
Europas Kirchen suchen in Wels nach Wegen zu mehr Synodalität
Wie kann die katholische Kirche in Europa nach dem Abschluss der Weltsynode synodaler werden? Wie lassen sich Beteiligung, Zuhören und gemeinsames Entscheiden konkret im kirchlichen Alltag verankern? Und was können Ortskirchen voneinander lernen, die unter sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen leben? Mit diesen Fragen beschäftigen sich von 14. bis 17. September Vertreter aus 31 Ländern im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels, unter dem Motto "Shaping Synodality in Europe. From Vision to Roadmap".
Organisiert wird das Treffen von der Abteilung für Synodalität der Katholischen Privat-Universität Linz (KU) gemeinsam mit der europäischen Taskforce für Synodalität und unter der Schirmherrschaft des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Die Linzer Pastoraltheologin Klara Csiszar ist maßgeblich an der Vorbereitung beteiligt. "Die Resonanz ist deutlich stärker, als wir erwartet haben", sagte die KU-Vizerektorin am Dienstag gegenüber Kathpress. Insgesamt 187 Personen werden im Bildungshaus erwartet, einschließlich Personal und Dolmetschern.
Beratung in gemischten Tischgruppen
Vertreten sind 29 Bischofskonferenzen und CCEE-Mitgliedskirchen, darunter auch aus den Ostkirchen. 21 Bischöfe nehmen teil, darunter die Kardinäle Ladislav Nemet und Jean-Claude Hollerich und CCEE-Präsident Erzbischof Gintaras Grusas. Auch die Ordensfrau Nathalie Becquart vom vatikanischen Synodensekretariat ist dabei. Aus Österreich werden u.a. Erzbischof Franz Lackner und die Bischöfe Josef Marketz und Manfred Scheuer anwesend sein, weiters aus der Theologie unter anderem Petra Vonier-Pösel, Markus Welte, Gabriele Eder-Cakl und Paul M. Zulehner, neben weiteren Fachleuten und Studierenden der KU Linz.
Die eigentlichen Beratungen finden in 21 Tischgruppen mit jeweils acht Personen statt. Bei der Zusammensetzung der Gruppen sei bewusst auf gute Durchmischung geachtet worden - auch mit dem Ziel, dass möglichst niemand in der Muttersprache spricht, und um unterschiedliche kirchliche und regionale Erfahrungen zusammenzubringen, sagte Csiszar: Norden und Süden, Osten und Westen sowie verschiedene Generationen und Geschlechter sind an jedem Tisch vertreten, auch ein Bischof und Studierende gehören zu jeder Gruppe. Gesprochen wird auf Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch, mit durchgehender Simultanübersetzung.
Drei Tage, drei Schwerpunkte
Auf dem Programm stehen auch mehrere Impulsvorträge und Diskussionen. Nach einem Eröffnungstag über die Liturgie geht es am Dienstag, 15. September, unter anderem um die Frage, wie die Kirche die gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa wahrnimmt. Der tschechische Theologe Tomás Halík spricht über das "Hören auf Europa", anschließend werden Themen wie Digitalisierung, Ökumene, Krieg, Polarisierung, Nationalismus und Migration diskutiert. Am Mittwoch, 16. September, steht die Bedeutung der Taufe für die Gleichheit aller Gläubigen im Mittelpunkt. Dazu sprechen unter anderem der französische Jesuit Christoph Theobald und die Theologin Myriam Wijlens.
Ein wiederkehrendes Element sind die sogenannten "Conversations in the Spirit", eine aus dem weltweiten Synodenprozess bekannte Gesprächsform, bei der die Teilnehmer zunächst einander zuhören, bevor sie auf die Beiträge der anderen reagieren. Auch persönliche Erfahrungen und geistliche Einsichten sollen dabei Raum bekommen.
Vorbereitung für Rom 2028
Inhaltlich geht es an den drei Arbeitstagen um die Liturgie, die gesellschaftlichen Realitäten Europas sowie um Strukturen, Ämter und Entscheidungsprozesse. Die Referenten geben den Gruppen konkrete Fragen mit, deren Ergebnisse von Berichterstattern festgehalten und am letzten Abend zusammengetragen werden. Es ist kein fertiges Grundsatz- oder Abschlussdokument geplant; vielmehr sollen die gesammelten Erkenntnisse und eine "Roadmap" präsentiert und anschließend von Forschungsgruppe und Taskforce weiter ausgewertet werden - auch mit Blick auf die kontinentalen Beratungen vor der gesamtkirchlichen Versammlung in Rom 2028.
Dass es diesen offenen Erfahrungsaustausch von Vertretern der europäischen Bischofskonferenzen, pastoralen Verantwortlichen und aus der akademischen Welt gibt, sei bereits ein Ergebnis für sich, betonte Csiszar: "Wir formen Synodalität in Europa, wobei es unserer Erfahrung nach immens wichtig ist, Menschen aus verschiedenen Kontexten zusammenzubringen. Sie sollen ihre Erfahrungen, Sorge und Hoffnungen untereinander teilen und nicht übereinander in Karikaturen reden, sondern miteinander." So könne es gelingen, "ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln und einander das Katholischsein nicht abzusprechen".
Pressekonferenz zum Auftakt
Zur Tagung sind auch Journalisten akkreditiert. Fünf Medienvertreter nehmen teil, darunter von Kathpress, Vatican News, The Tablet und Nederlands Dagblad. Sie können Vorträge besuchen und Interviews führen, nicht jedoch an den vertraulichen Tischgesprächen teilnehmen. Bereits vor Beginn der Konferenz findet am 14. September um 10 Uhr im OÖ Presseclub in Linz eine Pressekonferenz mit den Kardinälen Nemet und Hollerich, dem Linzer Bischof Manfred Scheuer und KU-Vizerektorin Klara Csiszar statt.
Quelle: Kathpress