
Wiener Elisabethkirche zeigt Werke belarussischer Künstler im Exil
Eine internationale Ausstellung mit Werken von 18 belarussischen Künstlerinnen und Künstlern im Exil ist am Sonntag in der Wiener Kirche St. Elisabeth eröffnet worden. "Sie ist ein Lied des Protestes gegen ein Unrechtsregime - und damit gegen alle, die Menschenrechte mit Füßen treten", betonte Pfarrer Gerald Gump bei der Eröffnung, exakt am 6. Jahrestag der brutalen Niederschlagung der friedlichen Proteste gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl in Belarus. Das Projekt, das ursprünglich in der Tschechischen Republik entstand und erstmals in Prag gezeigt wurde, erhielt den Segen von Papst Leo XIV. sowie Unterstützungsschreiben von 21 Kardinälen weltweit. Bis 30. August gastiert die Ausstellung erstmals in Österreich täglich von 8 bis 20 Uhr in der Kirche am St.-Elisabeth-Platz.
Zur Eröffnung der vom Kultur- und Außenministerium unterstützten Ausstellung waren u. a. die Projektgründerin und Kuratorin Diana Shilina sowie der tschechische Botschafter in Österreich, Jiri Sitler, gekommen, wie die Pfarre am Montag mitteilte. Einige der anwesenden Künstlerinnen und Künstler führten nach dem Eröffnungsakt selbst durch ihre Werke. "Gerade die Erlebnisse von Betroffenen, übersetzt in Kunst, und ihre persönlichen Deutungen machen die tiefen Fluchterfahrungen, aber auch die Kraft des Protestes spürbar", berichtete Pfarrer Gump, der immer wieder künstlerische Projekte in die Kirche im vierten Bezirk holt. Unter anderem war sie mehrmals Spielstätte bei den Wiener Festwochen.
Die Kirche als Ort der Freiheit und des Protests
Es sei ureigener Auftrag der Kirche, an der Seite der Armen und besonders der Flüchtlinge zu stehen, betonte Gump. Gerade deshalb biete sie den passenden Rahmen zur Ausstellung. "Seit vielen Jahren ist diese Kirche ein Raum, in dem Kunst zu tieferen Lebenstönen führt und Lebensbotschaften hörbar macht. Kunst berührt das Unsagbare und widerspricht jedem Unrechtsregime." Zudem sei die Sorge um Geflüchtete ein Anliegen der Pfarre. Mehrere geflüchtete Menschen, die in der Pfarre Heimat gefunden haben, waren Gäste bei der Eröffnungsfeier.
Das Projekt versammelt Werke belarussischer Kunstschaffender, die nach den politischen Repressionen im Zuge der Massenproteste gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl von 2020 ihr Land verlassen mussten. Die Sammlung versteht sich eigenen Angaben zufolge als Beitrag zur Bewahrung der belarussischen kulturellen Identität und künstlerischen Freiheit im Exil. Die Werke erzählen von Erfahrungen, Erinnerungen und Hoffnungen der Kunstschaffenden und sollen zugleich die Aufmerksamkeit auf die Situation belarussischer Künstlerinnen und Künstler im Exil lenken.
Ziel der wandernden Ausstellung sei auch, belarussische Kunst im Exil international bekannt zu machen, die beteiligten Künstler zu unterstützen und einen Teil der gegenwärtigen europäischen Kunstgeschichte zu dokumentieren. Die kontinuierlich wachsende Sammlung gewinne mehr und mehr neue Talente und fördere den Zusammenhalt unter den vertriebenen Kunstschaffenden, hieß es.
In ihrer Rede erinnerte Kuratorin Shilina an die Parallelen zwischen heutigen belarussischen Künstlern im Exil und jenen, die vor über hundert Jahren aus Belarus stammen - darunter Marc Chagall, Chaim Soutine, Michail Kikoin und Ossip Zadkine. Ihre Biografien zeigten: "Kunst überlebt Grenzen, Regime und Exil. Sie bleibt lebendig, solange Menschen schöpferisch tätig sind."
(Info: https://www.erzdioezese-wien.at/pages/pfarren/9034; https://artinexile.eu)
Quelle: kathpress