"Teil der Weltordnung brach zusammen"
Schönborn erinnert an Gewaltspirale von 9/11
"Teil der Weltordnung brach zusammen"
Schönborn erinnert an Gewaltspirale von 9/11
Kardinal Christoph Schönborn hat zum 25. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 an die nachfolgenden Kriege und die "Spirale der Gewalt" erinnert. "Mit den Twin Towers sind nicht nur zwei Türme eingestürzt. Es ist auch ein Teil der bisherigen Welt- und Friedensordnung zusammengebrochen", erklärte der emeritierte Wiener Erzbischof in seiner wöchentlichen Kolumne für die Tageszeitung "Heute" (Ausgabe Freitag, 11. September). Auf die Anschläge mit fast 3.000 Todesopfern seien "Rache und Vergeltung, Hass und Gewalt, Krieg gegen den Terror" gefolgt.
Das Datum 9/11 habe sich "fest in die Köpfe der Menschen eingebrannt", so Schönborn. Ob die Gegenschläge, der Krieg im Irak, in Afghanistan den erhofften Frieden gebracht hätten, fragte der Kardinal jedoch an. Und weiter: "Gibt es keine anderen Lösungen als die Spirale der Gewalt weiter hochzuschrauben?"
Schönborn erinnerte zudem an Papst Johannes Paul II. (1978-2005), der unmittelbar nach den Anschlägen von einer dunklen Stunde gesprochen hatte: "Er war vom Frieden zwischen den Religionen überzeugt. Sein damaliger Rat gilt bis heute: 'Niemals führen die Wege der Gewalt zu echten Lösungen der Menschheitsprobleme.'"
Weiters gedachte Schönborn der Einsatzkräfte, darunter der katholische Priester, Franziskaner und Feuerwehrseelsorger "Father Mike", Mychal Judge. Dieser sei in New York bis bei den Einsatzkräften geblieben, bevor er selbst zu Tode kam.
Insgesamt starben am 11. September 2001 unmittelbar 2.977 Menschen, darunter 441 Einsatzkräfte. Die gesundheitlichen Folgen reichen bis heute: Mehr als 57.000 Einsatzkräfte und Überlebende waren laut US-Gesundheitsbehörden wegen 9/11-bedingter Krebserkrankungen anerkannt.
Die katholischen Bischöfe in den USA erinnern am 25. Jahrestag der Terroranschläge mit Gottesdiensten, Gebeten und Gedenkveranstaltungen an Todesopfer. So findet etwa ein interreligiöser Gedenkgottesdienst im St.-Nicholas-National-Shrine direkt am World Trade Center statt; in Washington feiert Militärbischof Timothy P. Broglio am Freitag eine Gedenkmesse in der Nationalbasilika. Zugleich rufen die Bischöfe angesichts neuer Kriege und internationaler Spannungen zu Frieden und Hoffnung auf.
Quelle: Kathpress
