
Jugend Eine Welt erinnert an Yanomami-Missionarin Wachtler
An das Lebenswerk einer im Amazonasgebiet Venezuelas tätigen Missionarin erinnert die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt: Die aus dem Burgenland stammende Don-Bosco-Schwester Maria Wachtler (1935-2016) lebte mehr als ein halbes Jahrhundert beim indigenen Volk der Yanomami. Sie lernte ihre Sprache, verfasste deren erste Grammatik und half beim Aufbau von Gesundheitsstationen und Schulen mit. Auch am zehnten Todestag am 5. September ist ihr Vermächtnis lebendig und wird vor Ort weitergeführt, heißt es in der Aussendung vom Dienstag.
Sr. Maria Wachtler wurde 1935 in Zanegg in Westungarn geboren und wuchs in Neusiedl am See auf. 1953 trat sie als 16-Jährige den Don Bosco Schwestern bei, wirkte zunächst als Kindergärtnerin in Innsbruck und wurde 1965 als Missionarin zum Volk der am Oberen Orinoco lebenden Yanomami entsandt. In dem Grenzgebiet zwischen Venezuela und Brasilien war kaum Infrastruktur vorhanden, die Menschen lebten unter schwierigsten Bedingungen.
Hauptanliegen der Ordensfrau war es, den Menschen Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung zu ermöglichen, ohne ihre kulturelle Identität zu gefährden. "Für die Yanomami war Maria Wachtler keine Fremde aus Europa. Sie wurde eine von ihnen. Ihr Leben erinnert uns daran, dass Solidarität bedeutet, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sie in ihrem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen", würdigte sie in der Aussendung Reinhard Heiserer, der Geschäftsführer von Jugend Eine Welt.
Nach über 50 Jahren im Dienst des Yanomami Volkes starb Sr. Wachtler am 5. September 2016 im Alter von 81 Jahren in Caracas. Ihre sterblichen Überreste wurden teils nach katholischem Ritus bestattet, teils nach traditionellem Ritus von tausenden Yanomami als Aschenmus "verspeist". Ihr wurde so die höchste Ehre zuteil, die bei den Yanomami jemand bekommen kann. Venezuela widmete ihr eine Briefmarke, in Österreich wurde Wachtler u.a. mit dem Romero Preis geehrt.
Bedrohtes indigenes Volk
Wie Jugend Eine Welt betont, sind die Yanomami auch heute massiven Bedrohungen ausgesetzt: Illegaler Goldabbau, Umweltzerstörung, eingeschleppte Krankheiten und Landraub gefährdeten ihre Existenz und den Regenwald im Amazonas als einen der wichtigsten Naturräume der Erde. Die Hilfsorganisation engagiert sich mit Partnern vor Ort für weitere Verbesserung des Zugangs zu Bildung und medizinischer Versorgung, für die Stärkung der Rechte der indigenen Bevölkerung die langfristige Bewahrung ihres Lebensraums.
Aktuell wird dazu im Herbst ein spezielles Ambulanzboot auf dem Orinoco-Fluss seinen Dienst aufnehmen, welches die medizinischen Grundbedürfnisse der indigenen Bevölkerung erfüllen soll. Geschäftsführer Heiserer bezeichnete den zehnten Todestag von Maria Wachtler als "Auftrag, den Einsatz für indigene Völker fortzusetzen - damit Gemeinschaften wie die Yanomami ihre Kultur bewahren, ihre Rechte wahrnehmen und selbstbestimmt über ihre Zukunft entscheiden können". Zudem leistet Jugend Eine Welt in Venezuela seit Wochen Nothilfe nach den schweren Erdbeben an der Karibikküste, konkret in der stark betroffenen Stadt La Guira sowie der Hauptstadt Caracas. (Infos: www.jugendeinewelt.at)
Quelle: kathpress