
Katholische Parlamentarier und Schönborn tagen in Frascati
Von 20. bis 23. August findet im italienischen Frascati bzw. in Rom wieder das traditionelle Jahrestreffen des International Catholic Legislators Network (ICLN) statt. Rund 200 Politikerinnen und Politiker verschiedenster Parteien aus aller Welt werden dazu erwartet. Thematisch dreht sich heuer alles um "Künstliche Intelligenz", wie ICLN-Präsident Christiaan Alting von Geusau gegenüber Kathpress mitteilte. Das Motto des Treffens lautet: "Human Dignity and Artificial Intelligence."
Grundlage des Treffens ist die Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV., in der dieser auf Basis der Katholischen Soziallehre aktuelle ethische Herausforderungen im Zusammenhang mit KI thematisiert und wertebasierte Regeln und gesellschaftliche Kontrolle beim Einsatz von KI einmahnt. Papst Leo wird die Teilnehmenden in Audienz empfangen.
Mit dabei ist auch wieder Kardinal Christoph Schönborn. Er ist gemeinsam mit dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Aphrem II., dem maronitischen Patriarchen Kardinal Boutros Rai, dem Erzbischof von Yangon (Myanmar), Kardinal Charles Bo, und dem britischen Politiker Lord David Alton Schirmherr des ICLN. Patriarch Aphrem und Kardinal Bo werden am Jahrestreffen teilnehmen. Erwartet wird auch der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem Theophilos III.
Unmittelbar an das Jahrestreffen schließt am 24. August ein öffentlicher "Friedensgipfel" in Assisi an. Anlässlich des Jubiläumsjahres zum 800. Todestag des hl. Franz von Assisi pilgern die Teilnehmenden in die Franziskusstadt, wo ein Gottesdienst, Kirchenbesuche, weitere Begegnungen und Gespräche im "Global House of Friendship and Hope" auf dem Programm stehen.
Bildung, Vernetzung, Stärkung im Glauben
"Es geht uns darum, gläubige Christen, die in der Politik tätig sind, zusammenzubringen", erläuterte Alting von Geusau die Ziele des Netzwerks im Kathpress-Interview. Das ICLN betreibe weder Aktionismus noch Lobbyarbeit: "Es geht uns um Bildung, Vernetzung und Stärkung im Glauben." Die Jahrestreffen böten für die Teilnehmenden die Gelegenheit, untereinander, aber auch mit Bischöfen, Kardinälen oder Patriarchen zusammenzutreffen, sich auszutauschen und weiterzubilden. Es gebe beim Jahrestreffen in Frascati intensive Seminare und Diskussionsrunden, ebenso aber auch gemeinsame Gottesdienste und Gebetszeiten sowie viel Zeit für persönliche Gespräche. Die nicht-öffentliche Veranstaltung ermögliche eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre, so Alting von Geusau. Inhaltlich werden sich die Politiker u. a. mit der Frage der Regulierung von KI beschäftigen.
"Wir sind überparteilich und überkonfessionell", so Alting von Geusau. Das ICLN finanziert sich laut seinem Direktor allein aus Teilnehmerbeiträgen und einigen privaten Spenden. Die Grundlage der inhaltlichen Arbeit sei die Katholische Soziallehre. "Wer da mitkann, der ist herzlich willkommen", so Alting von Geusau im Blick auf Politiker verschiedenster Konfessionen. Teilnehmen kann man allerdings nur über Einladung des ICLN. Potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten würden von anderen Teilnehmenden empfohlen.
Die Jahrestreffen sind bei weitem nicht die einzigen ICLN-Aktivitäten. Über die ICLN-Akademie werden jedes Jahr zahlreiche Kurse zu einschlägigen Themen angeboten, online oder auch in Präsenz. Seit einigen Jahren gibt es auch ein eigenes Programm für junge Politikerinnen und Politiker. Das Programm firmiert unter dem Titel "Young Christian Global Leaders". Dahinter verbirgt sich ein zweijähriges intensives Bildungsprogramm. Startschuss jedes Lehrgangs ist ein mehrtägiges Intensivtreffen im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima. Heuer fand dieses Treffen im Juli statt. Bis 2033 sollen insgesamt 500 junge Politikerinnen und Politiker "ausgebildet" werden.
Verantwortung katholischer Politiker
Das ICLN wurde 2010 von Alting von Geusau gegründet. Die Vorgeschichte reicht aber schon etwas länger zurück. Alting von Geusau und Kardinal Schönborn waren im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Katholische Hochschule ITI in Trumau oft gemeinsam unterwegs. 2008 hielt der Kardinal in London vor einer kleinen Gruppe katholischer Parlamentarier verschiedenster Parteien einen Vortrag über die Rolle und Verantwortung katholischer Politiker. Organisiert wurde die Veranstaltung damals gemeinsam mit Lord Alton. "Der Vortrag des Kardinals kam großartig an. Die Teilnehmer wünschten sich eine Fortsetzung. Es war offensichtlich, dass ihnen eine solche Art von inhaltlicher Auseinandersetzung bei gleichzeitiger Stärkung im persönlichen Glauben fehlte", erinnerte sich Alting von Geusau.
Diese Erfahrung in London sei für ihn die Initialzündung für das ICLN gewesen, so Alting von Geusau, bis zur Realisierung dauerte es aber noch rund zwei Jahre. 2010 hielt Schönborn den gleichen Vortrag in Washington vor rund 25 republikanischen und demokratischen Abgeordneten - wieder mit großem Erfolg. "Und dann endlich war aufgrund dieser Erfahrung auch Kardinal Schönborn davon überzeugt, dass es so etwas wie ein ICLN braucht."
Der Kardinal erklärte sich bereit, die Schirmherrschaft über das neu zu gründende ICLN zu übernehmen. Von Anfang an dabei war als Schirmherr auch Lord Alton. Bereits Ende August 2010 fand in Castel Gandolfo das erste ICLN-Treffen statt. Die Teilnehmenden wurden damals auch von Papst Benedikt XVI. in Privataudienz empfangen.
(Infos: https://icln.at/)
Quelle: kathpress