
Caritas Europa pocht auf menschenwürdige EU-Asylpolitik
Caritas Europa pocht nach der Rede von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Lage der Union weiter auf eine Asyl- und Migrationspolitik, die den Schutz und die Würde von Menschen ins Zentrum stellt. Die europäische Antwort auf Migration dürfe sich nicht auf Abschreckung, Rückführungen, Einschränkungen des Asylzugangs und die Verlagerung von Verantwortung in Drittstaaten konzentrieren, erklärte die Dachorganisation der europäischen Caritasverbände in Brüssel.
"Europa hat sowohl die Kapazität als auch die Verantwortung, Schutzsuchende zu schützen", betonte Caritas-Europa-Präsident Michael Landau. Die Antwort auf die Herausforderungen an Europas Grenzen könne nicht darin bestehen, Menschen in Not abzuweisen. Nötig sei ein europäisches System, das auf Solidarität, geteilter Verantwortung und Menschenwürde beruhe. Es gelte, die Gründe für Migration und das Recht auf Schutz nicht aus dem Blick zu verlieren, so Caritas Europa. "Grenzmanagement darf nicht zulasten eines starken Asylsystems, sicherer und regulärer Zugangswege, der Lastenteilung oder menschenwürdiger und rechtskonformer Maßnahmen gehen", hieß es in der Stellungnahme.
Reaktion auf Ereignisse in Ceuta
Von der Leyen hatte in ihrer Rede am Dienstag unter Verweis auf die Ereignisse von Ceuta, bei der im Sommer zehntausende Menschen die Grenze Marokkos zur spanischen Exklave kurzfristig illegal überschritten hatten, einen neuen europäischen Krisenreaktionsrahmen bei plötzlich steigenden Ankunftszahlen von Migranten vorgeschlagen. Dieser solle auch eine zeitlich begrenzte und streng festgelegte Flexibilität der Standardverfahren ermöglichen, so die Kommissionspräsidentin. Einmal mehr sprach sich von der Leyen für ein gemeinsames europäisches Vorgehen beim Grenzmanagement aus sowie für eine stärkere Rolle der EU-Grenzschutzagentur Frontex bei Rückführungen.
Besorgt äußerte sich Caritas über Pläne, nach den Ereignissen in Ceuta den Zugang zu Asyl einzuschränken oder auszusetzen. Dort seien mindestens 140 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben spanischer Behörden lebten schätzungsweise 700 bis 1.000 Kinder auf der Straße. Die Ereignisse von Ceuta führten vor Augen, "warum der Schutz von Menschen im Mittelpunkt der europäischen Reaktion stehen muss", so Caritas Europa. Auch der tiefgreifenden Auswirkungen auf die Bevölkerung von Ceuta, deren Gemeinschaft, öffentliche Dienste und lokale Einrichtungen unter enormen Druck stünden, sei man sich bewusst.
Bei der Umsetzung des EU-Migrations- und Asylpakts müsse der Aufbau menschenwürdiger Asyl- und Aufnahmesysteme mit wirksamen Schutzmechanismen Vorrang haben, betonte die Hilfsorganisation. Das gelte besonders für Kinder, Familien und andere vulnerable Menschen. Die verschiedenen europäischen Caritas-Organisationen "wissen aus Erfahrung, dass humane und wirksame Antworten möglich sind", erklärte Caritas-Europa-Generalsekretärin Maria Nyman. Diese Erfahrung müsse sich in einer europäischen Politik widerspiegeln, "die Menschen schützt und zugleich Gemeinschaften und Mitgliedstaaten unterstützt".
Quelle: Kathpress