
Katholische Aktion will demokratisches Miteinander im Land stärken
Die Katholische Aktion Österreich startet eine neue Initiative zur Stärkung der Demokratie und des gesellschaftlichen Miteinanders im Land. Präsident Ferdinand Kaineder und Generalsekretärin Regina Petrik stellten am Freitag in Wien das Projekt "MITUNTER GEGENÜBER - So klappt's auch mit der Demokratie" vor. In ganz Österreich soll es Menschen zusammenbringen, die sonst wegen unterschiedlicher Ansichten, Erfahrungen und sozialer Hintergründe eher nicht miteinander ins Gespräch kommen. Ziel der persönlichen Begegnungen in moderierten Gesprächsrunden ist, dass Menschen mit Andersdenkenden über ihre Alltagssorgen ebenso wie über Demokratie und gesellschaftliches Zusammenleben sprechen, einander zuhören und auch Verständnis sowie Gemeinsamkeiten finden können.
Gastgeber der Begegnungen können Pfarren oder lokale Gruppen der Katholischen Aktion, aber auch nicht-kirchliche Vereine, Verbände oder Organisationen wie Freiwillige Feuerwehren sein. Die Katholische Aktion stellt eine professionelle Gesprächsleitung, Unterlagen, Begleitmaterial und Druckvorlagen zur Verfügung. Wesentlich sei, dass die Gastgeber Teilnehmende persönlich im eigenen Umfeld und im öffentlichen Raum einladen, betonte Petrik - "bei Hausbesuchen, im Supermarkt, an der Busstation oder am Markt". Durchgeführt werden die "MITUNTER GEGENÜBER"-Veranstaltungen von Herbst 2026 bis Ende 2027.
Wie viele Menschen mache er sich Sorgen um die Demokratie und den Stil öffentlicher Debatten, erklärte KAÖ-Präsident Kaineder bei der Pressekonferenz. "Unsere menschenrechtsbasierte liberale Demokratie ist schwer unter Druck. Global aber auch bei uns in Österreich dürfen wir da nicht wegschauen." Auf verschiedenen Ebenen gebe es Angriffe auf demokratische Institutionen; die Kommunikation in öffentlichen Räumen und zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen. Meinungsverschiedenheiten würden bewusst weiter geführt, um Gegensätze zu schüren.
"Selbst in der Familie kommt es vor, dass manche Themen nicht mehr angesprochen werden können, weil sie so einen Widerspruch erzeugen", sagte Kaineder. Dies Teil der Brüche, die man aktuell in der Gesellschaft erlebe. "Unsere menschenrechtsbasierte liberale Demokratie lebt aber von der Fähigkeit, dass wir aufeinander zugehen, einander zuhören, wahrnehmen und auch die Bereitschaft zum Dialog mitbringen, zum Hinhören auf die andere Position."
"Brücken bauen, wo immer es möglich ist"
Der Spaltung entgegenzuwirken und "Brücken zu bauen, wo immer es möglich ist", sei Auftrag auch der Kirche und der Katholischen Aktion. "Räume für einen guten Dialog aufzumachen, steht sozusagen in unserer DNA", sagte Kaineder. "Wenn Menschen 'mit'-einander ins Gespräch kommen, sich 'unter'-halten, dann gibt es vielleicht einen Rahmen dafür, dass wir 'gegen'-sätzliche Meinungen aushalten lernen können oder es gibt auch 'Über'-einkommen in manchen Sichtweisen", erklärte er zum Titel des Projekts "MITUNTER GEGENÜBER".
Das jeweilige Thema der Dialogveranstaltung in gegenseitiger Wertschätzung können die Gastgebenden oder auch die Teilnehmenden selbst bestimmen, Vorgaben vonseiten der Katholischen Aktion gibt es nicht. "Jedes Thema, das vor Ort Menschen bewegt und wo man spürt, da gibt es eine Spannung, da sollte man mal drüber reden, ist geeignet", erklärte Petrik.
Man könne etwa über Konflikte im Zusammenleben von ansässigen Bewohnern einer Landgemeinde mit aus anderen Städten oder Gemeinden Zugezogenen reden oder den Umgang mit in einer Gemeinde untergebrachten Flüchtlingen thematisieren, gab sie Beispiele. "Oder es wird gerade ein Sportplatz stillgelegt, und die einen sagen, so was braucht man eh nicht und die anderen sagen, ohne dem stirbt unser Ort schön langsam."
Grundhaltung des Miteinanderredens
Ziel sei, Räume zu öffnen, in denen Alltagssorgen in einem geschützten Rahmen ausgesprochen werden können und wo man sich auch nicht sofort rechtfertigen oder jemanden überzeugen müsse. "Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Menschen einander gegenübersitzen, miteinander reden, einander zuhören, es auch aushalten, dass jemand anderer eine andere Meinung hat, und niemanden überzeugen müssen", so Petrik. "Es geht darum, den Dialog zu üben."
Die Menschen sollten die Erfahrung machen, dass es immer Sinn macht, sich aufeinander einzulassen. "Wenn das funktioniert in einer Gesellschaft und vor allem unter den Menschen, die in einer bestimmten Region miteinander leben, dann ist es ein sehr großer Beitrag zum demokratischen Dialog."
Interessenten, die Gastgeber von Veranstaltungen sein wollen, sind aufgerufen, sich bei der Katholischen Aktion zu melden. Detaillierte Informationen gibt es auf der Website zum Projekt "MITUNTER GEGENÜBER - So klappt's auch mit der Demokratie" unter www.kaoe.at/mituntergegenueber. Zur Vorbereitung bietet die KAÖ sowohl Webinare als auch analoge Workshops an, in denen sehr konkret der Ablauf besprochen wird.
Die KAÖ-Verantwortlichen sind überzeugt, dass die Initiative auch über die Kirche hinaus Resonanz finden wird, sagte Präsident Kaineder: "Es gibt Gott sei Dank auch andere zivilgesellschaftliche Kräfte, die das auch mit uns zusammen wollen, dass uns die Luft zum Atmen in einer demokratischen Gesellschaft nicht verloren geht."
Quelle: kathpress