
Erzbischof Grünwidl als Ostkirchen-Ordinarius ins Amt eingeführt
Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienst im byzantinischen Ritus ist der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl am Montagabend in sein neues Amt als Ordinarius für die katholischen Ostkirchen in Österreich eingeführt worden. Er folgt in dieser Funktion auf Kardinal Christoph Schönborn. Der Liturgie stand Ostkirchen-Generalvikar Yuriy Kolasa vor. Mit ihm konzelebrierten zahlreiche Priester der verschiedenen katholischen Ostkirchen, die im Ordinariat vereint sind. Auch der Apostolische Nuntius Erzbischof Pedro Lopez Quintana nahm an dem Gottesdienst teil. Er verlas eingangs der Liturgie das päpstliche Ernennungsdekret. Im Anschluss überreichte Kardinal Schönborn seinem Nachfolger als Zeichen der Amtsübergabe ein bischöflichen Brustmedaillon, eine "Panagia", mit der Gottesmutter und dem Jesuskind.
Eigentlich übt Erzbischof Grünwidl das Amt bereits seit zwei Monaten aus, denn Papst Leo XIV. hat ihn per Dekret bereits am 11. Juli zum neuen Ostkirchen-Ordinarius bestellt. In seiner Ansprache am Ende der Liturgie sagte Erzbischof Grünwidl, dass er sich nach Kräften bemühen werde, "die Herausforderung anzunehmen, die die doppelte Aufgabe als Ordinarius für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen in Österreich und als Erzbischof von Wien für mich bedeutet". Ein Bischof könne nur lehren, wenn er bereit sei zu lernen. So verstehe er seinen Dienst als Bischof in der Erzdiözese Wien und für die katholischen Ostkirchen und er sein überzeugt: "Ich kann von der Buntheit und Vielfalt der katholischen Ostkirchen noch vieles lernen."
Grünwidl würdigte das Ordinariat, das inzwischen deutlich mehr als 20.000 Christinnen und Christen aus den katholischen Ostkirchen in Österreich eine kirchliche Heimat biete. Grünwidl: "Heimat bieten - das ist eine große Aufgabe, die nicht leicht zu erfüllen ist, gerade in dieser Zeit, die von Konflikten und Kriegen in mehreren Ursprungsländern der katholischen Ostkirchen geprägt ist." Er denke vor allem an die Ukraine, aber auch an Konflikte in verschiedenen Ländern in Afrika und Asien, vor allem auch im Nahen Osten, die viele Menschen gezwungen hätten, ihre Heimat zu verlassen, "auf der Suche nach einem Leben in Sicherheit und einer neuen Heimat hier bei uns".
Nicht wenige der Gläubigen hätten auf die eine oder andere Weise Bedrängnis, Verfolgung oder Vertreibung erfahren. Sie wüssten, was es heißt, ein Kreuz zu tragen. Sie alle sollten auch wissen und spüren: "Sie sind hier willkommen und die Glaubensgemeinschaft der Kirche will ihnen helfen, in unserem Land Heimat, Wertschätzung und Hoffnung zu finden."
Gebet für verfolgte Christen
Auch Kardinal Schönborn ging in seiner Predigt auf das Glaubenszeugnis der Mitglieder der katholischen Ostkirchen ein. Zur Freude, dass diese Kirchen in den vergangenen Jahrzehnten in Österreich so stark gewachsen sind, mische sich der Schmerz darüber, dass viele der Gläubigen aus ihrer Heimat fliehen mussten. Eindringlich rief der Kardinal zum Gebet für alle verfolgten Christen weltweit auf.
Ostkirchen-Generalvikar Kolasa dankte am Ende der Liturgie Kardinal Schönborn für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die katholischen Ostkirchen.
Laut Kirchenrecht ist der jeweilige Wiener Erzbischof auch Ostkirchen-Ordinarius. Die Ernennung geht aber nicht automatisch mit der Ernennung bzw. Weihe zum Erzbischof einher, sondern erfolgt in einem eigenen Akt. Deshalb war Kardinal Schönborn auch nach seiner Emeritierung als Wiener Erzbischof bis 11. Juli für die katholischen Ostkirchen zuständig. Der Übergang von Schönborn zu Grünwidl gestaltet sich aufgrund der Sommermonate aber fließend. So wird Kardinal Schönborn noch in Vertretung von Erzbischof Grünwidl an der diesjährigen Vollversammlung der Bischöfe der katholischen Ostkirchen Europas teilnehmen. Diese findet von 15. bis 18. September im ungarischen Mariapocs statt.
Am Festgottesdienst am Montagabend im Stephansdom nahmen u.a. auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl, der Generalvikar der Erzdiözese Wien, Andreas Kaiser, die Mitglieder des Domkapitels sowie der syro-malabarische Bischof Stephen Chirappaneth teil. Die Ökumene war unter anderen durch den orthodoxen Archimandriten Ilias Papadopoulos und den syrisch-orthodoxen Chorepiskopos Emanuel Aydin vertreten.
Mehr als 20.000 Gläubige
Im Ostkirchenordinariat sind alle katholischen Ostkirchen vereint, die in Österreich Strukturen haben. Es zählt inzwischen deutlich über 20.000 Gläubige unterschiedlicher Kirchen; Tendenz steigend. Die ukrainische Griechisch-katholische Kirche ist die mit Abstand größte byzantinische katholische Ostkirche in Österreich. Es gibt zudem Gemeinden der rumänischen, slowakischen und melkitischen Griechisch-katholischen Kirche sowie vereinzelt Gläubige der Griechisch-katholischen Kirche in Ungarn, der Griechisch-katholischen Kirche in Serbien (Eparchie Sankt Nikolaus Ruski Krstur) sowie der griechisch-katholischen Eparchie von Mukachevo (Ukraine).
Zu den byzantinischen katholischen Ostkirchen kommen in Österreich auch noch einige orientalische katholische Ostkirchen (Maronitische Kirche, Armenisch-Katholische Kirche, Chaldäische Kirche, Syro-Malankarische Kirche, Syro-Malabarische Kirche, und äthiopisch-katholische Kirche).
Dem Ostkirchenordinariat gehören derzeit rund 85 Priester an. Es gibt die Zentralpfarre St. Barbara in Wien und inzwischen 43 Seelsorgestellen, verteilt auf ganz Österreich.
23 katholische Ostkirchen
Als katholische Ostkirchen werden eigenständige Kirchen ("Ecclesiae sui iuris"- Kirchen eigenen Rechts) bezeichnet, die aus Ortskirchen des östlichen Christentums entstanden sind, also aus orthodoxen oder orientalisch-orthodoxen Kirchen, und im Laufe der Zeit mit Rom eine Union eingegangen sind. Alle 23 katholischen Ostkirchen anerkennen den Papst als Oberhaupt, sie besitzen aber zugleich unterschiedlich ausgeprägte innerkirchliche autonome Rechte. Sie haben ihr eigenes Kirchenrecht, festgehalten im 1990 erschienenen Codex Canonum Ecclesiarum Orientalum (CCEO) und erweitert um jeweils spezifische eigene Regelungen.
Die katholischen Ostkirchen feiern Gottesdienste nach ihrem eigenen Ritus. Dieser kann byzantinisch, westsyrisch, ostsyrisch, koptisch oder armenisch sein. In fast allen katholischen Ostkirchen gibt es verheiratete Priester, und die Sakramentenpraxis unterscheidet sich in einigen Details von jener in der römisch-katholischen Kirche; teilweise gibt es auch unterschiedliche theologische Lehrinhalte.
Gerade durch die Migrationsbewegungen der letzten zehn Jahre - ausgelöst vor allem auch durch die dramatische Situation im Nahen Osten und in der Ukraine - sind viele Gläubige katholischer Ostkirchen in den Westen gekommen, was große Herausforderungen für diese Kirchen in der sogenannten Diaspora mit sich gebracht, zugleich aber auch ihre Bekanntheit gesteigert hat.
Die Kirchen werden entsprechend ihrem Status eingeteilt als Patriarchatskirchen (mit einem Patriarchen an der Spitze), Großerzbischöfliche Kirchen (mit einem Großerzbischof an der Spitze), Metropolitankirchen (mit einem Metropoliten an der Spitze), sowie in Eparchie- bzw. Exarchatskirchen und solche ohne eigenständige Hierarchie. Gerade im Blick auf Letztere gibt es keine rechtsverbindliche Aufzählung der Kirchen, weshalb die Zahl 23 auch nicht ganz eindeutig ist. Manche Experten setzen sie höher an.
Eine kirchenrechtliche wie auch pastorale Besonderheit sind zudem sogenannte Ostkirchenordinariate, in denen in westlichen Ländern einige der Ostkirchen zusammengefasst sind und unter der Letztverantwortung eines römisch-katholischen Ortsbischofs stehen. Ein solches Ostkirchenordinariat besteht neben Österreich in ähnlicher Form auch in Argentinien, Brasilien, Frankreich, Griechenland, Rumänien und Spanien.
Infos: https://www.erzdioezese-wien.at/unit/katholischeostkirchen
Quelle: Kathpress