
Niederösterreich: Ökumenische Begegnung von Land und Kirchen
Angesichts internationaler Krisen und ihrer Auswirkungen auf das Leben auch hierzulande ist das gute Miteinander von Kirchen und Politik in Niederösterreich umso wichtiger. Das war der Grundtenor der schon traditionellen Begegnung, zu der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner Vertreter der Katholischen und Evangelischen Kirche am Dienstag ins St. Pöltner Landhaus eingeladen hatte. Im Zentrum der Gespräche standen der Wert von Kindern und Familien sowie von Orientierung und Solidarität für die Gesellschaft. Neben Mikl-Leitner ergriffen auch der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl und der evangelische Superintendent Michael Simmer das Wort. Gekommen waren auch die Bischöfe Alois Schwarz, Anton Leichtfried, Franz Scharl und Stephan Turnovszky sowie Äbte der niederösterreichischen Stifte.
"Ohne Kinder keine Zukunft", betonte die Landeshauptfrau in ihrer Rede und verwies auf ein besorgniserregendes Sinken der Geburtenrate in vielen Ländern. Die Geburtenrate sei "die wichtigste Zukunftsfrage" und daher brauche es "einen Paradigmenwechsel": "Wir müssen wieder anders über Familie sprechen. Familie ist keine Belastung, sondern eine Bereicherung. Familie ist kein Wagnis, sondern ein großes Geschenk. Wer zur Familie Ja sagt, sagt Ja zur Verantwortung und bekommt auch viel zurück: Kraft, Liebe, Wärme, Nähe und Geborgenheit." Familie sei daher "nicht nur die älteste, sondern auch die wichtigste Zukunftsfrage der Menschheit". Klar sei auch: "Familienarbeit ist Arbeit", das wisse sie aus eigener Erfahrung als Mutter, so Mikl-Leitner.
"Unser Fundament ist christlich"
Für "die beste Zukunft für unsere Kinder" brauche es "klare Haltungen" wie Leistung, Eigenverantwortung und Hausverstand sowie ein "festes Fundament", betonte die Landeshauptfrau: "Unser Fundament ist christlich. Es sind die christlichen Werte und Traditionen." Zu diesem Fundament gehöre auch das Kreuz, hielt die ÖVP-Politikerin fest: "In Niederösterreich ist und bleibt das Kreuz ein unverzichtbares Symbol. Deshalb werden wir uns auch in Zukunft ganz klar zum Kreuz in öffentlichen Räumen bekennen und zu unseren christlichen Werten stehen." Dazu gehöre auch, "dass alle Kinder frei und selbstbestimmt aufwachsen können", so Mikl-Leitner: "Mädchen und Burschen sollen gleichberechtigt und gleichbestimmt aufwachsen können. Dazu gehört das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14. Denn das Kopftuch ist nicht nur ein Stück Stoff, es ist ein Symbol der Unterdrückung."
Kirche und Politik verbinde "die gemeinsame Verantwortung", betonte Mikl-Leitner. Dies sei "zum einen die Verantwortung, das kulturelle Erbe für die nächsten Generationen zu bewahren", und zum anderen "die Verantwortung für die Menschen im Land da zu sein". In diesem Zusammenhang bedankte sich Niederösterreichs Landeshauptfrau bei den kirchlichen Vertretern "für die Seelsorge, für die Arbeit der Kirche in den Kindergärten und Schulen, bei der Betreuung Älterer und Kranker und für die vielen Menschen, die sich in unseren Pfarren und kirchlichen Einrichtungen freiwillig engagieren".
Schutzmauer für gesellschaftliches Miteinander
Erzbischof Grünwidl würdigte die ökumenische Begegnung im niederösterreichischen Landhaus als eine "gute Tradition, die auch ein Zeichen der Wertschätzung ist". Zugleich dankte er für "die Unterstützung, die unsere Stifte, Klöster und Pfarren erfahren". Ausdrücklich sagte der Wiener Erzbischof Dank dafür, dass sich Mikl-Leitner immer wieder öffentlich zu ihrem Christsein und Katholischsein bekenne.
Für ein gutes gesellschaftliches Miteinander brauche es viele Bausteine, wie Solidarität, Empathie und Engagement, hielt Grünwidl fest: "Wir alle bemühen uns, solche Bausteine zu bilden." Alle sollten mit ihren Bausteinen mitbauen an einer "Schutzmauer für ein gutes Miteinander sowie für Familien und Kinder".
Dank an Simmer und Malekpour
Mikl-Leitner betonte in ihrer Rede auch das gute Verhältnis in Niederösterreich mit der Evangelischen Kirche. Sie verband dies mit dem Dank an Superintendent Simmer und an Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour, die beide im September ihre kirchlichen Spitzenämter abgeben. Simmer würdigte seinerseits den Umstand, dass man auch als kleine Kirche Wertschätzung durch die Landespolitik erfahre.
"Hoffnung ist nicht das Ergebnis guter Planung, sondern ein Geschenk", meinte Superintendent Simmer. Gerade im Blick auf "immer wieder neue Krisen", und die Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt sagte er auch: "Hoffnung ist eine Entscheidung, trotz aller Unsicherheiten weiter zu gehen".
Quelle: Kathpress