch die Migrationsbewegungen der letzten zehn Jahre - ausgelöst vor allem auch durch die dramatische Situation im Nahen Osten und in der Ukraine - sind viele Gläubige katholischer Ostkirchen in den Westen gekommen, was große Herausforderungen für diese Kirchen in der sogenannten Diaspora mit sich gebracht, zugleich aber auch ihre Bekanntheit gesteigert hat.
Die Kirchen werden entsprechend ihrem Status eingeteilt als Patriarchatskirchen (mit einem Patriarchen an der Spitze), Großerzbischöfliche Kirchen (mit einem Großerzbischof an der Spitze), Metropolitankirchen (mit einem Metropoliten an der Spitze), sowie in Eparchie- bzw. Exarchatskirchen und solche ohne eigenständige Hierarchie. Gerade im Blick auf Letztere gibt es keine rechtsverbindliche Aufzählung der Kirchen, weshalb die Zahl 23 auch nicht ganz eindeutig ist. Manche Experten setzen sie höher an.
Eine kirchenrechtliche wie auch pastorale Besonderheit sind zudem sogenannte Ostkirchenordinariate, in denen in westlichen Ländern einige der Ostkirchen zusammengefasst sind und unter der Letztverantwortung eines römisch-katholischen Ortsbischofs stehen. Ein solches Ostkirchenordinariat besteht neben Österreich in ähnlicher Form auch in Argentinien, Brasilien, Frankreich, Griechenland, Rumänien und Spanien.
(Infos: https://www.erzdioezese-wien.at/unit/katholischeostkirchen)
Quelle: kathpress