Malteser-Großprior: Ritter im 21. Jahrhundert dienen Nächstenliebe
Auch im 21. Jahrhundert brauche es Ritter, allerdings ohne Rüstung und Schwert, dafür mit einem klaren Auftrag zur Nächstenliebe. "Statt des Schwertes haben wir heute bestenfalls ein Taschenmesser mit. Und statt des Pferdes habe ich ein Fahrrad, auf dem ein Schelm 'GroßprioRAD' draufgeschrieben hat", erzählt Fra' Gottfried Kühnelt-Leddihn, Großprior des Souveränen Malteser Ritter-Ordens in Österreich, in der neuen Folge des Podcasts "Orden on air". Auch über die Geschichte des Ordens und sein Selbstverständnis, das sich in fast 1.000 Jahren nicht geändert habe, spricht Kühnelt-Leddihn. "Die Malteserritter haben sich dem Dienst an Kranken und Menschen in Not verschrieben - und sind diesem bis heute treu geblieben."
Der vollständige Name des Ordens, "Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta", verrät viel über seine Geschichte. Gegründet im Umfeld des Königreichs Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge, war der Orden von Anfang an primär eines: ein Pflegeorden. "Das Ursprüngliche, die erste Tätigkeit, die wir ausgeübt haben, ist die Hospitalität - die Pflege der Kranken", erklärt der Ordensmann. Der militärische Schutz kam später.
Einsatzorte
Im Heiligen Land, wo der Orden gegründet wurde, ist er bis heute aktiv. In Bethlehem betreiben die Malteser das Holy Family Hospital, ein gynäkologisches Krankenhaus auf europäischem Standard, in dem Patientinnen nur zahlen, was sie können. In Gaza hat der Orden ein medizinisches Ambulatorium in Betrieb genommen - ein Unterfangen, das der Malteser-Großprior als "enormen Balanceakt" beschreibt.
Auch in Österreich ist der Orden vertreten: im Malteser Ordenshaus in Wien, im Rettungsdienst - ausschließlich ehrenamtlich - sowie im Malteser Kinderhilfe Hilde Umdasch Haus in Amstetten, einem Palliativhaus für Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzender Diagnose.
Souveränität und humanitäre Diplomatie
Heute ist der Malteserorden mit rund 13.000 Ordensmitgliedern, etwa 100.000 Freiwilligen und mehr als 50.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in über 120 Ländern tätig. Zugleich ist der Orden ein souveränes Völkerrechtssubjekt mit eigener Verfassung, Pässen, eigener Währung und diplomatischen Beziehungen zu mehr als 115 Staaten.
Diese Souveränität sei kein historisches Relikt, sondern ein Instrument der humanitären Arbeit. "Unsere Diplomatie ist eine humanitäre Diplomatie, keine politische", betont der Großprior. So hätten Malteser-Botschafter unter anderem Medikamente hinter den Eisernen Vorhang gebracht, ein Ultraschallgerät als Diplomatengepäck unverzollt nach Südafrika transportiert oder eine ukrainische Ärztin aus der Gefangenschaft in Mariupol herausholen können. "Unsere Souveränität wird wirklich nur zum Wohle benachteiligter Menschen eingesetzt - derjenigen, denen wir zu dienen gelobt haben", so Kühnelt-Leddihn.
"Unvergängliche Bruderschaft"
Kühnelt-Leddihn kam 1969 eher zufällig zu den Maltesern. Seit 1970 ist er Mitglied im Malteser Hospitaldienst Austria, seit 1983 gehört er dem Orden an. Er heiratete und zog gemeinsam mit seiner Frau fünf Kinder groß. Nach dem Tod seiner Frau nach 32 Jahren Ehe entschloss er sich, die ewigen Gelübde abzulegen. "Es war ein logischer Schritt. Ich spürte, dass das offensichtlich die Berufung ist, die mir nach dem Tod meiner Frau ein erfülltes Leben gewährt", sagt Kühnelt-Leddihn. Seit 2022 ist er Großprior des Malteserordens in Österreich.
Derzeit gibt es in Österreich zwei Professritter, also Ordensmitglieder, die alle drei Gelübde abgelegt haben. Sorgen bereitet Kühnelt-Leddihn diese geringe Zahl nicht: "Sorge und auch pathologischer Optimismus sind nicht angesagt. Ich bin zuversichtlich." Der Großprior zitiert den Ordensgründer, den seligen Gerhard: Diese Bruderschaft werde unvergänglich sein, weil sie im Elend der Welt wurzle - und weil es immer Menschen geben werde, die daran arbeiten, dieses Elend erträglicher zu machen.
Der Podcast "Orden on Air" der Ordensgemeinschaften Österreich ist auf allen größeren Audioplattformen zu finden.
Quelle: kathpress