
Theologe: Junge Leute können an Biografie des hl. Franziskus andocken
Der deutsche Kapuzinermönch und Theologe Stefan Walser sieht im hl. Franziskus (1181/82-1226) einen Menschen, "der durch Krisen, Zweifel und Brüche gereift ist". Und deshalb heute Vorbild sein kann; vor allem auch für junge Menschen. Junge Leute könnten am Heiligen andocken, "wenn es etwa um den Streit mit dem Vater geht oder um den Franziskus, der nicht wusste, was er beruflich eigentlich machen soll", so Walser im Interview mit dem Salzburger "Rupertusblatt" (aktuelle Ausgabe). Es sei faszinierend, mit einer Biografie zu arbeiten, "die nicht aus einem Guss ist", denn: "Menschen stellen sich und ihren Glauben in verschiedenen Lebensphasen immer neu infrage."
Gerade der christliche Glaube könne Menschen enorm helfen, Identität zu bilden, so Walser und weiter: "Wie bildet man Identität? Indem man über sich nachdenkt. Diese Selbstreflexion passiert im Glauben, allein durch Stille, durch Gebet. Im Gebet wird viel vor Gott erzählt. Auch die geistliche Begleitung, das Gehen zur Beichte oder Exerzitien machen, formt Identität." Mit anderen Worten: "Glaube ist eigentlich Identitätsbildung."
Franziskus sei freilich nicht nur für junge Menschen attraktiv, so der Kapuzinermönch. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: "Brüder, lasst uns anfangen." - Walser dazu: "Das ist für die nachkommende Generation großartig, wenn ein älterer Mensch sagt: 'Ich bin nicht fertig' oder 'Ihr könnt es anders machen'." Fazit: "Identitätsbildung und das Wachsen im Glauben sind nie abgeschlossen."
Zur Frage, ob die Identitätsbildung in der oft lauten und schnelllebigen Gegenwart zu kurz kommt, meinte der Ordensmann: "Wir leben nicht in einer schnelllebigen Zeit - wir machen uns eine schnelllebige Zeit. Denn manches kann ich durchaus beeinflussen. Zum Beispiel was ich mir im Urlaub noch alles antue. Oder wie viel ich digital unterwegs bin." - Walser war Anfang August einer der Referenten bei den diesjährigen Salzburger Hochschulwochen, die sich mit der Frage "Wer wir sind und sein wollen" befassten.
Quelle: kathpress