
Studie: "Mental health days"-Workshops an Schulen kommen gut an
Seit inzwischen vier Jahren bietet der Verein "VsUM" an inzwischen über 300 Schulen Workshops zum Thema psychische Gesundheit an. Rund 250.000 Schülerinnen und Schüler können durch dieses Angebot der "mental health days" Jahr für Jahr erreicht werden - und sie wie auch das Lehrpersonal und die Eltern stellen den Workshops eine durchwegs positive Note aus. Das war der Tenor einer Pressekonferenz am Montag, an der neben VsUM-Gründer und Projektleiter Golli Marboe auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) und Diakonie-Experte Martin Schenk teilnahmen.
Präsentiert wurden dabei u.a. Ergebnisse einer von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) durchgeführten Studien zur Wirksamkeit des Workshop-Angebots. Demnach wurden diese im Vorjahr von 74 Prozent der teilnehmenden Schüler als positiv empfunden. Bei den Eltern waren es 76 Prozent, die die Workshops und das damit u.a. verbundene Eltern-Bildungs-Angebot positiv bewerteten.
Von den befragten Lehrkräften bewerteten lediglich 55,6 Prozent den Workshop als teils, eher oder sehr gut. Woran die vergleichsweise niedrige Zufriedenheit des Lehrpersonals liege, sei noch unklar, jedoch könnte es von den bereits überlasteten Lehrkräften als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden, hieß es bei der Pressekonferenz seitens der Studienautorin Larissa Leonhard.
Positiv von Schülerinnen- und Schülerseite wurde u.a. das Design der "mental health days" bewertet, die mit zeitgemäßen Tools wie Erklärvideos und Mentimeter-Abfragen arbeiteten. Dies habe gerade in heterogenen Klassenverbänden große Vorteile gegenüber klassischen "Stuhlkreis"-Workshops, da so auch eher stillere Schüler sich leichter beteiligen würden.
Die 50-minütigen Workshops fanden österreichweit an über 300 Schulen statt und sollen über 250.000 Schülerinnen und Schüler erreicht haben. Die Ziele seien einerseits, "das Thema sichtbar zu machen, es zu normalisieren über Gefühle zu sprechen und auf die bestehenden Hilfsorganisationen in Österreich aufmerksam zu machen", so Initiator Marboe. Dass das Angebot ankomme, zeige außerdem die Tatsache, dass inzwischen auch in Liechtenstein und in Südtirol "mental health days" an Schulen angeboten würden.
Im Laufe dieses Jahres würden nun noch weitere Kontrollerhebungen stattfinden. Ein Abschlussbericht der Studie liege dann im Jänner 2027 vor, kündigte Leonhard an.
Wiederkehr: 70 neue Schulpsychologen
Begrüßt wurde das Angebot und die positive Resonanz darauf u.a. von Bildungsminister Wiederkehr. Das Thema psychosoziale Gesundheit habe in den vergangenen Jahren an Schulen enorm an Bedeutung gewonnen - umso wichtiger sei es, diesem Bedürfnis mit Angeboten wie den "mental health days" zu entsprechen. "Es soll an allen Schulen einen Austausch zu mentaler Gesundheit geben, egal in welcher Form."
Gleichwohl verwies der Minister darauf, dass es auch andere Anbieter auf diesem Markt gebe und es der Schulautonomie überlassen sei, entsprechende Angebote zu buchen und den Raum im Lehrplan dafür zu schaffen. Zugleich kündigte Wiederkehr an, dem Thema auch personell weiter Rückenwind zu verschaffen und im kommenden Schuljahr erneut 70 Schulpsychologinnen und -psychologen einzustellen. Dies sei eine gute Ergänzung zu den entsprechenden Workshop-Programmen.
Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk verwies darauf, dass es notwendig sei, die psychosozialen Angebote an den Schulen nicht nur auszubauen, sondern sie als Teil eines Gesundheitsteams an den Schulen zu denken. Eine Möglichkeit wäre etwa, die Angebote mit den neu entstehenden Primärversorgungszentren zu akkordieren, da diese Zentren auch für Schulen in ihrer jeweiligen Region ideale Service-Stellen sein könnten.
Wie Marboe abschließend berichtete, wurden die Inhalte der Schul-Workshops fürs kommende Schuljahr ergänzt: Für Pädagoginnen und Pädagogen wird es ein neues Modul zur Auswirkung sozialer Unterschiede auf die psychische Gesundheit geben, das gemeinsam mit Martin Schenk erarbeitet wurde. Für die Erwachsenen-Workshops hingegen wurde ein gemeinsames Modul mit der Telefonseelsorge zum Thema "Krisenintervention" ins Leben gerufen. (Infos: www.mentalhealthdays.eu)
Quelle: kathpress