
Pater Sporschill setzt in Rumänien auf Mitarbeit, nicht auf Geschenke
Mit Reichtum kommen neue Probleme, wie Georg Sporschill sagt. Der österreichische Jesuit lebt seit 35 Jahren in Rumänien und kümmert sich dort um Arme und Obdachlose. In einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" bilanziert er: Der Lebensstandard in Rumänien sei mit dem EU-Beitritt enorm gestiegen. "Es verhungert heute niemand mehr in Rumänien", sagt er - anders als zum Zeitpunkt seiner Ankunft in dem osteuropäischen Land. Auch Straßenkinder gebe es nicht mehr. "Doch Leute, die in die Not hineingreifen, fehlen", so Sporschill.
Der Pater ergänzt, in Rumänien erlebe er außerdem, dass mit dem Geld die Religion in den Hintergrund rücke: "Wenn die Leute Autos haben - und tolle Autos sind hier ein Heiligtum - dann ist der liebe Gott gleich nicht mehr ganz so wichtig."
Viele Menschen, die plötzlich zu Geld kämen, würden zuerst einmal etwas asozialer, sagt Sporschill. "Auch die Wohlhabenden haben noch das Gefühl zu verhungern, zu wenig zu haben. Der Hunger verschwindet nicht, nur weil du materiell mehr hast. Den Hunger hat man im Blut." Menschen täten sich schwer zu erkennen, was sie schon alles hätten. Das Gefühl, das Eigene teilen zu können, stelle sich erst nach einem längeren Prozess und nicht automatisch ein, wenn die eigenen Bedürfnisse befriedigt seien.
Würde durch Mitarbeit
Sporschill verweist auf eine überlegene Position des Helfenden: "Im weltlichen Sinn ist man als Helfer immer selbst der Gewinner. Wenn Sie jemandem helfen, fühlen Sie sich stark. Und vor allem: stärker als der andere." Die Gefahr der Sozialarbeit sei, dass der andere sich klein fühle - "als armer Hund, der nehmen muss".
Um dem zu begegnen, gelte bei ihm die Faustregel: "Alle müssen etwas tun." Das gelte auch für die ehemaligen Obdachlosen, mit denen er im zentralrumänischen Marpod zusammenlebe: "Die meisten waren oder sind Alkoholiker und haben nur das Stehlen gelernt. Wenn sie arbeiten könnten, wäre das Problem fast gelöst." Doch sie seien weit weg von einem bürgerlichen Arbeitsleben. "Und trotzdem brauchen auch solche Menschen Aufgaben, sonst zerstören die Geschenke, die sie bekommen, ihre Seelen noch mehr." Er finde für alle etwas zu tun, sagt Sporschill.
"Was arme Menschen brauchen, ist Würde", betont er. Darum pflege er mit seinen Mitbewohnern eine "ausgeprägte Tischkultur, mit Kerzen und Servietten und allem Drum und Dran". Er ergänzt: "Bei uns wird darum gestritten, wer bedienen darf. Schließlich ist das der, der das Essen gibt."
Quelle: kathpress