
Jugendliche: Mladifest in Medjugorje "Tankstelle für den Glauben"
Trotz Rekordhitze und Vandalismus haben sich zehntausende Jugendliche vom 1. bis 5. August in Medjugorje versammelt, um gemeinsam die 36. Auflage des "Mladifest" zu feiern. Im Zentrum des Internationalen Jugendfestivals, das zu den größten jährlichen religiösen Veranstaltungen Europas zählt, stand der diesjährige 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi - der von ihm gegründete Franziskanerorden ist für die Seelsorge in Medjugorje zuständig. Zudem gab es bei den Gottesdiensten, Katechesen und Zeugnissen einen vielstimmigen Aufruf an die aus aller Welt angereisten Jugendlichen, Jesus Christus als Quelle des Glaubens zu suchen, dabei auch gegen den Strom zu schwimmen und ihm die erste Stelle im eigenen Leben zu geben.
Die täglichen 40 Grad im Schatten machten den Festivalgästen zwar zu schaffen, taten der freudigen Stimmung aber keinen Abbruch. Regelmäßig wurden an den Wasserleitungen auf dem Gelände die Trinkflaschen nachgefüllt - passend zum Festival-Motto "ad fontem!" (zur Quelle). Eine besondere Herausforderung war die Hitze für jene, die einen der begehrten Bankplätze vor dem Außenaltar ergattern wollten: Bis zum Beginn der Eucharistiefeier um 19 Uhr lagen sie in der prallen Augustsonne. Wer einen Platz sicher haben wollte, musste sich daher bereits kurz vor Beginn des Nachmittagsprogramms um 16 Uhr dort niederlassen. Andere feierten unter den Bäumen oder auf der Wiese hinter den Bänken mit.
Unterbringung in der 5.000-Seelen-Gemeinde
Andere Kapazitätsgrenzen wurden erreicht, wenn es darum ging, die rund 50.000 Festivalgäste in der 5.000-Seelen-Gemeinde unterzubringen. Schwester Luise (64) von der Jüngergemeinschaft Wien hatte für ihre Reisegruppe lange nach einem Quartier suchen müssen, da der ganze Ort vollbelegt war. Das Gefundene teilte man dann mit einer anderen Gruppe und legte Luftmatratzen auf, damit alle 52 Mitreisenden einen Schlafplatz bekamen. Erschüttern konnte sie dabei nichts mehr, zählte Sr. Luise doch mit 25 Teilnahmen schon zu den Mladifest-Veteranen. Dass der Zustrom von Jugendlichen unvermindert anhielt, führte sie auf die hier erlebte gute Gemeinschaft, die berührenden Gottesdienste und Zeugnisse sowie den Austausch zurück.
Unmittelbar vor Beginn des Jugendtreffens sorgte der Vandalismus an mehreren Gebetsstätten Medjugorjes für Gesprächsstoff. Vereinzelt hätten Eltern deshalb nachgefragt, ganz wenige die Teilnahme ihrer Kinder abgesagt, berichtete Sr. Luise. Sie selbst bereiteten die Vorfälle keine großen Sorgen: "Man sollte für denjenigen beten, der das gemacht hat, denn er hat ernste psychische Probleme." Auch die Pfarre und die Diözese Mostar-Duvno hätten statt Empörung vor allem zu Gebet und Versöhnung für den mutmaßlichen Täter aufgerufen. Die Schäden seien bereits Stunden später beseitigt gewesen.
Glaube als Kraftquelle
Bei den jungen Festivalgästen war die Motivation für die Teilnahme ganz unterschiedlich. Elisa aus dem Mühlviertel, 20 Jahre alt und in der Gruppe eines privaten Busunternehmers unterwegs, wollte beim Mladifest "Kraft tanken": "Es ist immer etwas dabei, das mich in meiner aktuellen Situation berührt und in meiner Beziehung zu Jesus stärkt - vor allem die Beichte, die Musik und die Tänze, aber auch die Katechesen und Zeugnisse. Ich nehme mir davon mit, dass es im Leben jedes Menschen Zeiten gibt und geben darf, in denen der Glaube auf Sparflamme ist und ohne Gefühle auskommen muss. Da muss man durch - und darf dann auch solche Momente wie hier beim Jugendfestival erleben." Jedes Mal komme sie ausgeglichener und friedlicher zurück, erzählte die bereits Medjugorje-erfahrene Mitarbeiterin einer Krabbelstube.
Auch Charlotte hatte in Medjugorje eine "zweite Heimat" gefunden. Das Gefühl von Freiheit, Leichtigkeit und Frieden führte sie auf die "Anwesenheit der Muttergottes" zurück, die in dem Wallfahrtsort seit 1981 täglich erscheinen soll. "Die Seele freut sich, wenn du hier dein Herz öffnest, was bei mir besonders bei der Anbetung und erst recht bei der Beichte geschieht. Da kann es dann schon sein, dass du richtige Wasserfälle heulst vor Freude", sagte die 25-jährige Drogistin aus dem Burgenland. Auch Charlotte verwendete den Begriff "Tankstelle" und fühlte sich nach dem Mladifest stets "aufgetankt für den Alltag". Immer wieder bekomme sie nach ihrer Rückkehr aus ihrem Umfeld zu hören, sie strahle förmlich.
Nicht alleine sein im Glauben
Zu den jüngsten Teilnehmern, sieht man von den Familien mit Kleinkindern ab, gehörten Vanessa (14), Clara (13) und Theres (16), die mit der Kindergesangsgruppe "Kisi Kids" aus Altmünster (OÖ) angereist waren. Dass in Medjugorje täglich zwei Rosenkränze gebetet wurden, fand Vanessa "nicht schlimm", verspüre man dabei doch "große Ruhe". Clara, für die das Festival ebenso eine Premiere war, schwärmte von einer "extrem coolen" Stimmung beim gemeinsamen Gebet, während Theres hervorhob, dass in ihrer Schulklasse nur wenige den Glauben an Gott praktizierten. "Hier in Medjugorje merkt man, dass man nicht alleine ist damit." Fasziniert davon war auch Jeremy (18) aus Wolkersdorf (NÖ): Fixe Messabläufe und gemeinsame Gebete wie der Rosenkranz seien für ihn neu, so der frühere Freikirchler, der sich gerade auf einen Übertritt in die katholische Kirche vorbereitet.
Auch junge Ordensleute waren beim Mladifest vertreten; fast 700 Priester konzelebrierten bei den Gottesdiensten. Für den 22-jährigen Frater Maximilian aus dem Priorat Maria Roggendorf steht Medjugorje in engem Zusammenhang mit der marianischen Prägung seiner Benediktiner-Gemeinschaft. Der Ort ermögliche es, "anzukommen, Ruhe zu finden, Sorgen abzuladen und seine Berufung zu stärken", sagte der Mönch, der im März die Zeitliche Profess abgelegt hatte. Besonders schätze er, wie beim Mladifest Eucharistie, Beichte, Gebet und Fasten unmittelbar miteinander verbunden und zugleich in einer freudigen Atmosphäre gelebt würden. Bewegend sei für ihn zudem das Erleben der Weltkirche mit Jugendlichen und Pilgern aus 73 Nationen.
Viele junge Pilger aus Österreich
Die Freude am ausgelassenen Tanz zu Lobpreis-Livemusik mit Liedern wie "Resucito", "Alles Tanzt" und "Praise" stand schließlich im Mittelpunkt eines "Österreichertreffens", das am 3. August am Kirchenvorplatz von Medjugorje nach dem offiziellen Abendprogramm bis Mitternacht stattfand. Für die mehreren hundert Anwesenden habe man "erlebbar machen wollen, dass auch andere Leute aus der Heimat da sind", sagte Initiator Emmanuel (22) aus Wien von der Loretto Gemeinschaft. Insgesamt waren an die 1.000 Österreicher zum Festival gekommen, wobei die Jüngergemeinschaft mit 250, Loretto mit 100 und Regnum Christi mit 90 jungen Pilgern - letztere kamen teils auch aus Bayern - die größten Gruppen bildeten.
Teils schon zum Festivalende in den Morgenstunden des 6. August, teils erst am Wochenende darauf, traten die jugendlichen Reisegruppen die Heimfahrt an. Sie sollten das Erlebte in ihre Familien, Freundeskreise, Schulen, Arbeitsplätze und Pfarren mitnehmen, hatte es bei der Abschlussveranstaltung mit 14 anwesenden Bischöfen geheißen. Dazu wurden Vertretern jedes Herkunftslandes Rosenkränze überreicht. Vom 27. bis 31. Juli 2027 lautet das Motto dann: "Der Friede Christi regiere in euren Herzen", gab die Pfarre Medjugorje bekannt. (Link: www.mladifestmedjugorje.com)
Quelle: kathpress