
KI soll Herkunft mittelalterlicher Buchkunst entschlüsseln
Künstliche Intelligenz (KI) soll im Stift Klosterneuburg helfen, bislang schwer erkennbare Verbindungen zwischen mittelalterlichen Handschriften, Künstlern, Werkstätten und Klöstern sichtbar zu machen. Das seit 2023 laufende Forschungsprojekt "PeuAFleu" untersucht dazu die kunstvollen Verzierungen mittelalterlicher Bücher. Die Ergebnisse sollen bis Februar 2027 vorliegen, berichtet der Bereich Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz.
Das Stift Klosterneuburg war besonders in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein bedeutendes Zentrum künstlerischer Produktion. Damals entstanden dort unter anderem aufwendig gestaltete Handschriften. Das Projekt untersucht, ob sich diese künstlerische Blüte auch in der Buchornamentik widerspiegelt und ob Beziehungen zu anderen Handschriftenzentren und Klöstern nachweisbar sind.
Im Mittelpunkt stehen sogenannte Fleuronnée-Ornamente. Die mit der Feder ausgeführten Verzierungen zeigen stilisierte Blätter und Blüten, aber auch geometrische Formen, Tiere, menschliche Figuren oder Fantasiewesen. Häufig sind sie rot und blau gestaltet, daneben kommen unter anderem Violett, Grün und Gold vor. Formen, Farben und stilistische Merkmale können Hinweise auf Entstehungszeit und Herkunft einer Handschrift sowie möglicherweise auf den ausführenden Künstler geben.
Unter Leitung von Martin Haltrich, Leiter der Forschungsstelle für Kulturwissenschaftliche Studien des Stifts, arbeiten Kunstgeschichte und Informatik zusammen. Der Kunsthistoriker Max Theisen untersucht die Ornamente stilkritisch, während Florian Kibler Methoden aus Computer Vision, maschinellem Lernen und KI entwickelt.
Die Algorithmen sollen Fleuronnée-Verzierungen in digitalisierten Handschriften erkennen, isolieren und miteinander vergleichen. Ähnlichkeitsanalysen können anschließend Hinweise darauf liefern, ob Ornamente möglicherweise von derselben Person oder Werkstatt stammen. Dabei werden auch einzelne Formen und Muster berücksichtigt, die für eine festgestellte Ähnlichkeit ausschlaggebend sind.
Die KI ersetzt laut Projektbeschreibung nicht die kunsthistorische Bewertung, sondern soll große Bestände systematisch durchsuchen und interessante Vergleichsfälle für die weitere Forschung herausfiltern. Die entwickelten Methoden könnten künftig auch auf andere mittelalterliche Handschriftensammlungen angewandt werden.
Das Projekt wird gemeinsam mit dem Stift Klosterneuburg und der Forschungsgruppe Media Computing der University of Applied Sciences St. Pölten durchgeführt und vom Land Niederösterreich im Rahmen des Programms "FTI-Projekte Grundlagenforschung" gefördert.
Quelle: kathpress