
Papst beruft Ethiker Kirchschläger in Entwicklungsbehörde
Papst Leo XIV. hat den aus Österreich stammenden Theologen, Philosophen und Sozialethiker Peter G. Kirchschläger am Dienstag zum Berater der päpstlichen Entwicklungsbehörde berufen. Der 49-Jährige gehört damit für fünf Jahre dem zwölfköpfigen Expertengremium des Dikasteriums an, das sich unter anderem mit ethischen Fragestellungen rund um Entwicklungszusammenarbeit, Migration, Umweltschutz und humanitäre Krisen befasst. Ebenfalls neu in das Gremium berufen wurde der deutsche Priester Peter Klasvogt, Rektor des Campo Santo Teutonico in Rom.
Kirchschläger bezeichnete die Ernennung im Gespräch mit Kathpress als "außerordentliche Ehre" und zugleich als "große Verantwortung". Er freue sich über "das Vertrauen von Papst Leo XIV." und wolle mit seiner Forschung "bestmöglich zur Erfüllung der Ziele des Dikasteriums" beitragen. Von der Zusammenarbeit mit den anderen Beratern erhoffe er sich, dass unterschiedliche "fachliche, kulturelle und geografische Hintergründe" zusammenkommen und man sich gegenseitig im Engagement für die Kirche "bereichert, bestärkt und ermutigt".
Mit dem Vatikan habe es bereits eine "intensive Zusammenarbeit" zum Thema künstliche Intelligenz (KI) gegeben, sagte Kirchschläger. Bereits Papst Franziskus (2013-2025) habe zwei Forderungen aus seiner Forschung aufgegriffen: die nach einer menschenrechtsbasierten globalen Regulierung von KI sowie die zur Schaffung einer Internationalen Agentur für datenbasierte Systeme (IDA) bei der UNO. Franziskus habe diese Vorhaben - wie auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres - ausdrücklich unterstützt. Auch dessen Nachfolger Leo XIV. setzt diesen Weg fort. Beide Forderungen finden sich auch in der Enzyklika "Magnifica humanitas".
Befreiung aus der Geiselhaft
In das Beratungsgremium einbringen will Kirchschläger insbesondere seine Expertise zur ethischen Regulierung von KI. Es gehe um die "Befreiung des technologischen Fortschritts aus der Geiselhaft von ein paar wenigen Multikonzernen". KI müsse "allen Menschen zugutekommen und dem Planeten Erde dienen". Daneben nannte der Sozialethiker auch die Menschenwürde, Menschen- und Kinderrechte, Wirtschafts- und Finanzethik sowie verantwortungsvolle Unternehmensführung als Schlüsselthemen. Auch die Entwicklungszusammenarbeit sei für seine Forschung relevant. Sie dürfe nicht von Ländern des Globalen Nordens zunehmend "zweckentfremdet werden", um die eigene Wirtschaft zu fördern, sondern müsse dazu beitragen, "mehr globale Gerechtigkeit zu schaffen".
Der Kirche komme bei all diesen Fragen eine ethische Orientierungsfunktion zu, unterstrich Kirchschläger. Gemeinsam mit anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften verfüge sie über eine "ethische und moralische Kernkompetenz". Sie könne sich dabei auf sozialethische Grundsätze wie Menschenwürde, Menschenrechte, Solidarität und Subsidiarität stützen. Die religiöse und spirituelle Dimension des Dikasteriums betrachte er als "Bereicherung und Erweiterung" und sehe als Theologe die Verbindung von Glaube und Wissenschaftlichkeit "in keinster Weise als Widerspruch".
Kirchschläger ist seit 2017 Ordinarius für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik ISE an der Universität Luzern. Seit 2023 ist er auch Gastprofessor an der ETH Zürich - als erster Theologe überhaupt - sowie am dortigen ETH AI Center. Zuvor forschte er unter anderem an der University of Chicago und der Yale University. Der 1977 in Wien geborene Theologe und Philosoph ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.
Quelle: kathpress