
Kritik an Identitären-Demonstration in Wien am jüdischen Neujahrstag
Fassungslos darüber, dass die Behörden am jüdischen Neujahrstag (Samstag) eine Demonstration der Identitären genehmigt haben, hat sich die Präsidentin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Prof. Regina Polak, gezeigt. In einer der Nachrichtenagentur Kathpress vorliegenden Stellungnahme erinnert Polak daran, dass an diesem Freitagabend Rosh Haschana, das jüdische Neujahrsfest, beginnt. Ein "Fest der Besinnung, der Freude und der Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen", wie Polak schreibt. Diese Zeit der Selbstreflexion und Umkehr sei wichtig für das Zusammenleben der Gesellschaft.
Der traditionelle Neujahrswunsch "Ein gutes und süßes Jahr" werde aber heuer durch "ein bitteres, ja empörendes" Ereignis konterkariert, "dem jedes Innehalten fremd ist und sich gegen das Zusammenleben und den Zusammenhalt der Gesellschaft richtet".
Polak wörtlich: "Am jüdischen Neujahrstag findet eine Demonstration Identitärer, Neo-Nazis und Rechtsradikaler zum Gedenken an die 'Helden von Wien' statt, die das Ende der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 geschichtsrevisionistisch als 'Verteidigung Europas' reinterpretieren - ein Europa, in dem die 'Anderen' und erst recht Juden keinen Platz haben sollen."
Seitdem Rechtsextremisten den Tag der Befreiung Wiens 1683 "für ihre völkische Ideologie gekapert haben, waren diese Veranstaltungen antisemitisch". Antisemitismus und Judenfeindlichkeit seien aber keine Meinung und würden nicht unter Meinungsfreiheit fallen, so die Präsidentin des Koordinierungsausschusses.
Polak stellt die Frage: "Wie war es möglich, gerade am jüdischen Neujahrsfest eine Demonstration zu genehmigen, die gegen Jüdinnen und Juden gerichtet ist? Wieviel Geschichtsvergessenheit war hier am Werk?" Diese Genehmigung widerspreche den Zielen der "Nationalen Strategie gegen Antisemitismus 2.0" der österreichischen Bundesregierung.
Quelle: Kathpress