
St. Lambrecht: Stift gedenkt Rückkehr des Konvents vor 80 Jahren
Im Zeichen eines doppelten Gedenkens steht das "Lamberti-Wochenende", das das steirische Stift St. Lambrecht am kommenden Samstag und Sonntag (19./20. September) feiert. Zum einen wird unter dem Motto des Festjahres "GEIST VOLL LEBEN" des 950-jährigen Bestehens des Benediktinerstiftes gedacht. Zum anderen feiert das Stift den 80. Jahrestag der Rückkehr des Konvents nach Jahren der nationalsozialistischen Besetzung.
Das Kloster war 1938 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden. Bis 1946 hatte die Abtei ihren Sitz in Mariazell. Zwischen 1942 und 1945 befand sich zudem ein Außenlager des KZ Mauthausen auf dem Klostergelände. 1946 kehrte der Konvent schließlich nach St. Lambrecht zurück. Gefeiert wird die Rückkehr mit einem Festgottesdienst am 20. September in der Stiftskirche St. Lambrecht (10.15 Uhr). Dem Gottesdienst wird der Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer vorstehen.
Eröffnet wird das Festwochenende am Samstag um 19 Uhr im Kaisersaal mit dem Konzert "geLEBT - Geistliche Musik aus drei Jahrhunderten". Es musizieren Clara Sabin (Sopran), Florian Fradler (Orgel) und Johanna Fradler (Querflöte). Im Anschluss wird das neue Buch des emeritierten Abtes Otto Strohmaier, "Absprung in ein tieferes Leben - Benediktinische Spiritualität für eine rastlose Zeit", vorgestellt. Darin blickt der 1937 geborene Altabt auf rund sieben Jahrzehnte als Benediktinermönch zurück. Im Fokus stehen zudem persönliche Erfahrungen benediktinischer Spiritualität, die Strohmaier mit Fragen nach dem Umgang mit Leistungsdruck, Unruhe, Unsicherheit und Sinnsuche verbindet.
Wechselvolle Geschichte
Das Lamberti-Wochenende gehört traditionell zu den Höhepunkten im Stiftsleben. Das Patrozinium des heiligen Lambert, der auch Patron des Seelsorgeraums St. Lambrecht mit seinen zwölf Pfarren ist, wird am 17. September begangen.
Die Wurzeln von Stift St. Lambrecht reichen in eine Zeit zurück, als die Obersteiermark noch weitgehend von Wäldern geprägt war. Als Gründer gilt Markward von Eppenstein, einer der bedeutendsten Vertreter jenes Adelsgeschlechts, das im Hochmittelalter zu den mächtigsten Familien im Südosten des Reiches zählte. Die Eppensteiner stellten Herzöge von Kärnten und Markgrafen der Kärntnermark und waren das erste einheimische Herzogsgeschlecht Kärntens. Ihr Name geht auf die Burg Eppenstein bei Obdach zurück, die eine wichtige Verkehrsverbindung über die Alpen kontrollierte.
Historische Forschungen zeigen, dass Markward bereits vor seinem Tod 1076 mit dem Aufbau eines Klosters im Tal der Mur begonnen hatte. Vollendet wurde die Gründung jedoch erst von seinem Sohn, Herzog Heinrich III. von Kärnten. Die politischen Konflikte des Investiturstreits verzögerten das Vorhaben über Jahrzehnte. Erst 1096 erhielt das Kloster eine kaiserliche Bestätigung, 1109 folgte die päpstliche Anerkennung. Das Jahr 1076 gilt dennoch als Gründungsjahr und bildet die Grundlage für das Jubiläum.
Quelle: Kathpress