
Wien: "Christliches Vereinshaus" besteht seit 100 Jahren
Mit einem ökumenischen Gottesdienst, einem Festakt und einer Festschrift hat das "Christliche Vereinshaus" in Wien seine Gründung vor 100 Jahren begangen. Seit der Errichtung ist das Haus eng mit der Geschichte der christlich-sozialen Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsbewegung verbunden und bis heute ein Ort des Austauschs, der Begegnung und der politischen Bildung. Das unterstrichen bei der Feier am Dienstag u. a. die Bundesvorsitzende der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG), Romana Deckenbacher, und der Vorsitzende vom Christlichen Vereinshaus, Matthias Tschirf. Den ökumenischen Gottesdienst mit zahlreichen Persönlichkeiten aus Gewerkschaft und Politik leiteten der katholische Militärerzdekan Harald Tripp und der evangelische Militärsuperintendent Karl-Reinhart Trauner.
Glückwünsche zum Jubiläum der Institution kamen auch vom Wiener Erzbischof Josef Grünwidl. In einem Grußwort zur Festschrift, die in der Schriftenreihe des ebenfalls im Vereinshaus ansässigen Dr. Karl Kummer-Instituts erschienen ist, würdigte dieser u. a. das politische Wirken von Leopold Kunschak, Lois Weinberger und vieler anderer, die sich "für ein friedliches Miteinander und eine starke Sozialpartnerschaft engagieren". "Bis heute trägt das christliche Vereinshaus als Sitz der FCG und weiterer höchst engagierter Organisationen das Erbe der christlichen Soziallehre weiter, die zu den wichtigsten Errungenschaften der katholischen Kirche gehört: Die Würde des Menschen zu achten und sich für gerechte und lebensfördernde Arbeitsbedingungen einzusetzen", hielt der Erzbischof fest.
Haus mit Geschichte
Das Haus wurde 1926 vom Verein "Christliches Arbeiterhaus" erworben und am 12. September eingeweiht. Es entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Zentrum der christlichen Arbeitnehmerbewegung. Eine besondere Bedeutung erlangte das Haus in der Laudongasse 16 im April 1945, als hier die Weichen für die Neugründung des Österreichische Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbunds (ÖAAB) und in weiterer Folge für den überparteilichen Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) gestellt wurden. Benannt ist das Haus jetzt nach Johann Gassner, der von 1975 bis 1985 Bundesvorsitzender der FCG war.
"100 Jahre christliches Vereinshaus - das ist ein Stück Geschichte, das hier geschrieben wurde, und ein Ort, der Gemeinschaft von Anfang an gelebt hat", betonte FCG-Bundesvorsitzende Deckenbacher bei der Feier und sagte: "Unser christlich-soziales Prinzip war und ist die Grundlage unseres Wirkens - und dieses Haus soll auch in Zukunft ein Ort der Begegnung und des Dialogs bleiben."
Auch Vereinsobmann Tschirf unterstrich die historische Bedeutung des Hauses: "Das Johann-Gassner-Haus ist ein Stück österreichischer Arbeitnehmergeschichte. Aufbruch bedeutet für uns nicht nur baulichen, sondern vor allem inhaltlichen Aufbruch." Prägend dabei seien die Sozialenzykliken der Päpste gewesen - angefangen mit Leo XIII. und seinem Lehrschreiben "Rerum novarum" bis zur jüngsten Enzyklika von Leo XIV. über Menschenwürde und Künstliche Intelligenz. "Die Fragen, die uns 1926 bewegt haben, sind heute aktueller denn je", betonte Tschirf.
Quelle: Kathpress