
Neue Kirchenführer in den Diözesen vermitteln mehr als Baugeschichte
Kirchenführungen sollen heute mehr vermitteln als Jahreszahlen und Baugeschichte. Heimische Diözesen setzen daher zunehmend auf die Ausbildung eigener Kirchenführerinnen und Kirchenführer, die historische, kunstgeschichtliche und theologische Kenntnisse mit modernen Methoden der Vermittlung verbinden. Die Diözese Innsbruck und das Katholische Bildungswerk Tirol bieten im Oktober bereits zum dritten Mal den zertifizierten Lehrgang "Kirchenräume vermitteln" an. Anfang September sendete Weihbischof Stephan Turnovszky 20 neu ausgebildete Kirchenführerinnen und Kirchenführer aus der Erzdiözese Wien und der Diözese St. Pölten in den Dienst.
"In den Kirchen gibt es Vieles zu entdecken: Neben qualitätsvoller Kunst können wir dort auch viel von unserer Geschichte und Gegenwart lernen. Die Herausforderung besteht darin, diese Schätze wahrzunehmen und aufs Neue zu vermitteln", beschreibt Stefan Schöch, Diözesankonservator der Diözese Innsbruck und Konzeptionist des Lehrgangs, die Ausbildung. Schließlich seien Kirchen weit mehr als historische Gebäude. "Sie erzählen von Glauben, Kunst, Geschichte und gelebter Kultur."
In fünf praxisnahen Modulen vermitteln renommierte Expertinnen und Experten aus Kunstgeschichte, Denkmalpflege, Theologie und Pädagogik, wie Kirchen und sakrale Räume heute wahrgenommen und vermittelt werden können. Neben kunsthistorischen Zugängen und fachlichem Wissen werden auch praktische Werkzeuge für eine zeitgemäße und lebendige Vermittlung eingeübt. Dabei richtet sich der Lehrgang an Kunst- und Kulturinteressierte, Fremdenführer, Mesnerinnen, Pädagogen, Lehrerinnen, Dorfchronisten, Mitarbeitende in der Pastoral und alle, die Kirchenräume besser verstehen und vermitteln möchten.
Der Kurs schließt mit einem Zertifikat für Kirchenführer und Kirchenraumvermittlung ab. Eine Förderung über das Update-Bildungsgeld des Landes Tirol ist möglich. (Info: www.dibk.at/meldungen/kirchenraeume-neu-entdecken-und-andere-dafuer-begeistern)
"Mehr als Jahreszahlen"
In der Erzdiözese Wien haben 18 Menschen aus dem Weinviertel und zwei aus der benachbarten Diözese St. Pölten ihren Dienst nach dem diesjährigen, erstmals diözesenübergreifenden Kirchenführer-Lehrgangs mit dem Schwerpunkt "Von Stiftspfarren und Wallfahrtskirchen" des Katholischen Bildungswerks in Wien bereits angetreten.
"Wenn wir durch eine Kirche führen, vermitteln wir mehr als Jahreszahlen, Baustile und Kunstwerke. Wir öffnen Türen und zugleich eine Welt", betonte Georg Radlmair, Direktor des Katholischen Bildungswerks Wien, gegenüber Kathpress. Es gehe darum, die spirituellen, historischen und kulturellen Dimensionen eines Kirchenraumes zugänglich zu machen und Menschen zum "Lesen, Verstehen und Begreifen" einzuladen.
Zur Ausbildung zählten etwa Einheiten zum bewussten Einsatz der eigenen Stimme, zur Suche nach dem roten Faden für eine geplante Kirchenführung und zu biblischen Geschichten und Heiligen in den Kirchenräumen. Auch der Frage, welche Feiern und Erlebnisse vieler Generationen in den ehrwürdigen Mauern "gespeichert" sind, wurde nachgegangen. So erarbeiteten die Kirchenführerinnen und Kirchenführer jeweils unterschiedliche Konzepte für diverse Zielgruppen. "Doch allen gleich ist die Freude, das Staunen und die Liebe, mit der sie die Botschaft ihrer Kirche vermitteln wollen", so Manfred Zeller, der gemeinsam mit Josef Redl den Kurs organisierte und begleitete.
Gefördert wurde die von der wba zertifizierte Ausbildung auch von drei Leader-Regionen im Weinviertel (Weinviertel-Ost, Manhartsberg und Marchfeld). Alle bisher ausgebildeten Kirchenführer mit ihren zugehörigen Kirchen finden sich unter dem Link https://www.bildungswerk.at/aktuelles/?a=194.
Quelle: Kathpress