
Stift Lilienfeld zeigt Habsburger-Spuren und seltene Schätze
Eine 1277 ausgestellte Urkunde von König Rudolf I. von Habsburg, ein Hirtenstab von Kaiser Karl I. und Erinnerungen an Kaiserin Maria Theresia und Marie Louise: Stift Lilienfeld bewahrt zahlreiche Zeugnisse der Habsburger. Seit Ende 2024 ist das niederösterreichische Zisterzienserstift Station der Kulturroute "Via Habsburg". Eine Spezialführung der Reihe "Stiftsgeheimnisse" widmete sich am Dienstag den Spuren des Herrscherhauses, an der sich auch mehrere Nachfahren von Kaiser Karl und Kaiserin Zita beteiligten.
Zu den Höhepunkten zählte eine fast 750 Jahre alte Pergamenturkunde, die Abt Pius Maurer im sogenannten Abtturm präsentierte. Das rund 60 mal 60 Zentimeter große Dokument trägt das Siegel Rudolfs I. und listet Besitzungen des Klosters auf, die ursprünglich von den Babenbergern übertragen worden waren. Die Urkunde steht damit für den Übergang der Herrschaft von den ausgestorbenen Babenbergern zu den Habsburgern.
Lilienfeld lag auf dem Pilgerweg von Wien nach Mariazell und wurde deshalb über Jahrhunderte von Mitgliedern der Herrscherfamilie besucht. Cimburgis von Masowien, die Mutter Kaiser Friedrichs III., starb während einer Pilgerreise und wurde in der Stiftskirche bestattet. Auch spätere Habsburger kamen regelmäßig nach Lilienfeld. Im sogenannten Kaiseroratorium konnten sie Gottesdienste von einem eigenen Balkon aus verfolgen.
Zu den Besuchern zählten Leopold I. und Maria Theresia, die mehrfach im Stift weilte, sowie Kaiser Franz Joseph. Besonders eng war die Verbindung zu Abt Johann Ladislaus Pyrker. Nach dem Sturz Napoleons hielt sich dessen Ehefrau Marie Louise zeitweise in Lilienfeld auf. Pyrker, ein Vertrauter ihres Vaters Kaiser Franz II., begleitete sie bei Ausflügen und auf einer Reise nach Mariazell. In seinen Memoiren schilderte er die Gespräche mit der ehemaligen französischen Kaiserin.
Auch Kaiser Leopold II. nimmt im Stift eine besondere Stellung ein. Nachdem sein Bruder Joseph II. das Kloster 1789 im Zuge seiner Kirchenreformen aufgelöst hatte, ließ Leopold II. es 1790 wiederbeleben. Im Prälatensaal hängt sein Porträt an prominenter Stelle, während das Bild Josephs II. in einer Ecke zu finden ist.
Als Abschluss der Habsburger-Führung zeigte Abt Maurer einen Hirtenstab, den Kaiser Karl I. nach seinem Rückzug aus den Staatsgeschäften 1918 im Schweizer Exil dem letzten Hofbischof schenkte. Damit reichen die im Stift bewahrten Erinnerungen von Rudolf I. bis zum letzten österreichischen Kaiser.
Das 1202 gegründete Stift Lilienfeld gilt als größtes mittelalterliches Kloster Österreichs. Erhalten sind unter anderem der mittelalterliche Kreuzgang, der Kapitelsaal und das Laienbrüder-Dormitorium. Lilienfeld ist auch für die Geschichte des Skisports bedeutsam: 1905 wurde auf der Stiftswiese am Muckenkogel der weltweit erste Riesentorlauf ausgetragen. (Infos: www.stift-lilienfeld.at)
Quelle: kathpress