
Glettler nach AfD-Wahlsieg: "Gefährdet ist die Menschlichkeit"
Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat nach dem AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für ein solidarisches gesellschaftliches Miteinander geworben und dabei auf seinem Instagram-Profil eine Diskussion über Migration und sogenannte "Remigration" geführt. Glettler, der in der Bischofskonferenz für den Bereich "Gesellschaftliches Engagement" zuständig ist, zitierte in einem Beitrag zentrale Passagen einer gemeinsamen Stellungnahme der christlichen Kirchen in Deutschland und kommentierte diese mit den Worten: "Klare Ansage: Für eine Gesellschaft, die zusammenhält!"
Die Kirchen hatten darin unter anderem die Wahlsieger aufgefordert, Landesverfassung und Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Menschenwürde unabhängig von Herkunft, Religion, Lebensweise, Leistung oder gesellschaftlicher Position zu wahren. "Wir werden nicht wegsehen und wir werden nicht schweigen", heißt es in der von Glettler hervorgehobenen Erklärung für den Fall, dass Menschenwürde verletzt, Demokratie gefährdet oder der Rechtsstaat ausgehöhlt werde.
Das von Glettler veröffentlichte Foto zeigt den Bischof bei einer Feier im Kreis von Menschen mit Migrationshintergrund. In den Kommentaren zu dem Posting wurde er unter anderem gefragt: "Wieviele 'Flüchtlinge' hat Herr Bischof schon bei sich aufgenommen?" Eine Userin antwortete, niemand müsse Flüchtende bei sich zu Hause aufnehmen. Dafür gebe es staatliche Maßnahmen und Versorgung. Zugleich brauche es aber "ein menschliches Zusammenleben", zu dem jeder beitragen könne, "einfach wie in einer guten Nachbarschaft".
Glettler selbst verwies auf die Nachfrage, ob er selbst Flüchtlinge aufgenommen habe, auf seine Zeit als Pfarrer in Graz. Dort habe er über 17 Jahre gewirkt und einige Flüchtlinge immer wieder vorübergehend aufgenommen sowie Unterkünfte vermittelt. "Einen Flüchtling aus Syrien drei Jahre, wohnend mit ihm Zimmer an Zimmer", schrieb der Bischof. Anschließend fragte er seinen Kritiker: "Und Sie?"
In einem weiteren Austausch wurde Glettler gefragt, welche Gefährdungen er neben der "Remigration" im Zusammenhang mit dem AfD-Wahlergebnis sehe. Seine Antwort: "Gefährdet ist die Menschlichkeit und ein solidarisches Miteinander." Die "völkische Identität" bezeichnete er als "reinste[s] ideologische[s] Gift".
Glettlers Beitrag erhielt zugleich auch zustimmende Reaktionen. Die Flüchtlingshelferin Doro Blanke, Preisträgerin des Ute Bock Preises 2020 und auch auf dem von Glettler geposteten Foto zu sehen, dankte dem Bischof für seinen "unermüdlichen Einsatz für Menschen, Friedensarbeit und Menschenrechte" und beschrieb die Zusammenkunft als "gesegnet und voller Liebe".
Quelle: Kathpress