Ex-Skirennläuferin Meissnitzer: Kirche muss transparenter werden
Die ehemalige Skirennläuferin Alexandra Meissnitzer hat internationale Organisationen wie den Internationalen Skiverband (FIS) und die katholische Kirche zu mehr Offenheit, Transparenz und einer stärkeren Orientierung an den Menschen aufgerufen. Es sei schade, wenn die Kirche "als abgehoben wahrgenommen wird, statt zugänglich und für alle da zu sein", so die FIS-Sonderprojektleiterin im Gespräch mit der Kooperationsredaktion der Kirchenzeitungen. Nicht mehr zeitgemäß sei eine Haltung nach dem Motto: "So macht man das, weil es sich so gehört." Vielmehr sollte man über den Tellerrand schauen und das große Ganze sehen, so die Moderatorin.
"Zahlen, Daten, Fakten: Alles, was transparent sein kann, muss auch Transparenz schaffen", meinte die zweifache Weltmeisterin und Olympia-Gewinnerin. Reformen müssten laut Meissnitzer vorrangig mit der Bereitschaft beginnen, Neues zuzulassen. Große Organisationen wie Kirchen oder Sportverbände seien jedoch komplex und politisch. Entscheidend seien "Haltung, Respekt und Klarheit". Wo Transparenz möglich sei, müsse sie auch hergestellt werden.
Positiv hob Meissnitzer die Begegnungen mit Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus hervor. Besonders bei Franziskus habe sie erlebt, dass dieser bereit gewesen sei, "einen Schritt weiter auf die Menschen zuzugehen", so die frühere Olympiagewinnerin etwa von Nagano 1998. Als eine wichtige Aufgabe der Kirche bezeichnete sie, Menschen mitzunehmen und nicht den Eindruck zu vermitteln, von ihrer Lebensrealität entfernt zu sein.
Auch die Bedeutung von Seelsorge im Spitzensport strich Meissnitzer hervor. Bei Olympischen Spielen oder anderen Großereignissen könne ein Gesprächspartner in belastenden Situationen helfen. Glaube und Rituale seien für viele Athletinnen und Athleten eine wichtige Quelle von Kraft und Orientierung, so die ehemalige Sportlerin, die 2008 ihre Karriere beendete.
"Weg vom Ego-Trip"
Angesichts weltweiter Krisen warb Meissnitzer für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Herausforderungen durch Kriege, Naturkatastrophen und Klimaveränderungen seien groß. Dennoch dürfe der Blick auf das Positive nicht verloren gehen. "Weg vom Ego-Trip, wir schaffen es nur im Miteinander", sagte sie. Es liege an jedem Einzelnen, im eigenen Umfeld Verantwortung zu übernehmen und Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen.
Den Wintersport sieht Meissnitzer trotz des Klimawandels nicht vor dem Ende. "Für mich ist Skisport keineswegs ein Auslaufmodell." Jedoch müsse sich die Branche auf veränderte Bedingungen einstellen, neue Trainingsformen entwickeln und neue Regionen erschließen.
Quelle: kathpress
