
Design-Experte Wiseman: Kirchen-Logos fehlt die Einheitlichkeit
Design, Logo und Corporate Identity sind für gewöhnlich Wörter, die man nicht auf Anhieb mit der katholischen Kirche, sondern eher mit Börsenunternehmen verbindet. Doch nach Graham Wiseman, Religionsforscher und Informationsgrafiker an der Universität Salzburg, täuscht dieser Eindruck. In Wisemans Fallstudien zeigt sich eine große Akzeptanz für eine professionelle Bildsprache. Bei den Logos der katholischen Kirche Österreich sieht der Forscher jedoch Mängel in "der Einheitlichkeit hinsichtlich der visuellen Identität", wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress erklärte.
Das zunehmende Interesse der Kirche an einer professionellen Bildsprache führt Wiseman auf verschiedene Gründe zurück. Vor allem handele es sich aber um einen "grundlegenden Wandel in der Medientechnologie" von dem die Kirche nicht unbetroffen bleibt. Die technischen Veränderungen und der allumfassende Einfluss hätten somit einen Druck geschaffen, diesem Beispiel zu folgen. Aus Wisemans Studiendaten von 2026 geht auch hervor, dass kirchliche Entscheidungsträger Stolz verspüren, "wenn sie in der Lage sind zukünftige Identitäten mitzugestalten und zu repräsentieren".
Logos in Österreich
Die Logo-Situation in Österreichs Kirchen spiegle laut Wiseman den uneinheitlichen Stand der Diözesen in den restlichen deutschsprachigen Regionen wider. In Österreich werde jedoch in den Logos der katholischen Kirche durchgehend der Begriff "Diözese" verwendet. Dies ist eine Art Alleinstellungsmerkmal zu anderen Regionen, wo "keine einheitliche Terminologie gilt".
Der Wunsch nach Repräsentation der lokalen Identität im Logo, besteht jedoch in allen deutschsprachigen Regionen, wie sich in Wisemans Studiendaten aus 2026 gezeigt hat. Dies stellt die Kirche aber vor ein enormes Spannungsverhältnis, da in den Logos der Diözesen zugleich ein Konnex zur Weltkirche deutlich werden soll.
Als Kompromisslösung schlägt der Forscher daher die Einführung von sogenannten "Endorsemenet-Logos" vor. Dabei handelt es sich um Logos, wo gleichzeitig der Name der Diözese oder der Pfarre, aber auch die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche durch textliche Kennzeichnung zu erkennen sind. Ein Beispiel dafür ist das Logo der Erzdiözese Wien. Dort sind gleichermaßen der Name der Diözese, als auch der Schriftzug "Katholische Kirche" erkennbar. Die Maßnahme ziele darauf ab, eine Vereinheitlichung der visuellen Identität einzuführen, die gleichzeitig "vielfältige Freiheit individueller Entscheidungen zulässt und zugleich einen gemeinsamen roten Faden schafft".
Graham Wiseman hat in Religionswissenschaften an der Uni Salzburg promoviert. Zuvor studierte er Informationsgrafik im Master am Londoner Royal Collage of Art. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf visueller religiöser Kommunikation. Heuer veröffentlichte er dazu das Werk "Einheit in der Vielfalt der identitätsstiftenden Logos für die katholische Kirche - eine Herausforderung". Dabei handelt es sich um die Ergebnispräsentation aus einem Forschungsprojekt, wo Wiseman die Logos der deutschsprachigen katholischen Kirche analysiert hat.
Literaturhinweis: Graham Wiseman, Einheit in der Vielfalt der identitätsstiftenden Logos für die katholische Kirche - eine Herausforderung, LIT-Verlag 2026
Quelle: Kathpress