
Elbs: Jugendliche brauchen Begleitung auf Augenhöhe
Jugendliche brauchen nach Ansicht des Vorarlberger Bischofs Benno Elbs Erwachsene, die ihnen zuhören, Fragen ernst nehmen und Orientierung geben, ohne ihnen Entscheidungen abzunehmen. "Gute Begleitung führt in die Freiheit", sagte Elbs in einem Interview für die aktuelle Ausgabe des Werkbriefs "anstösse" der Katholischen Jugend und Jungschar Vorarlberg.
Erwachsene könnten aufgrund ihrer Lebenserfahrung Möglichkeiten aufzeigen, welchen Weg ein junger Mensch einschlagen könne. "Gehen muss man dann selbst", so Elbs. Aufgabe von Begleitpersonen sei es, jungen Menschen zu helfen, "selbst zu entdecken, was sie trägt und wohin ihr Weg führen könnte". Sie könnten dabei Gesprächspartner und Vorbilder sein, die "die Freude des Glaubens erahnen lassen".
Kirchliche Jugendarbeit lebt laut Elbs besonders von persönlichen Beziehungen. Wer Jugendlichen aufmerksam begegne, ihnen zuhöre und sie ernst nehme, vermittle oft mehr Orientierung als durch viele Worte. Auch müssten die Erwachsenen, die Jugendliche begleiten, nicht auf jede Frage eine Antwort haben. "Habt keine Angst davor, selbst Suchende zu sein", sagte Elbs. Gerade Menschen, die ihre eigenen Fragen und Grenzen kennen, würden als glaubwürdige Begleiter wahrgenommen.
Geistliche Kraftquellen
Um selbst Kraft zu schöpfen, brauche es für Menschen in der Jugendarbeit zudem Orte und Zeiten der Erholung. Elbs nannte "Gebet und Stille, Freundschaften" sowie die regelmäßige Frage: "Was ist heute mein Auftrag?"
Als wichtige Ressource bezeichnete der Bischof zudem den christlichen Glauben. Er eröffne eine Perspektive, "die über den Alltag hinausweist", und gebe dem Leben "Tiefe, Orientierung und Fülle". Der Glaube könne auch in schwierigen Zeiten Hoffnung geben und die Überzeugung vermitteln, dass das eigene Leben wertvoll sei. Er sei eine "Quelle, aus der Menschen ein Leben lang schöpfen können, ohne dass sie versiegt".
In seinem eigenen Leben sei Jesus Christus die wichtigste Orientierung, sagte der Feldkircher Bischof. Geprägt habe ihn außerdem Viktor Frankl, der sein Lehrer in der Psychotherapieausbildung gewesen sei. Frankl habe sich intensiv mit der Sinnfrage auseinandergesetzt und die Überzeugung vertreten, dass der Mensch "in jeder Situation und selbst unter schwierigsten Bedingungen Sinn finden kann".
Quelle: kathpress